{"id":2185,"date":"2025-10-15T15:34:48","date_gmt":"2025-10-15T15:34:48","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2185"},"modified":"2025-10-15T15:34:49","modified_gmt":"2025-10-15T15:34:49","slug":"allan-n-derain-das-meer-der-aswang-awanglaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/d\/allan-n-derain-das-meer-der-aswang-awanglaut\/","title":{"rendered":"Allan N. Derain: Das Meer der Aswang \/ Awanglaut"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Review also in English!<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"771\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-771x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2186\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-771x1024.jpeg 771w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-226x300.jpeg 226w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-768x1020.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-1156x1536.jpeg 1156w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4518.jpeg 1179w\" sizes=\"(max-width: 771px) 100vw, 771px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLuklak ist ein Mensch, der einmal aufrecht stehen und auf zwei Beinen gehen konnte, aber in k\u00fcrzester Zeit ist sie auf den Zustand eines kriechenden Gesch\u00f6pfes zur\u00fcckgeworfen\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer w\u00fcrde bei diesen S\u00e4tzen nicht an Gregor Samsa in Kafkas \u201eVerwandlung\u201c denken?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Meer der Aswang\u201c ist jedoch um ein Vielfaches mystischer. Das M\u00e4dchen Luklak verwandelt sich in eine \u201eAswang\u201c.&nbsp;&nbsp;Dieses wohl bekannteste Fabelwesen der philippinischen Mythologie ist die Verk\u00f6rperung der absoluten Freiheit. \u201eSie steht zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit und zwingt dazu, den Unterschied zu bedenken. So sieht es die Sch\u00f6pfung vor\u201c. Dies ist vielleicht das zentrale Definitionselement einer Aswang.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt kaum einen zeitgen\u00f6ssischen philippinischen Roman, in dem nicht zumindest Ankl\u00e4nge an die vielf\u00e4ltige Mythenwelt der Phillipinen und ihrer zahlreichen Ethnien enthalten sind. Derain macht daraus einen ganzen Roman. Er verbindet Mythen unterschiedlicher philippinischer Ethnien mit der Kolonialgeschichte des Archipels.<\/p>\n\n\n\n<p>Derain hat diesen Roman bewu\u00dft nicht in Manila angesiedelt, viele Filipinos sprechen mit Blick auf den nach wie vor dominierenden Zentralismus der Hauptstadt nicht mehr vom \u201eManila imperial\u201c, sonden vom&nbsp;&nbsp;\u201eManila infernal\u201c, vom \u201eteuflischen Manila\u201c. Der Roman spielt auf der tats\u00e4chlich existierenden Insel Panay und dem fiktiven Dorf Bariwbariw&nbsp;&nbsp;in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Philippinen sind spanische Kolonie und stehen nicht nur unter der Herrschaft der spanischen Krone, sondern vor allem unter der \u201efrailokratie\u201c, dem dominierenden Einfluss verschiedener M\u00f6nchsorden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Metamorphose Luklaks ist durchg\u00e4ngiges Thema die politisch-gesellschaftliche Metamorphose der Philippinen, ihr Verh\u00e4ltnis zur Kolonialmacht Spanien und den M\u00f6nchsorden aber auch die Bedrohung durch muslimische Piraten. Hier spiegeln sich die Debatten wieder, die typisch f\u00fcr Gesellschaften sind, die sich in \u00dcbergangsprozessen neuen Einfl\u00fcssen ausgesetzt sehen. Begibt man sich auf den Weg in eine unbekannte Moderne oder h\u00e4lt man um jeden Preis an altbew\u00e4hrten Traditionen fest, wagt man die Kooperation oder \u00fcbt man Widerstand? Oder verf\u00fcgt man \u00fcber ausreichend Selbstbewu\u00dftsein f\u00fcr das Anverwandeln neuer Einfl\u00fcsse?<\/p>\n\n\n\n<p>Von den von mir besprochenen 15 B\u00fcchern zum Gastland Philippinen der Frankfurter Buchmesse 2025 ist \u201eDas Meer der Aswang\u201c f\u00fcr europ\u00e4ische, im weitesten Sinne auch nicht-philippinische Leser sicherlich das am fremdesten anmutende. Man muss sich an die fremdklingenden Namen, Titel und Geschichten der vielgestaltigen Mythenwelt der Philippinen und ihrer vielen Ethnien gew\u00f6hnen. Dabei geht es um keine harmonischen Geschichten bezaubernder Feen. Es geht vielmehr hart zur Sache. Die Mutter wird wegen eines Fehltritts mit wem auch immer zum Tod verurteilt, der von ihr zur Welt gebrachte Aal wird ertr\u00e4nkt! Luklak holt ihn aus dem Grab und verspeist ihn, gibt den Wandelwesen jedoch nichts ab &#8211; Damit beginnt die Geschichte ihrer Metamorphose.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Besprechung ist nicht einfach, nahezu unm\u00f6glich, denn nur einen Ausschnitt wiederzugeben verk\u00fcrzt zu stark, eine Zusammenfassung des an sich wenig ausgestalteten Handlungsstrangs aber ebenfalls.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haupthandlung besteht im Kern \u201elediglich\u201c in der phasenweisen Verwandlung Luklaks in ein Krokodil, eine Aswang. \u00dcber Strecken spielt Luklak selbst aber keinerlei Rolle, sondern es geht um<\/p>\n\n\n\n<p>die unterschiedlichsten Wandelwesen, Faulatmige oder Schadmeister und weitere seltsame Gestalten. Um G\u00f6ttinnen und Heiler. Und um all die teils verworrenen Beziehungen untereinander. Interessant ist dabei die biblische Erkl\u00e4rung der Wandelwesen. Gott hatte der nat\u00fcrlichen Familienplanung eine Obergrenze gesetzt, die der Mensch missachtetet, Dana Bier zudem die G\u00fcte Gottes untersch\u00e4tzte und ihm die Kinder verheimliche wollte. Diese wurden dann zu Wandelwesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wem das jetzt zu abschreckend klingt: \u201eDas Meer der Aswang\u201c entwickelt einen seltsamen Sog, man wird unwiderstehlich hineingezogen in diese Geschichten, und merkt pl\u00f6tzlich, dass Luklak \u00fcber weite Strecken gar nicht mehr vorkommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat vielleicht mit folgendem zu tun: Was einen, zumindest mich, verwundert: Luklak selbst wundert sich nicht besonders \u00fcber das, was mit ihr geschieht, weder versucht sie sich zu wehren noch hadert sie mit ihrem Schicksal. Sie nimmt es an.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt nichts anderes als &#8211; selbst lesen!!<\/p>\n\n\n\n<p>Derain will mit diesem Buch eine Trilogie er\u00f6ffnen &#8211; man darf gespannt sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die \u00dcbersetzung dieses Romans ins Deutsche kein einfaches Unterfangen war geht aus dem Nachwort der \u00dcbersetzerin Annette Hug hervor. Trotz aller Schwierigkeiten lag f\u00fcr sie die Spannung dieses Textes zwischen dem modernen Bewu\u00dftsein des Erz\u00e4hlers und dem mythologischen Fundus, aus dem er diese Geschichten zusammenf\u00fcgt. Daraus \u201eentsteht etwas Neues, das unm\u00f6glich scheint, dass der Alltag aber sehr vielen Menschen abverlangt: in einer Welt zu leben und zu denken, in der vorstaatliche, animistische Lebens- und Glaubensweisen weiter wirken und gleichzeitig staatliche und wirtschaftliche Strukturen, den Anschluss an Megast\u00e4dte und die globale \u00d6konomie herstellen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem hilfreichen Nachwort erkl\u00e4rt Derain den Ursprung und die Zielsetzung seines Romans. Er bewegt sich mit diesem Roman in einer historischen wie mythologischen Welt, beruhend auf Forschungsarbeiten und Fiktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman ist 2021 auf Filipino erschienen und wurde von Jessica Zafra, Autorin von \u201eEin ziemlich b\u00f6ses M\u00e4dchen\u201c ins Englische \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Allan N. Derain, Das Meer der Aswang<\/p>\n\n\n\n<p>Danke an den @unionsverlag, @beckverlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar.<\/p>\n\n\n\n<p>++++++++<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENGLISH VERSION<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/de1def3d-9ea0-41e7-8cf5-050c9eedf9bc\" alt=\"IMG_4517.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Luklak is a human being who could once stand upright and walk on two legs, but in a very short time she is reduced to the state of a crawling creature.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Who wouldn&#8217;t think of Gregor Samsa in Kafka&#8217;s &#8222;Metamorphosis&#8220; when hearing these sentences?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aswanglaut,&#8220; however, is far more mystical. The girl Luklak transforms into an &#8222;aswang.&#8220; This arguably best-known mythical creature in Philippine mythology is the embodiment of absolute freedom. &#8222;It stands between humanity and inhumanity and forces one to consider the difference. This is how creation intended it.&#8220; This is perhaps the central defining element of an aswang.<\/p>\n\n\n\n<p>There is hardly a contemporary Filipino novel that doesn&#8217;t contain at least echoes of the diverse mythological world of the Philippines and its numerous ethnic groups. Derain turns this into an entire novel. He combines myths of various Filipino ethnic groups with the colonial history of the archipelago.<\/p>\n\n\n\n<p>Derain deliberately did not set this novel in Manila; in view of the capital&#8217;s still-dominant centralism, many Filipinos no longer speak of &#8222;Imperial Manila&#8220; but rather of &#8222;Infernal Manila,&#8220; &#8222;Devilish Manila.&#8220; The novel is set on the real island of Panay and the fictional village of Bariwbariw in the mid-18th century. The Philippines is a Spanish colony and is not only under the rule of the Spanish crown, but above all under the &#8222;frailocracy,&#8220; the dominant influence of various monastic orders.<\/p>\n\n\n\n<p>In addition to Luklak&#8217;s metamorphosis, a recurring theme is the political and social metamorphosis of the Philippines, its relationship to the colonial power Spain and the monastic orders, as well as the threat posed by Muslim pirates. This reflects the debates typical of societies exposed to new influences during transitional processes. Do you embark on a journey into an unknown modern age or cling to time-honored traditions at all costs? Do you dare to cooperate or resist? Or do you possess sufficient self-confidence to embrace new influences?<\/p>\n\n\n\n<p>Of the 15 books I reviewed about the Philippines, Guest of Honour at the Frankfurt Book Fair 2025, &#8222;Aswanglaut&#8220; is certainly the most alien to European, and in the broadest sense also non-Filipino, readers. One has to get used to the strange-sounding names, titles, and stories of the diverse mythical world of the Philippines and its many ethnic groups. These aren&#8217;t harmonious tales of enchanting fairies. Rather, they get down to business. The mother is sentenced to death for a misstep with whomever, and the eel she gave birth to is drowned! Luklak retrieves it from the grave and eats it, but gives nothing to the shapeshifters \u2013 thus begins the story of their metamorphosis.<\/p>\n\n\n\n<p>A review is not easy, almost impossible, because recounting only a snippet would be too abbreviated, and so would a summary of the otherwise poorly developed plot.<\/p>\n\n\n\n<p>The main plot essentially consists &#8222;merely&#8220; of Luklak&#8217;s phased transformation into a crocodile, an aswang. For stretches, Luklak himself plays no role at all; instead, it&#8217;s about<\/p>\n\n\n\n<p>the various shapeshifters, lazy-breathers, damage masters, and other strange characters. About goddesses and healers. And about all the sometimes confusing relationships among them. The biblical explanation of the shapeshifters is interesting. God had set an upper limit on natural family planning, which humans ignored. Dana Bier also underestimated God&#8217;s goodness and wanted to hide her children from him. These children then became shapeshifters.<\/p>\n\n\n\n<p>If that sounds too daunting: &#8222;Aswanglaut&#8220; develops a strange pull; you are irresistibly drawn into these stories, and suddenly realize that Luklak doesn&#8217;t even appear for long stretches.<\/p>\n\n\n\n<p>This may have something to do with the following: What surprises one, at least me, is that Luklak herself isn&#8217;t particularly surprised by what&#8217;s happening to her; she neither tries to defend herself nor struggles with her fate. She simply accepts it.<\/p>\n\n\n\n<p>There&#8217;s nothing left to do but read it yourself!!<\/p>\n\n\n\n<p>Derain intends to launch a trilogy with this book &#8211; it&#8217;s exciting to see!<\/p>\n\n\n\n<p>That translating this novel into German was no easy undertaking is evident from the afterword by translator Annette Hug. Despite all the difficulties, she saw the tension in this text as lying between the narrator&#8217;s modern consciousness and the mythological foundation from which he pieces these stories together. From this, &#8222;something new emerges that seems impossible, but which everyday life demands of many people: to live and think in a world in which pre-state, animistic ways of life and belief continue to have an impact and, at the same time, establish state and economic structures, connections to megacities, and the global economy.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In a helpful afterword, Derain explains the origins and objectives of his novel. With this novel, he moves in a historical and mythological world, based on research and fiction.<\/p>\n\n\n\n<p>The novel was published in Filipino in 2021 and was translated into English by Jessica Zafra, author of \u201cThe Age of Umbrage.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Allan N. Derain, Aswanglaut, Ateneo de Manila University Press. 2021<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2185\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2185\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review also in English! \u201eLuklak ist ein Mensch, der einmal aufrecht stehen und auf zwei Beinen gehen konnte, aber in k\u00fcrzester Zeit ist sie auf den Zustand eines kriechenden Gesch\u00f6pfes zur\u00fcckgeworfen\u201c.&nbsp; Wer w\u00fcrde bei diesen S\u00e4tzen nicht an Gregor Samsa in Kafkas \u201eVerwandlung\u201c denken? \u201eDas Meer der Aswang\u201c ist jedoch um ein Vielfaches mystischer. 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Die Mutter wird wegen eines Fehltritts mit wem auch immer zum Tod verurteilt, der von ihr zur Welt gebrachte Aal wird ertr\u00e4nkt! Luklak holt ihn aus dem Grab und verspeist ihn, gibt den Wandelwesen jedoch nichts ab &#8211; Damit beginnt die Geschichte ihrer Metamorphose. Eine Besprechung ist nicht einfach, nahezu unm\u00f6glich, denn nur einen Ausschnitt wiederzugeben verk\u00fcrzt zu stark, eine Zusammenfassung des an sich wenig ausgestalteten Handlungsstrangs aber ebenfalls. Die Haupthandlung besteht im Kern \u201elediglich\u201c in der phasenweisen Verwandlung Luklaks in ein Krokodil, eine Aswang. \u00dcber Strecken spielt Luklak selbst aber keinerlei Rolle, sondern es geht um die unterschiedlichsten Wandelwesen, Faulatmige oder Schadmeister und weitere seltsame Gestalten. Um G\u00f6ttinnen und Heiler. Und um all die teils verworrenen Beziehungen untereinander. Interessant ist dabei die biblische Erkl\u00e4rung der Wandelwesen. Gott hatte der nat\u00fcrlichen Familienplanung eine Obergrenze gesetzt, die der Mensch missachtetet, Dana Bier zudem die G\u00fcte Gottes untersch\u00e4tzte und ihm die Kinder verheimliche wollte. Diese wurden dann zu Wandelwesen. Wem das jetzt zu abschreckend klingt: \u201eDas Meer der Aswang\u201c entwickelt einen seltsamen Sog, man wird unwiderstehlich hineingezogen in diese Geschichten, und merkt pl\u00f6tzlich, dass Luklak \u00fcber weite Strecken gar nicht mehr vorkommt.&nbsp; Das hat vielleicht mit folgendem zu tun: Was einen, zumindest mich, verwundert: Luklak selbst wundert sich nicht besonders \u00fcber das, was mit ihr geschieht, weder versucht sie sich zu wehren noch hadert sie mit ihrem Schicksal. Sie nimmt es an. Es bleibt nichts anderes als &#8211; selbst lesen!! Derain will mit diesem Buch eine Trilogie er\u00f6ffnen &#8211; man darf gespannt sein! 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Der Roman ist 2021 auf Filipino erschienen und wurde von Jessica Zafra, Autorin von \u201eEin ziemlich b\u00f6ses M\u00e4dchen\u201c ins Englische \u00fcbersetzt. Allan N. Derain, Das Meer der Aswang Danke an den @unionsverlag, @beckverlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar. ++++++++ ENGLISH VERSION &#8222;Luklak is a human being who could once stand upright and walk on two legs, but in a very short time she is reduced to the state of a crawling creature.&#8220; Who wouldn&#8217;t think of Gregor Samsa in Kafka&#8217;s &#8222;Metamorphosis&#8220; when hearing these sentences? &#8222;Aswanglaut,&#8220; however, is far more mystical. The girl Luklak transforms into an &#8222;aswang.&#8220; This arguably best-known mythical creature in Philippine mythology is the embodiment of absolute freedom. &#8222;It stands between humanity and inhumanity and forces one to consider the difference. This is how creation intended it.&#8220; This is perhaps the central defining element of an aswang. There is hardly a contemporary Filipino novel that doesn&#8217;t contain at least echoes of the diverse mythological world of the Philippines and its numerous ethnic groups. Derain turns this into an entire novel. He combines myths of various Filipino ethnic groups with the colonial history of the archipelago. Derain deliberately did not set this novel in Manila; in view of the capital&#8217;s still-dominant centralism, many Filipinos no longer speak of &#8222;Imperial Manila&#8220; but rather of &#8222;Infernal Manila,&#8220; &#8222;Devilish Manila.&#8220; The novel is set on the real island of Panay and the fictional village of Bariwbariw in the mid-18th century. 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