{"id":2229,"date":"2025-12-22T15:24:52","date_gmt":"2025-12-22T15:24:52","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2229"},"modified":"2025-12-22T15:24:54","modified_gmt":"2025-12-22T15:24:54","slug":"laszlo-krasznahorkai-zsoemle-ist-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/k\/laszlo-krasznahorkai-zsoemle-ist-weg\/","title":{"rendered":"L\u00e1szlo Krasznahorkai: Zs\u00f6mle ist weg"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"742\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-742x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2230\" style=\"width:859px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-742x1024.jpeg 742w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-217x300.jpeg 217w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-768x1060.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-1112x1536.jpeg 1112w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-1483x2048.jpeg 1483w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_5262-scaled.jpeg 1854w\" sizes=\"(max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>In seinem j\u00fcngsten Roman, einer Mischung aus Schelmenroman und politischer Realsatire mit einer Art ungarischem Don Quijote als Hauptfigur f\u00fchrt uns der Literaturnobelpreistr\u00e4ger in seine Heimat der 2010er Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss, wie immer bei Krasznahorkai, konzentriert lesen, denn abgeschlossene S\u00e4tze sind seine Sache nicht. Immerhin, im Gegensatz zu seinem Roman \u201eHerscht 07769\u201c, der auf 409 Seiten aus einem einzigen Satz besteht, g\u00f6nnt Krasznahorkai nun jedem der 11 Kapitel einen Satz.<\/p>\n\n\n\n<p>Hauptfigur ist der 91 j\u00e4hrige \u201eAlte vom Berge\u201c, Witwer, der, verkracht mit seiner Familie, alleine mit seinem Hund Zs\u00f6mle seine letzten Tage verbringt und fest entschlossen ist, in keinerlei Sinne mehr \u201eHolz aufs Feuer zu legen\u201c, sondern alles seinem Ende zugehen zu lassen. Eigentlich eine einfache Angelegenheit, w\u00e4re da nicht sein Geheimnis, das ihm immer wieder Lebensmut und -kraft eintr\u00e4ufelt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist \u00fcberzeugt, der Spross einer \u00fcber Jahrhunderte geheimgehaltenen und versteckt lebenden Linie der ungarischen, von Dschingis Khan abstammenden Monarchie zu sein. Ja, mehr noch, in einer geheimen Zeremonie von Hitlers Statthalter Horthy 1944 gekr\u00f6nt worden zu sein, um die R\u00fcckkehr der ihm verhassten, \u201edreckigen Habsburger\u201c auf den ungarischen Thron zu verhindern. Aber selbst seine Tochter glaubt ihm nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00e4mpft er altersbedingt mit gro\u00dfer M\u00fcdigkeit, versinkt h\u00e4ufig im \u201eAlles-egal-Nebel\u201c, in seinen k\u00e4mpferischen Momenten schreibt er dann an die EU, den Papst, die ungarischen Beh\u00f6rden, und wenn es ihm nicht um den Thron geht, dann wenigstens um eine angemessene Rente als ehemaliger Kriegsheld, ein Ansinnen, vor dem auch der deutsche Bundespr\u00e4sident nicht sicher ist, der sich unverst\u00e4ndlicherweise jedoch nicht \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation ver\u00e4ndert sich dramatisch, als der Alte von einer bunt zusammengew\u00fcrfelten Anh\u00e4ngerschar aufgesp\u00fcrt wird, die mit Organisationen wie \u201eTudenungarnnichtszuleide\u201c, \u201eBlut und Ehre\u201c oder der \u201eUrungarischen Schamanenkirche\u201c das \u201eHeilige Ungarische Vaterland, das noch nie so tief in den h\u00f6llischen Schlund der Selbstvernichtung gesunken ist\u201c, durch die Restaurierung der Monarchie retten will.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn der Alte nicht mit \u201eMajest\u00e4t\u201c, sondern mit \u201eOnkel J\u00f3zsi angesprochen werden will, beginnt er mit dieser neuen Lage zu kokettieren, denn er verachtet nicht nur die Habsburger zutiefst, auch von \u201ediesem Orb\u00e1n\u201c h\u00e4lt er nichts! Nun muss man kein Monarchist sein, um zumindest dem zuzustimmen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bem\u00fchungen der Gruppe nehmen zu, die Hoffnung steigt, aber es geht nicht voran. Einige seiner Helfer tragen ein enormes Waffenarsenal zusammen, um den gewaltsamen Umsturz zu wagen. Onkel J\u00f3zsi lehnt das entr\u00fcstet ab und trennt sich von diesen \u201eMitstreitern\u201c.&nbsp;&nbsp;Da das Projekt aber trotz hoffnungweckender Ereignisse und Treffen mit Regierungsvertretern, es schimmert das regierungsseitige Interesse an einem gemeinsamen Vorgehen durch, weiter stagniert, zieht nun auch Onkel Joszi phasenweise die gewaltsame Option in Betracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt, wie es kommen muss. Der Staat schl\u00e4gt zu. Einige der R\u00e4delsf\u00fchrer werden mit hohen Haftstrafen aus dem Verkehr gezogen, Onkel J\u00f3zsi wird f\u00fcr unzurechnungsf\u00e4hig erkl\u00e4rt und verschwindet in der Psychiatrie. Auch dort kommt es aber zu dem f\u00fcr diesen Roman charakteristischen Auf und Ab der Ereignisse und Gef\u00fchle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum trotz allem offenen Schluss, den Onkel J\u00f3zsi zusammen mit Zs\u00f6mle in Szene setzt, laviert Krasznahorkai in der zentralen Frage, ob der Alte nun wirklich der heimliche K\u00f6nig oder doch nur ein alter Spinner ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Krasznahorkai vermengt geschickt reale Ereignisse und Personen mit der Lebensgeschichte von Onkel J\u00f3zsi, sei es die Linie der \u00c1rp\u00e1den-Dynastie, sei es die Schauspielerin Zita Sceleczk, seine gro\u00dfe, einw\u00f6chige Liebe oder seine Kinderfreundschaft mit dem sp\u00e4teren Tarzan-Darsteller Jhonny Weism\u00fcller.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist es im Verlaufe der Lekt\u00fcre sinnvoll, immer mal wieder im Internet zu recherchieren, um Fiktion von Fakten trennen zu k\u00f6nnen, zudem lernt man so so auch einiges aus der ungarischen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sicher nicht zu weit hergeholt, in Onkel J\u00f3zsi auch den zu sehen, der Ungarn den Spiegel vorh\u00e4lt. So wenn er in seiner Regierung \u201eSt\u00e4rke nicht durch Gewalt demonstrieren (will), sondern durch den Zwang, die moralischen Gesetze einzuhalten\u201c. Die Herrschenden sollen \u201emoralisches Vorbild\u201c sein. Stattdessen sieht er zu viele, die aufgrund ihrer Raffgier zum&nbsp;&nbsp;\u201eniedertr\u00e4chtigsten Verhalten f\u00e4hig\u201c sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann diesen Roman als politische Burleske lesen, als Kom\u00f6die auf die Verworrenheit unserer Zeit, die alle m\u00f6glichen Gew\u00e4chse gedeihen und eine krude Anh\u00e4ngerschaft gewinnen l\u00e4sst und ihn schmunzelnd und am\u00fcsiert, unterlegt mit einer gewissen pers\u00f6nlichen Sympathie und einem Schuss Mitleid f\u00fcr Onkel J\u00f3zsi, zur Seite legen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl humorvoll geschrieben, eine solche reduzierte Lesart w\u00fcrde diesem Roman jedoch nicht gerecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Botschaft scheint mir im Kern sehr viel deutlicher, brutaler zu sein:<\/p>\n\n\n\n<p>Der fruchtbare Boden nationalistischer Atavismen kann alle m\u00f6glichen Gestalten, Gruppierungen und Ideens\u00fcmpfe hervorbringen, kein Land&nbsp;&nbsp;sollte sich davor sicher f\u00fchlen. Es gibt keine politische Dummheit, keine noch so absurd anmutende Verschrobenheit, die nicht ihre gl\u00e4ubige, ja fanatische und mit zunehmender Aussichtslosigkeit des Projekts zu allem bereite Anh\u00e4ngerschaft findet. Die Grenze zwischen gutm\u00fctigen Spinnern und der pl\u00f6tzlich aufflammenden Bereitschaft, es doch auch anders als friedlich zu versuchen, ist flie\u00dfend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initialz\u00fcndung zu diesem Roman d\u00fcrfte der sogenannte Reichsb\u00fcrgerprozess vor dem OLG Frankfurt gewesen sein. Denn der Hauptangeklagte, Heinrich XIII. Prinz Reuss, z\u00e4hlt zu den besten Freunden in Onkel J\u00f3szis illustrem und internationalen Freundeskreis: \u201eWir verstehen uns also in jeder Hinsicht gut, er will das Gleiche wie ich, doch seine Mittel sind andere, ich kann meine Mittel nicht mit seinen vergleichen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es Krasznahorkai gelingt, trotz der politischen Konnotation so was wie pers\u00f6nliche, nicht politische Sympathie, Mitleid mit Onkel J\u00f3zsi wachsen zu lassen, Uwe Johnson hat in seinen \u201eJahrestagen\u201c mal formuliert, es sei \u201eBetroffenheit ins Gef\u00fchl geschmuggelt\u201c worden, sollte man nicht als verungl\u00fcckten konzeptionellen Ansatz oder gar verklausulierte politische N\u00e4he missverstehen, sondern als gute, da zu Differenzierung f\u00fchrende Literatur genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2229\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2229\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem j\u00fcngsten Roman, einer Mischung aus Schelmenroman und politischer Realsatire mit einer Art ungarischem Don Quijote als Hauptfigur f\u00fchrt uns der Literaturnobelpreistr\u00e4ger in seine Heimat der 2010er Jahre. Man muss, wie immer bei Krasznahorkai, konzentriert lesen, denn abgeschlossene S\u00e4tze sind seine Sache nicht. Immerhin, im Gegensatz zu seinem Roman \u201eHerscht 07769\u201c, der auf 409 Seiten aus einem einzigen Satz besteht, g\u00f6nnt Krasznahorkai nun jedem der 11 Kapitel einen Satz. Hauptfigur ist der 91 j\u00e4hrige \u201eAlte vom Berge\u201c, Witwer, der, verkracht mit seiner Familie, alleine mit seinem Hund Zs\u00f6mle seine letzten Tage verbringt und fest entschlossen ist, in keinerlei Sinne mehr \u201eHolz aufs Feuer zu legen\u201c, sondern alles seinem Ende zugehen zu lassen. Eigentlich eine einfache Angelegenheit, w\u00e4re da nicht sein Geheimnis, das ihm immer wieder Lebensmut und -kraft eintr\u00e4ufelt.&nbsp; Er ist \u00fcberzeugt, der Spross einer \u00fcber Jahrhunderte geheimgehaltenen und versteckt lebenden Linie der ungarischen, von Dschingis Khan abstammenden Monarchie zu sein. Ja, mehr noch, in einer geheimen Zeremonie von Hitlers Statthalter Horthy 1944 gekr\u00f6nt worden zu sein, um die R\u00fcckkehr der ihm verhassten, \u201edreckigen Habsburger\u201c auf den ungarischen Thron zu verhindern. Aber selbst seine Tochter glaubt ihm nicht. So k\u00e4mpft er altersbedingt mit gro\u00dfer M\u00fcdigkeit, versinkt h\u00e4ufig im \u201eAlles-egal-Nebel\u201c, in seinen k\u00e4mpferischen Momenten schreibt er dann an die EU, den Papst, die ungarischen Beh\u00f6rden, und wenn es ihm nicht um den Thron geht, dann wenigstens um eine angemessene Rente als ehemaliger Kriegsheld, ein Ansinnen, vor dem auch der deutsche Bundespr\u00e4sident nicht sicher ist, der sich unverst\u00e4ndlicherweise jedoch nicht \u00e4u\u00dfert. Die Situation ver\u00e4ndert sich dramatisch, als der Alte von einer bunt zusammengew\u00fcrfelten Anh\u00e4ngerschar aufgesp\u00fcrt wird, die mit Organisationen wie \u201eTudenungarnnichtszuleide\u201c, \u201eBlut und Ehre\u201c oder der \u201eUrungarischen Schamanenkirche\u201c das \u201eHeilige Ungarische Vaterland, das noch nie so tief in den h\u00f6llischen Schlund der Selbstvernichtung gesunken ist\u201c, durch die Restaurierung der Monarchie retten will. Auch wenn der Alte nicht mit \u201eMajest\u00e4t\u201c, sondern mit \u201eOnkel J\u00f3zsi angesprochen werden will, beginnt er mit dieser neuen Lage zu kokettieren, denn er verachtet nicht nur die Habsburger zutiefst, auch von \u201ediesem Orb\u00e1n\u201c h\u00e4lt er nichts! Nun muss man kein Monarchist sein, um zumindest dem zuzustimmen! Die Bem\u00fchungen der Gruppe nehmen zu, die Hoffnung steigt, aber es geht nicht voran. Einige seiner Helfer tragen ein enormes Waffenarsenal zusammen, um den gewaltsamen Umsturz zu wagen. Onkel J\u00f3zsi lehnt das entr\u00fcstet ab und trennt sich von diesen \u201eMitstreitern\u201c.&nbsp;&nbsp;Da das Projekt aber trotz hoffnungweckender Ereignisse und Treffen mit Regierungsvertretern, es schimmert das regierungsseitige Interesse an einem gemeinsamen Vorgehen durch, weiter stagniert, zieht nun auch Onkel Joszi phasenweise die gewaltsame Option in Betracht. Dann kommt, wie es kommen muss. Der Staat schl\u00e4gt zu. Einige der R\u00e4delsf\u00fchrer werden mit hohen Haftstrafen aus dem Verkehr gezogen, Onkel J\u00f3zsi wird f\u00fcr unzurechnungsf\u00e4hig erkl\u00e4rt und verschwindet in der Psychiatrie. Auch dort kommt es aber zu dem f\u00fcr diesen Roman charakteristischen Auf und Ab der Ereignisse und Gef\u00fchle.&nbsp; Bis zum trotz allem offenen Schluss, den Onkel J\u00f3zsi zusammen mit Zs\u00f6mle in Szene setzt, laviert Krasznahorkai in der zentralen Frage, ob der Alte nun wirklich der heimliche K\u00f6nig oder doch nur ein alter Spinner ist. Krasznahorkai vermengt geschickt reale Ereignisse und Personen mit der Lebensgeschichte von Onkel J\u00f3zsi, sei es die Linie der \u00c1rp\u00e1den-Dynastie, sei es die Schauspielerin Zita Sceleczk, seine gro\u00dfe, einw\u00f6chige Liebe oder seine Kinderfreundschaft mit dem sp\u00e4teren Tarzan-Darsteller Jhonny Weism\u00fcller. Daher ist es im Verlaufe der Lekt\u00fcre sinnvoll, immer mal wieder im Internet zu recherchieren, um Fiktion von Fakten trennen zu k\u00f6nnen, zudem lernt man so so auch einiges aus der ungarischen Geschichte. Es ist sicher nicht zu weit hergeholt, in Onkel J\u00f3zsi auch den zu sehen, der Ungarn den Spiegel vorh\u00e4lt. So wenn er in seiner Regierung \u201eSt\u00e4rke nicht durch Gewalt demonstrieren (will), sondern durch den Zwang, die moralischen Gesetze einzuhalten\u201c. Die Herrschenden sollen \u201emoralisches Vorbild\u201c sein. Stattdessen sieht er zu viele, die aufgrund ihrer Raffgier zum&nbsp;&nbsp;\u201eniedertr\u00e4chtigsten Verhalten f\u00e4hig\u201c sind. Man kann diesen Roman als politische Burleske lesen, als Kom\u00f6die auf die Verworrenheit unserer Zeit, die alle m\u00f6glichen Gew\u00e4chse gedeihen und eine krude Anh\u00e4ngerschaft gewinnen l\u00e4sst und ihn schmunzelnd und am\u00fcsiert, unterlegt mit einer gewissen pers\u00f6nlichen Sympathie und einem Schuss Mitleid f\u00fcr Onkel J\u00f3zsi, zur Seite legen.&nbsp; Obwohl humorvoll geschrieben, eine solche reduzierte Lesart w\u00fcrde diesem Roman jedoch nicht gerecht. Die Botschaft scheint mir im Kern sehr viel deutlicher, brutaler zu sein: Der fruchtbare Boden nationalistischer Atavismen kann alle m\u00f6glichen Gestalten, Gruppierungen und Ideens\u00fcmpfe hervorbringen, kein Land&nbsp;&nbsp;sollte sich davor sicher f\u00fchlen. Es gibt keine politische Dummheit, keine noch so absurd anmutende Verschrobenheit, die nicht ihre gl\u00e4ubige, ja fanatische und mit zunehmender Aussichtslosigkeit des Projekts zu allem bereite Anh\u00e4ngerschaft findet. Die Grenze zwischen gutm\u00fctigen Spinnern und der pl\u00f6tzlich aufflammenden Bereitschaft, es doch auch anders als friedlich zu versuchen, ist flie\u00dfend. Die Initialz\u00fcndung zu diesem Roman d\u00fcrfte der sogenannte Reichsb\u00fcrgerprozess vor dem OLG Frankfurt gewesen sein. Denn der Hauptangeklagte, Heinrich XIII. Prinz Reuss, z\u00e4hlt zu den besten Freunden in Onkel J\u00f3szis illustrem und internationalen Freundeskreis: \u201eWir verstehen uns also in jeder Hinsicht gut, er will das Gleiche wie ich, doch seine Mittel sind andere, ich kann meine Mittel nicht mit seinen vergleichen\u201c. Dass es Krasznahorkai gelingt, trotz der politischen Konnotation so was wie pers\u00f6nliche, nicht politische Sympathie, Mitleid mit Onkel J\u00f3zsi wachsen zu lassen, Uwe Johnson hat in seinen \u201eJahrestagen\u201c mal formuliert, es sei \u201eBetroffenheit ins Gef\u00fchl geschmuggelt\u201c worden, sollte man nicht als verungl\u00fcckten konzeptionellen Ansatz oder gar verklausulierte politische N\u00e4he missverstehen, sondern als gute, da zu Differenzierung f\u00fchrende Literatur genie\u00dfen.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2230,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45],"tags":[156],"class_list":["post-2229","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-k","tag-krasznahorkai-literaturnobelpreis2025-sfischerverlag-roman-tbr-ungarnliteratur-ungarn-bookstagram"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2229"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2229"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2229\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2232,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2229\/revisions\/2232"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2230"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2229"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2229"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2229"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}