{"id":2263,"date":"2026-03-09T11:35:06","date_gmt":"2026-03-09T11:35:06","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2263"},"modified":"2026-04-08T08:25:38","modified_gmt":"2026-04-08T08:25:38","slug":"michal-ajvaz-die-andere-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/a\/michal-ajvaz-die-andere-stadt\/","title":{"rendered":"Michal Ajvaz: Die andere Stadt"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2264\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-225x300.jpeg 225w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_5629-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte beginnt in einem Prager Antiquariat, in dem der namenlose Ich-Erz\u00e4hler ein geheimnisvolles Buch in einer unbekannten Schrift entdeckt. Er will trotz mancher Warnungen der Sache auf die Spur kommen und ger\u00e4t in einen Strudel sich \u00fcberst\u00fcrzender, phantastisch-irrwitziger Ereignisse, die mit Logik und Vernunft nichts mehr zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Er verfolgt eine gr\u00fcne, geheimnisvolle Tram auf ihren teils unsichtbaren Schienen auf dem Weg durch Prag und Umgebung; ein gef\u00e4hrliches Verkehrsmittel, denn wer einsteigt, bleibt verschwunden, es ist eine \u201eTram ohne Wiederkehr\u201c. Er wohnt Messen in unterirdischen Kathedralen bei, f\u00e4hrt auf einem Skilift durch Wohnungen, entdeckt Gesch\u00e4fte, die nachts ihre Auslagen f\u00fcr die Bewohner der \u201eanderen Stadt\u201c wechseln, er trifft Menschen, die mehr in der anderen Stadt als im realen Prag zu Hause sind und nicht \u201eso einf\u00e4ltig sind, die Wirklichkeit zu brauchen\u201c. Er sinkt an Bord eines Schiffes in einer Schleuse in Wolkenkratzerdimensionen in die Tiefe, nimmt um 3h fr\u00fch an einer philosophischen Vorlesung teil, ger\u00e4t zwischen die Fronten der Auseinandersetzungen dieser anderen Gesellschaft\u2026undundund\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Roman handelt von der \u201eGrenze unserer Welt\u201c. Diese \u201eist nicht fern, sie liegt nicht am Horizont oder in den Tiefen; sie schimmert in n\u00e4chster N\u00e4he, an den halb dunklen R\u00e4ndern unseres engen Lebensraums \u2013 aus den Augenwinkeln blicken wir st\u00e4ndig, ohne es zu merken, in die andere Welt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht darum, den selbstgez\u00e4hmten Blick unserer Heimat, zugleich unser Gef\u00e4ngnis, \u00fcber die \u201everachteten R\u00e4nder\u201c hinaus zu erweitern und uns nicht l\u00e4nger davor zu f\u00fcrchten, \u201eunser Leben innerhalb abgezirkelter Kreise zu verlassen\u201c. \u201eRichtiges Leben\u201c scheint erst dann m\u00f6glich, wenn man \u201evon der anderen Seite zur\u00fcckkommt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die permanenten Grenz\u00fcberschreitungen werden f\u00fcr den Ich-Erz\u00e4hler zur Herausforderung, entfalten aber auch ein Suchtpotential, dem er immer weniger entkommen kann. Er stellt sich zunehmend die Frage, wann er sich selbst in ein Trugbild verwandeln wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die selbst f\u00fcr phantastische Literatur aberwitzigen und sich verschachtelnden Geschichten k\u00f6nnen einen \u00fcberfordern, manchmal hat man das Gef\u00fchl: Jetzt reicht\u00b4s!<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber scheint sich, beim Leser wie beim namenlosen Ich-Erz\u00e4hler, ein Gef\u00fchl des Verlorenseins, des Pessimismus, der Negativit\u00e4t breitzumachen, denn trotz aller elektrisierenden Grenzerfahrungen, wirklich angenehm sind die meisten der Begebenheiten und Begegnungen ja nicht. Das Faszinierende scheint sich aus dem Irren, ja Absto\u00dfenden, Riskanten zu ergeben. Und ein wirklicher Zugang in diese \u201eandere Stadt\u201c, ein Willkommen-Sein, scheint ja nicht m\u00f6glich. Ja, mehr noch, der Erz\u00e4hler muss bei seinen Ausfl\u00fcgen immer wieder um seine Freiheit, ja sein Leben k\u00e4mpfen. Den erbitterten Kampf auf Leben und Tod mit einem Hai auf einer Kirchturmspitze gewinnt er gerade so.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bricht sich die Erkenntnis Bahn: Die \u201eandere Stadt\u201c w\u00fcrde sich dem \u00f6ffnen, der \u201ewirklich aufbrach\u201c: \u201eIch aber war noch immer nicht wirklich aufgebrochen. Wirklich geht nur derjenige fort, der alles hinter sich l\u00e4sst, der mit einem L\u00e4cheln und leeren H\u00e4nden der Dunkelheit entgegengeht und nicht an eine R\u00fcckkehr denkt. Wer beim Abschied mit der R\u00fcckkehr rechnet, verl\u00e4sst seine Heimat nicht, selbst wenn er die wei\u00dfen St\u00e4dte tief im Dschungel betreten und auf dem Marmor ihrer Pl\u00e4tze ruhen w\u00fcrde: Seine Wege bleiben mit dem Geflecht der Ziele verbunden, die den Raum der Heimat formen, w\u00e4hrend sich die leuchtende Grenze der Fremde vor ihm zur\u00fcckzieht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es d\u00fcrfe nicht darum gehen, \u201edie andere Stadt in die bekannte Ordnung zu pressen, sie in eine Kolonie der Heimat zu verwandeln und dadurch zu unterwerfen und abzuschaffen\u201c. Er entschlie\u00dft sich, \u201edie Zukunft aus dem Netz meiner Pl\u00e4ne zu entlassen und sich der Macht des Weges zu ergeben\u201c. Er wartet an einer Haltestelle auf die gr\u00fcne Tram, sie kommt und er l\u00e4uft auf sie zu. Wird er einsteigen?<\/p>\n\n\n\n<p>Prag ist eine wunderbare Stadt, deren Besuch zu jeder Jahreszeit lohnt. In Zukunft werde ich jedoch nicht mehr durch Prag schlendern k\u00f6nnen, ohne an die \u201eandere Stadt\u201c, das \u201eandere Prag\u201c denken zu k\u00f6nnen. Ich werde nach der gr\u00fcnen Tram Ausschau halten, beim Gang \u00fcber die Karlsbr\u00fccke auf die n\u00e4chtliche F\u00fctterung der in den Heiligenstatuen untergebrachten kleinen Elche warten und den Abend in der kleinen Bar im Sockel der Statuengruppe der HL. Barbara, Margarete und Elisabeth ausklingen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie andere Stadt\u201c &#8211; nicht der einfachste, aber mit Sicherheit nicht der schlechteste Einstieg in die Literatur des Gastlandes Tschechien der Frankfurter Buchmesse 2026!<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eMagische Realismus\u201c in der Literatur ist offensichtlich nicht auf Lateinamerika begrenzt und mit Michal Ajvaz und seinem 1993 erschienen Buch gilt es einen interessanten Autor zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachwort von Tom\u00e1s Glanc enth\u00e4lt interessante Informationen und macht den Entstehungskontext des Buches f\u00fcr denkbare Interpretationen fruchtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke an den Allee Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar!<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2263\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2263\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte beginnt in einem Prager Antiquariat, in dem der namenlose Ich-Erz\u00e4hler ein geheimnisvolles Buch in einer unbekannten Schrift entdeckt. 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Er sinkt an Bord eines Schiffes in einer Schleuse in Wolkenkratzerdimensionen in die Tiefe, nimmt um 3h fr\u00fch an einer philosophischen Vorlesung teil, ger\u00e4t zwischen die Fronten der Auseinandersetzungen dieser anderen Gesellschaft\u2026undundund\u2026 Dieser Roman handelt von der \u201eGrenze unserer Welt\u201c. Diese \u201eist nicht fern, sie liegt nicht am Horizont oder in den Tiefen; sie schimmert in n\u00e4chster N\u00e4he, an den halb dunklen R\u00e4ndern unseres engen Lebensraums \u2013 aus den Augenwinkeln blicken wir st\u00e4ndig, ohne es zu merken, in die andere Welt\u201c. Es geht darum, den selbstgez\u00e4hmten Blick unserer Heimat, zugleich unser Gef\u00e4ngnis, \u00fcber die \u201everachteten R\u00e4nder\u201c hinaus zu erweitern und uns nicht l\u00e4nger davor zu f\u00fcrchten, \u201eunser Leben innerhalb abgezirkelter Kreise zu verlassen\u201c. \u201eRichtiges Leben\u201c scheint erst dann m\u00f6glich, wenn man \u201evon der anderen Seite zur\u00fcckkommt\u201c. Die permanenten Grenz\u00fcberschreitungen werden f\u00fcr den Ich-Erz\u00e4hler zur Herausforderung, entfalten aber auch ein Suchtpotential, dem er immer weniger entkommen kann. Er stellt sich zunehmend die Frage, wann er sich selbst in ein Trugbild verwandeln wird. Die selbst f\u00fcr phantastische Literatur aberwitzigen und sich verschachtelnden Geschichten k\u00f6nnen einen \u00fcberfordern, manchmal hat man das Gef\u00fchl: Jetzt reicht\u00b4s! Vor allem aber scheint sich, beim Leser wie beim namenlosen Ich-Erz\u00e4hler, ein Gef\u00fchl des Verlorenseins, des Pessimismus, der Negativit\u00e4t breitzumachen, denn trotz aller elektrisierenden Grenzerfahrungen, wirklich angenehm sind die meisten der Begebenheiten und Begegnungen ja nicht. Das Faszinierende scheint sich aus dem Irren, ja Absto\u00dfenden, Riskanten zu ergeben. Und ein wirklicher Zugang in diese \u201eandere Stadt\u201c, ein Willkommen-Sein, scheint ja nicht m\u00f6glich. Ja, mehr noch, der Erz\u00e4hler muss bei seinen Ausfl\u00fcgen immer wieder um seine Freiheit, ja sein Leben k\u00e4mpfen. Den erbitterten Kampf auf Leben und Tod mit einem Hai auf einer Kirchturmspitze gewinnt er gerade so. Dann bricht sich die Erkenntnis Bahn: Die \u201eandere Stadt\u201c w\u00fcrde sich dem \u00f6ffnen, der \u201ewirklich aufbrach\u201c: \u201eIch aber war noch immer nicht wirklich aufgebrochen. 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Das Nachwort von Tom\u00e1s Glanc enth\u00e4lt interessante Informationen und macht den Entstehungskontext des Buches f\u00fcr denkbare Interpretationen fruchtbar. 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