{"id":2242,"date":"2026-01-29T12:00:04","date_gmt":"2026-01-29T12:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2242"},"modified":"2026-02-11T17:43:15","modified_gmt":"2026-02-11T17:43:15","slug":"liz-moore-der-andere-arthur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/m\/liz-moore-der-andere-arthur\/","title":{"rendered":"Liz Moore: Der andere Arthur"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2243\" style=\"width:834px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-225x300.jpeg 225w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5450-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Den Hype um \u201eDer Gott des Waldes\u201c hatte ich verpasst, wurde auf Moore aber neugierig und stieg jetzt mit \u201eDer andere Arthur\u201c, in den USA bereits 2012 erschienen, ein. Ich habe es nicht bereut.<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur, in seinen 60ern, 250 Kilo Lebendgewicht, hat sein Elternhaus in Brooklyn seit zehn Jahren, seit dem entsetzlichen 9\/11 nicht mehr verlassen: \u201eDenn an jenem Tag hatte ich niemanden, den ich anrufen konnte, und niemand rief mich an. Schon daher wusste ich, dass ich von jetzt an nicht mehr aus dem Haus gehen musste\u201c.&nbsp;&nbsp;Seine absolute Einsamkeit am Tag der Trag\u00f6die wurde zur bestimmenden existentiellen Verlassenheitserfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Weg in die Einsamkeit begann aber schon fr\u00fcher. Bereits 8 Jahre vorher war er aus seinem Beruf als Uni-Dozent freiwillig ausgeschieden, da ihm zu Unrecht ein Verh\u00e4ltnis zu einer Studentin, Charlene, angedichtet wurde und er sich dem universit\u00e4ren Aufkl\u00e4rungsprocedere nicht ausliefern wollte. Finanziell aufgrund der anhaltenden Unterst\u00fctzung seines ungeliebten Vaters unabh\u00e4ngig, zog er sich in sein nicht vorhandenes Privatleben zur\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Charlene erkannte er sich wieder, \u201eunbeholfen und einsam\u201c, eine Au\u00dfenseiterexistenz. In diesem einzigen Sommer mit ihr war er \u201ewohl zum ersten Mal in seinem Leben\u201c gl\u00fccklich, und obwohl es nur eine platonische Beziehung war &#8211; Charlene war \u201esein Anker in der Welt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verschwindet ebenso schnell wieder aus seinem Leben, wie sie eingetreten war. Die anschlie\u00dfenden brieflichen Kontakte sind von beiden Seiten voller Unwahrheiten und Verschweigen und irgendwann bricht der Kontakt v\u00f6llig ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur verkapselt sich immer mehr. Ab und an \u00fcberf\u00e4llt ihn die Sehnsucht nach der Welt da drau\u00dfen, dann \u00f6ffnet er das Fenster.&nbsp;&nbsp;Er macht sich keine Illusionen \u00fcber sein Dasein. Nach seinem Tod wird man \u201eeine alte, fette Leiche finden und allein ein Berg vollgeschriebener Zettel wird ihnen verraten, dass es sich um ein menschliches Wesen handelt und dass dieser Mann seine eigene Geschichte hat\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>So bedauernswert einem Arthur erscheint, so ist man ab und an doch von seinem andauernden Selbstmitleid und seiner verfressenen Antriebslosigkeit genervt und w\u00fcnscht ihm mehr Eigeninitiative.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Hauptfigur, Kel genannt, aber Arthur getauft, ist Charlens Sohn. Er steht kurz vor dem Highschool-Abschluss und ist ein hoffnungsvolles Baseball-Talent. Sein Vater hat sich fr\u00fch aus dem Staub gemacht und hinterlie\u00df eine dauernde Leerstelle bei Kel: \u201eMeine fr\u00fcheste Erinnerung ist eine an meinen Vater, der auch Kel hei\u00dft. Unser Nachname ist Keller. Er hat mir seinen Namen gegeben und seinen Baseball, und als ich vier war, ist er nach Arizona gezogen und ich bin immer noch Kel Keller\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kel lebt irgendwie zwischen zwei Welten, seine fr\u00fchere Schule mit seinen Freunden musste er auf Dr\u00e4ngen seiner Mutter f\u00fcr eine besser situierte Schule aufgeben. Aber auch dort erobert er sich seinen Platz. Aber trotz seiner Freunde, trotz seiner M\u00e4dchen, trotz seines sportlichen Erfolges, f\u00fchlt er sich abgrundtief einsam. Ihm fehlt eine Familie, \u201eMenschen, die sich mit mir zusammen Sorgen machen\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Charlene, seit Jahren krank und schwere Alkoholikerin, hat ihren Beruf aufgegeben und \u201ewohnt auf der Couch\u201c. Kel hat ein gespaltenes Verh\u00e4ltnis zu ihr: \u201eIch hasse sie, aber ich will ihr helfen\u201c. Eine wirkliche Hilfe ist jedoch nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine verhaltene, schrittweise und mit vielen (Selbst)zweifeln sich vollziehende Ver\u00e4nderung ergibt sich f\u00fcr Arthur dadurch, dass Menschen und Aufgaben in sein Leben und seine Einsamkeit treten und ihn fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung meldet sich Charlene wieder, erz\u00e4hlt von ihrem Sohn und bittet Arthur, diesem bei seiner College-Bewerbung behilflich zu sein. Dies ist f\u00fcr Arthur die Best\u00e4tigung seiner \u00dcberzeugung, dass es eine \u201e\u00dcberseele der Einsamkeit\u201c gibt, \u201eetwas, das alle Einsamen dieser Welt miteinander verbindet\u201c. F\u00fcr Arthur er\u00f6ffnet dieses lange ersehnte Lebenszeichen nicht nur den Erinnerungsweg zur\u00fcck in die Vergangenheit, sondern auch die letztlich vergebliche Hoffnung auf eine Wiederann\u00e4herung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den erhofften Besuch seiner ehemaligen Studentin will er sein vernachl\u00e4ssigtes Haus auf Vordermann bringen und engagiert eine Reinigungskraft, die junge und resolute Yolanda. Sie vermag es, Arthur aus seiner Lethargie zu holen und zusammen mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Charlene sieht Arthur sein \u201eLeben pl\u00f6tzlich auf fulminante Weise zu einem ekstatischen Traum\u201c erbl\u00fcht und hat das Gef\u00fchl, \u201edass mein Leben noch mehr zu bieten hat als einen langsamen, schrittweisen Tod\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Hoffnung hatte Charlene nicht mehr. In ihrem Suizid sieht sie nicht nur f\u00fcr sich eine Erl\u00f6sung, sondern f\u00fcr Kel auch die einzige Chance, seinen eigenen Weg gehen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Suizid seiner Mutter verliert Kel zun\u00e4chst auch noch den Rest an Boden unter den F\u00fc\u00dfen. Als Konsequenz zerschl\u00e4gt sich auch noch die erhoffte Baseball-Karriere. Aber er schafft es, mit Hilfe von Freunden, sich gleichsam am eigenen Schopf aus seiner Misere zu ziehen. Und die beiden Arthurs finden ihren m\u00fchsamen Weg zueinander.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer andere Arthur\u201c ist ein ber\u00fchrendes Buch \u00fcber zwei sehr unterschiedliche Menschen aus sehr verschiedenen sozialen Kontexten, deren Lebenswege sich immer st\u00e4rker verkapseln und denen es schwerf\u00e4llt, eine Membran zu finden, durch die Luft hereindringt und ein belebender Au\u00dfenkontakt hergestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine Geschichte \u00fcber Verlassenheit, Einsamkeit, Selbstverkapselung, Sprachlosigkeit, das schmerzliche Begreifen zu sp\u00e4t verstandener Lektionen, das Bedauern \u00fcber verpasste Chancen, \u00fcber richtige und falsche Abzweigungen im Leben, Trauer und Reue \u00fcber eigenes Verhalten, die Unm\u00f6glichkeit von Wiedergutmachung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles k\u00f6nnte in eine ausweglos erscheinende Geschichte m\u00fcnden, tut es trotz aller Beklemmung und Traurigkeit \u00fcber weite Strecken des Buches jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer andere Arthur\u201c ist vielmehr auch eine Geschichte von Hoffnung, ja \u201eErl\u00f6sung\u201c, trotz offensichtlicher Aussichtslosigkeit, der M\u00f6glichkeit neuen Beginnens. Die Befreiung aus der Selbstverkapselung ist ein m\u00fchsamer Prozess, der in aller Regel ohne Anst\u00f6\u00dfe oder gar Hilfe von au\u00dfen nicht gelingen kann. \u201eDer andere Arthur\u201c ist der Aufruf, N\u00e4he, wenn nicht zu suchen, dann doch zuzulassen. Aber auch die Aufforderung, N\u00e4he zu geben. Beides kann sehr schwierig sein. Die Geschichte sensibilisiert f\u00fcr die Bedeutung von Zuwendung, gerade auch dann, wenn sie nicht leicht f\u00e4llt oder zun\u00e4chst&nbsp;&nbsp;gar nicht gewollt scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist bei der Auseinandersetzung Arthurs und Kels mit sich selbst der Spruch des d\u00e4nischen Religionsphilosophen S\u00f6ren Kierkegaard in Erinnerung gekommen: \u201eDas Leben kann nur r\u00fcckw\u00e4rts verstanden werden, aber es muss vorw\u00e4rts gelebt werden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur im R\u00fcckblick auf seine Beziehung zu Charlene: \u201eWir hatten beide ganz allein zu Hause gesessen und uns in unsere Einsamkeit eingeigelt. Jeder f\u00fcr sich. Das h\u00e4tte nicht sein m\u00fcssen, ganz und gar nicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Charlene kommt diese Erkenntnis zu sp\u00e4t, f\u00fcr die beiden Arthurs aber nicht. Der junge Arthur erkennt, dass seine Mutter sich die beiden Arthurs gegenseitig schenken wollte. Es d\u00fcrfte das wichtigste Geschenk sein, das sie in ihrem Leben gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Moore hat eine sehr eigene, ja einfache, manches Mal etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Sprache. Ich war etwas resistent gegen diese Art von Sprache und Erz\u00e4hlung, aber im Verlauf des Buches gewinnt sie doch ihren eigenen, wenngleich nicht v\u00f6llig \u00fcberzeugenden Reiz. Den \u201eGott des Waldes\u201c werde ich nun aber auch lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke an den Beck Verlags f\u00fcr das Rezensionsexemplar.<\/p>\n\n\n\n<p>Liz Moore: Der andere Arthur, Beck Verlag, ISBN:978 3 406 84333 4<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2242\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2242\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Hype um \u201eDer Gott des Waldes\u201c hatte ich verpasst, wurde auf Moore aber neugierig und stieg jetzt mit \u201eDer andere Arthur\u201c, in den USA bereits 2012 erschienen, ein. Ich habe es nicht bereut. Arthur, in seinen 60ern, 250 Kilo Lebendgewicht, hat sein Elternhaus in Brooklyn seit zehn Jahren, seit dem entsetzlichen 9\/11 nicht mehr verlassen: \u201eDenn an jenem Tag hatte ich niemanden, den ich anrufen konnte, und niemand rief mich an. Schon daher wusste ich, dass ich von jetzt an nicht mehr aus dem Haus gehen musste\u201c.&nbsp;&nbsp;Seine absolute Einsamkeit am Tag der Trag\u00f6die wurde zur bestimmenden existentiellen Verlassenheitserfahrung. Sein Weg in die Einsamkeit begann aber schon fr\u00fcher. Bereits 8 Jahre vorher war er aus seinem Beruf als Uni-Dozent freiwillig ausgeschieden, da ihm zu Unrecht ein Verh\u00e4ltnis zu einer Studentin, Charlene, angedichtet wurde und er sich dem universit\u00e4ren Aufkl\u00e4rungsprocedere nicht ausliefern wollte. Finanziell aufgrund der anhaltenden Unterst\u00fctzung seines ungeliebten Vaters unabh\u00e4ngig, zog er sich in sein nicht vorhandenes Privatleben zur\u00fcck.&nbsp; In Charlene erkannte er sich wieder, \u201eunbeholfen und einsam\u201c, eine Au\u00dfenseiterexistenz. In diesem einzigen Sommer mit ihr war er \u201ewohl zum ersten Mal in seinem Leben\u201c gl\u00fccklich, und obwohl es nur eine platonische Beziehung war &#8211; Charlene war \u201esein Anker in der Welt\u201c. Sie verschwindet ebenso schnell wieder aus seinem Leben, wie sie eingetreten war. Die anschlie\u00dfenden brieflichen Kontakte sind von beiden Seiten voller Unwahrheiten und Verschweigen und irgendwann bricht der Kontakt v\u00f6llig ab. Arthur verkapselt sich immer mehr. Ab und an \u00fcberf\u00e4llt ihn die Sehnsucht nach der Welt da drau\u00dfen, dann \u00f6ffnet er das Fenster.&nbsp;&nbsp;Er macht sich keine Illusionen \u00fcber sein Dasein. Nach seinem Tod wird man \u201eeine alte, fette Leiche finden und allein ein Berg vollgeschriebener Zettel wird ihnen verraten, dass es sich um ein menschliches Wesen handelt und dass dieser Mann seine eigene Geschichte hat\u201c. So bedauernswert einem Arthur erscheint, so ist man ab und an doch von seinem andauernden Selbstmitleid und seiner verfressenen Antriebslosigkeit genervt und w\u00fcnscht ihm mehr Eigeninitiative. Die andere Hauptfigur, Kel genannt, aber Arthur getauft, ist Charlens Sohn. Er steht kurz vor dem Highschool-Abschluss und ist ein hoffnungsvolles Baseball-Talent. Sein Vater hat sich fr\u00fch aus dem Staub gemacht und hinterlie\u00df eine dauernde Leerstelle bei Kel: \u201eMeine fr\u00fcheste Erinnerung ist eine an meinen Vater, der auch Kel hei\u00dft. Unser Nachname ist Keller. Er hat mir seinen Namen gegeben und seinen Baseball, und als ich vier war, ist er nach Arizona gezogen und ich bin immer noch Kel Keller\u201c. Kel lebt irgendwie zwischen zwei Welten, seine fr\u00fchere Schule mit seinen Freunden musste er auf Dr\u00e4ngen seiner Mutter f\u00fcr eine besser situierte Schule aufgeben. Aber auch dort erobert er sich seinen Platz. Aber trotz seiner Freunde, trotz seiner M\u00e4dchen, trotz seines sportlichen Erfolges, f\u00fchlt er sich abgrundtief einsam. Ihm fehlt eine Familie, \u201eMenschen, die sich mit mir zusammen Sorgen machen\u201c.&nbsp; Charlene, seit Jahren krank und schwere Alkoholikerin, hat ihren Beruf aufgegeben und \u201ewohnt auf der Couch\u201c. Kel hat ein gespaltenes Verh\u00e4ltnis zu ihr: \u201eIch hasse sie, aber ich will ihr helfen\u201c. Eine wirkliche Hilfe ist jedoch nicht mehr m\u00f6glich. Eine verhaltene, schrittweise und mit vielen (Selbst)zweifeln sich vollziehende Ver\u00e4nderung ergibt sich f\u00fcr Arthur dadurch, dass Menschen und Aufgaben in sein Leben und seine Einsamkeit treten und ihn fordern. Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung meldet sich Charlene wieder, erz\u00e4hlt von ihrem Sohn und bittet Arthur, diesem bei seiner College-Bewerbung behilflich zu sein. Dies ist f\u00fcr Arthur die Best\u00e4tigung seiner \u00dcberzeugung, dass es eine \u201e\u00dcberseele der Einsamkeit\u201c gibt, \u201eetwas, das alle Einsamen dieser Welt miteinander verbindet\u201c. F\u00fcr Arthur er\u00f6ffnet dieses lange ersehnte Lebenszeichen nicht nur den Erinnerungsweg zur\u00fcck in die Vergangenheit, sondern auch die letztlich vergebliche Hoffnung auf eine Wiederann\u00e4herung. F\u00fcr den erhofften Besuch seiner ehemaligen Studentin will er sein vernachl\u00e4ssigtes Haus auf Vordermann bringen und engagiert eine Reinigungskraft, die junge und resolute Yolanda. Sie vermag es, Arthur aus seiner Lethargie zu holen und zusammen mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Charlene sieht Arthur sein \u201eLeben pl\u00f6tzlich auf fulminante Weise zu einem ekstatischen Traum\u201c erbl\u00fcht und hat das Gef\u00fchl, \u201edass mein Leben noch mehr zu bieten hat als einen langsamen, schrittweisen Tod\u201c. Diese Hoffnung hatte Charlene nicht mehr. In ihrem Suizid sieht sie nicht nur f\u00fcr sich eine Erl\u00f6sung, sondern f\u00fcr Kel auch die einzige Chance, seinen eigenen Weg gehen zu k\u00f6nnen.&nbsp; Nach dem Suizid seiner Mutter verliert Kel zun\u00e4chst auch noch den Rest an Boden unter den F\u00fc\u00dfen. Als Konsequenz zerschl\u00e4gt sich auch noch die erhoffte Baseball-Karriere. Aber er schafft es, mit Hilfe von Freunden, sich gleichsam am eigenen Schopf aus seiner Misere zu ziehen. Und die beiden Arthurs finden ihren m\u00fchsamen Weg zueinander. \u201eDer andere Arthur\u201c ist ein ber\u00fchrendes Buch \u00fcber zwei sehr unterschiedliche Menschen aus sehr verschiedenen sozialen Kontexten, deren Lebenswege sich immer st\u00e4rker verkapseln und denen es schwerf\u00e4llt, eine Membran zu finden, durch die Luft hereindringt und ein belebender Au\u00dfenkontakt hergestellt werden kann. Es ist eine Geschichte \u00fcber Verlassenheit, Einsamkeit, Selbstverkapselung, Sprachlosigkeit, das schmerzliche Begreifen zu sp\u00e4t verstandener Lektionen, das Bedauern \u00fcber verpasste Chancen, \u00fcber richtige und falsche Abzweigungen im Leben, Trauer und Reue \u00fcber eigenes Verhalten, die Unm\u00f6glichkeit von Wiedergutmachung. Das alles k\u00f6nnte in eine ausweglos erscheinende Geschichte m\u00fcnden, tut es trotz aller Beklemmung und Traurigkeit \u00fcber weite Strecken des Buches jedoch nicht. \u201eDer andere Arthur\u201c ist vielmehr auch eine Geschichte von Hoffnung, ja \u201eErl\u00f6sung\u201c, trotz offensichtlicher Aussichtslosigkeit, der M\u00f6glichkeit neuen Beginnens. Die Befreiung aus der Selbstverkapselung ist ein m\u00fchsamer Prozess, der in aller Regel ohne Anst\u00f6\u00dfe oder gar Hilfe von au\u00dfen nicht gelingen kann. \u201eDer andere Arthur\u201c ist der Aufruf, N\u00e4he, wenn nicht zu suchen, dann doch zuzulassen. Aber auch die Aufforderung, N\u00e4he zu geben. Beides kann sehr schwierig sein. Die Geschichte sensibilisiert f\u00fcr die Bedeutung von Zuwendung, gerade auch dann, wenn sie nicht leicht f\u00e4llt oder zun\u00e4chst&nbsp;&nbsp;gar nicht gewollt scheint. Mir ist bei der Auseinandersetzung Arthurs und Kels mit sich selbst der Spruch des d\u00e4nischen Religionsphilosophen S\u00f6ren Kierkegaard in Erinnerung gekommen: \u201eDas Leben kann nur r\u00fcckw\u00e4rts verstanden werden, aber es muss vorw\u00e4rts gelebt werden\u201c. Arthur im R\u00fcckblick auf seine Beziehung zu Charlene: \u201eWir hatten beide ganz allein zu Hause gesessen<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2243,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47],"tags":[160],"class_list":["post-2242","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-m","tag-beckverlag-roman-lizmoore-bookstagram-deranderearthur-lizmoorebooks-buchempfehlung-buchrezension-bookrecomendations"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2242"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2242"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2245,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2242\/revisions\/2245"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}