{"id":2179,"date":"2025-10-12T12:48:51","date_gmt":"2025-10-12T12:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2179"},"modified":"2025-10-12T21:32:23","modified_gmt":"2025-10-12T21:32:23","slug":"lualhati-bautista-die-70er-decada-70","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/b\/lualhati-bautista-die-70er-decada-70\/","title":{"rendered":"Lualhati Bautista: Die 70er \/ D\u00e9cada \u00b470"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Review also in English!<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"772\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483-772x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2180\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483-772x1024.jpeg 772w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483-226x300.jpeg 226w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483-768x1018.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_4483.jpeg 1145w\" sizes=\"(max-width: 772px) 100vw, 772px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die 2023 verstorbene Bautista gilt als \u201efeministische Klassikerin aus Manila\u201c. Der noch vor dem Ende der Marcos-Diktatur auf Tagalog erschienene Roman gilt als erster, der staatliche Gewalt in den Philippinen beschreibt.&nbsp;&nbsp;Da Bautista zudem sehr umgangssprachlich, sprich deutlich, schreibt, stie\u00df sie damit nicht nur auf politischen Widerstand, sondern erregte auch das Missfallen vieler Sprachpuristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Philippinen etwas kennt wird feststellen, dass eine ganze Reihe der in diesem Roman thematisierten Probleme nach wie vor von brennender Aktualit\u00e4t sind:&nbsp;&nbsp;Das Auseinanderklaffen zwischen Armut und teils unermesslichem Reichtum, eine&nbsp;&nbsp;hermetische Klassengesellschaft, Korruption, Gewalt, klientelare Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse, oligarchische Strukturen politischen Machterhalts, Entwicklung einer maoistischen Guerilla, separatistische Bewegungen im \u00fcberwiegend muslimisch bev\u00f6lkerten S\u00fcdteil der Philippinen, eingeschr\u00e4nkte Geltung eines demokratischen Rechtsstaats um nur einige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman schildert die Geschichte eines gutsituierten, in traditionellen Strukturen und Werten lebenden Ehepaares mit seinen f\u00fcnf S\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Amanda zweifelt an sich, ihrem Leben, ihrer Ehe, ihrer Zukunft und stellt ihre vermeintliche Zufriedenheit, gemessen \u201ean den Standards einer materialistischen Welt\u201c immer st\u00e4rker in Frage. Der Mann der Boss und sie \u201esitting pretty\u201c? War Geb\u00e4ren denn nicht auch eine Macht? Sie hofft, \u201eeine kleine L\u00fccke zu finden in dieser weiten Welt, wo ich hineinpasse\u201c. Bei dieser Suche, sexuelle Erf\u00fcllung einbegriffen, st\u00f6\u00dft sie zun\u00e4chst auf Granit.&nbsp;&nbsp;Denn in der Familie gilt das Lebensmotto Julians, des Ehemannes: \u201eIt\u00b4s a mans world, honey\u201c. So verbietet er seiner Frau zu arbeiten (\u201eTalk about male chauvinist pigs\u201c) und schlie\u00dft aus seiner eigenen Zufriedenheit gedankenlos auf die seiner Frau. Amanda wird sich bewu\u00dft, dass sie \u201eweder in meinem Leben noch in meinem Haus etwas zu sagen hatte\u201c. Aber die Familienfassade musste aufrechterhalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Realit\u00e4t durchbricht brutal dieses \u00fcbert\u00fcnchte Familienidyll. Die Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts durch Marcos bringt ihren Sohn Jules dazu, sich der maoistischen Guerilla anzuschlie\u00dfen, was ihn f\u00fcr Jahre ins Gef\u00e4ngnis bringt. Erst in Folge dieses Schocks entwickelt sich bei der bis dahin apolitischen und uninformierten Amanda ein Bewu\u00dftsein daf\u00fcr, \u201ewomit sich die gro\u00dfe Mehrheit meiner Landsleute herumschlagen musste\u201c. Dennoch sieht sie sich mit Blick auf die Armut im Lande in keiner pers\u00f6nlichen Schuld und hadert damit, dass sie eines ihrer Kinder als \u201eAbzahlung an irgendeine revolution\u00e4re Bewegung verlieren musste\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es kommt noch schlimmer. Der gewaltsame und nicht aufkl\u00e4rbare Tod ihres Sohnes Jason, eines der S\u00f6hne, vermutlich Opfer der \u201esalvaging\u201c-Strategie der Sicherheitskr\u00f6fte, bringt auch die letzten Gewi\u00dfheiten ins Wanken. Dieser Tod weckt Erinnerungen an die j\u00fcngste Vergangenheit unter der Pr\u00e4sidentschaft Rodrigo Dutertes (2016-2022) und seines blutigen \u201ewar on drugs\u201c mit Tausenden von Toten, f\u00fcr den er sich jetzt vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten muss.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Amanda wird die Frage nach dem \u201eWarum\u201c?&nbsp;&nbsp;tiefer und gr\u00f6\u00dfer. Sie befasst sich mehr mit politischen und sozialen Fragen, wozu auch ihr j\u00fcngster Sohn Bingo erheblich beitr\u00e4gt, der sich journalistisch in diese Themen eingr\u00e4bt. Die Hoffnung zum jeweiligen Jahreswechsel, dass es ein \u201eJahr frei von Unfassbarem, frei von Krankheiten, Unf\u00e4llen, Razzien, Massenverhaftungen, Gefechten, Erschie\u00dfungskommandos und feigen Morden\u201c werde, wird immer wieder entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Amanda bewundert zunehmend die rebellische Jugend, die aus dem System ausbricht: \u201eSie taten alles f\u00fcr ihre Visionen und Ziele,und die Messlatten des materiellen Erfolgs in einer b\u00fcrgerlichen Gesellschaft waren ihnen egal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman ist nicht nur eine in die Jahre der Marcosdikatatur eingebundene Familiengeschichte. Er ist auch die Geschichte der Selbstbefreiung Amandas aus ihrer immer mehr als Gef\u00e4ngnis empfundenen Ehe. Zweifel sind erlaubt, ob sie dies trotz so mancher Fragen alleine, ohne die \u00e4u\u00dferen Anst\u00f6\u00dfe und dramatischen famili\u00e4ren Ereignisse geschafft h\u00e4tte, entscheidend ist, sie schafft es! In der Vermischung von Politischem und Privatem entkommt sie langsam der Sackgasse, in der sie sich in 27 Ehejahren kaum entwickeln konnte. Ihre Selbstachtung steigt: \u201eWarum bin ich immer f\u00fcr dich, w\u00e4hrend du auch f\u00fcr dich selbst bist?\u201c Das f\u00fchrt zu ernsten Ehekrise.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch Julian ist, ebenfalls angesto\u00dfen durch Jules Guerilla-Aktivit\u00e4ten und den Tod seines Lieblingssohnes Jason, zun\u00e4chst unbemerkt von seiner Frau, langsam aufgewacht. Der Roman schlie\u00dft damit, dass er das Angebot seines in den USA lebenden Sohnes \u00fcberzusiedeln mit der Begr\u00fcndung ablehnt, er habe hier, in den Philippinen zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der schwierigen Themen liest sich der Roman flott, was der lakonischen, ironischen und humorvollen Schreibweise geschuldet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u00fcber 40 Jahre nach seinem Erscheinen hat dieser Roman trotz allen positiven Wandels in den Philippinen an seiner Bedeutung und Aktualit\u00e4t kaum etwas eingeb\u00fc\u00dft und ist nach wie vor eine \u00fcberaus lesenswerte Hinf\u00fchrung zu philippinischen Realit\u00e4ten. Und das nicht nur, weil 2022 der Sohn des ehemaligen Diktators Marcos zum philippinischen Staatspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Lualhati Bautista: Die 70er, Orlanda Verlag, \u00fcbersetzt von Annette Hug<\/p>\n\n\n\n<p>Danke an den Orlanda Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;******<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/2d68fa31-d048-4452-b5d1-7ed152d156bb\" alt=\"IMG_4484.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>ENGLISH VERSION<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bautista, who died in 2023, is considered a &#8222;feminist classic from Manila.&#8220; The novel, published in Tagalog before the end of the Marcos dictatorship, is considered the first to describe state violence in the Philippines. Because Bautista writes in a very colloquial, i.e., explicit, style, this not only met with political resistance but also aroused the displeasure of many language purists.<\/p>\n\n\n\n<p>Anyone with some knowledge of the Philippines will recognize that a whole series of the problems addressed in this novel remain burningly relevant today: the gap between poverty and sometimes immense wealth, a hermetic class society, corruption, violence, clientelistic dependency, oligarchic structures for maintaining political power, the development of a Maoist guerrilla force, separatist movements in the predominantly Muslim southern part of the Philippines, and the limited validity of a democratic constitutional state, to name just a few.<\/p>\n\n\n\n<p>The novel tells the story of a well-off couple with their five sons, living within traditional structures and values.<\/p>\n\n\n\n<p>Amanda doubts herself, her life, her marriage, her future, and increasingly questions her supposed contentment, measured &#8222;by the standards of a materialistic world.&#8220; The man is the boss and she &#8222;sitting pretty&#8220;? Wasn&#8217;t giving birth also a power? She hopes to &#8222;find a small gap in this wide world where I fit in.&#8220; In this search, including sexual fulfillment, she initially encounters a barrier. For in the family, Julian, the husband&#8217;s motto, &#8222;It&#8217;s a man&#8217;s world, honey,&#8220; holds sway. He forbids his wife from working (&#8222;Talk about male chauvinist pigs&#8220;) and thoughtlessly assumes his wife&#8217;s contentment based on his own. Amanda realizes that she &#8222;had no say in my life or in my house.&#8220; But the family facade had to be maintained.<\/p>\n\n\n\n<p>Reality brutally disrupts this glossed-over family idyll. Marcos&#8217;s imposition of martial law leads her son Jules to join the Maoist guerrillas, landing him in prison for years. Only in the wake of this shock does Amanda, previously apolitical and uninformed, develop an awareness of &#8222;what the vast majority of my fellow countrymen had to deal with.&#8220; Nevertheless, she sees no personal guilt for the country&#8217;s poverty and struggles with the fact that she had to lose one of her children &#8222;as payment to some revolutionary movement.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>But things get even worse. The violent and unexplained death of her son Jason, one of the sons, presumably a victim of the security forces&#8216; &#8222;salvaging&#8220; strategy, shakes even the last certainties. This death brings back memories of the recent past under Rodrigo Duterte&#8217;s presidency (2016-2022) and his bloody &#8222;war on drugs&#8220; with thousands of deaths, for which he must now answer before the International Criminal Court.<\/p>\n\n\n\n<p>For Amanda, the question of &#8222;why&#8220; becomes deeper and deeper. She becomes more concerned with political and social issues, to which her youngest son, Bingo, contributes significantly, delving into these topics as a journalist. The hope at the turn of each year that it will be a &#8222;year free of the unimaginable, free of illness, accidents, raids, mass arrests, skirmishes, firing squads, and cowardly murders&#8220; is repeatedly dashed.<\/p>\n\n\n\n<p>Amanda increasingly admires the rebellious youth who break free from the system: &#8222;They did everything for their visions and goals, and the yardsticks of material success in a bourgeois society were irrelevant to them.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>The novel is not only a family story set during the years of the Marcos dictatorship.<\/p>\n\n\n\n<p>It is also the story of Amanda&#8217;s self-liberation from her marriage, which she increasingly felt like a prison. Despite many questions, doubts are allowed as to whether she would have achieved this on her own, without the external pressures and dramatic family events. The crucial point is, she succeeds! Blending the political and the private, she slowly escapes the dead end in which she has barely been able to develop in 27 years of marriage. Her self-esteem grows: &#8222;Why am I always for you, while you are also for yourself?&#8220; This leads to a serious marital crisis.<\/p>\n\n\n\n<p>But Julian, too, has slowly awakened, also triggered by Jules&#8216; guerrilla activities and the death of his favorite son, Jason, initially unnoticed by his wife. The novel ends with him rejecting the offer of his son, who lives in the USA, to emigrate, arguing that he has to fight here in the Philippines.<\/p>\n\n\n\n<p>Despite the difficult themes, the novel reads briskly, thanks to its laconic, ironic, and humorous style.<\/p>\n\n\n\n<p>Even more than 40 years after its publication, despite all the positive changes in the Philippines, this novel has lost little of its significance and relevance and remains a highly readable introduction to Philippine realities. And not just because the son of former dictator Marcos was elected Philippine president in 2022.<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2179\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2179\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review also in English! Die 2023 verstorbene Bautista gilt als \u201efeministische Klassikerin aus Manila\u201c. Der noch vor dem Ende der Marcos-Diktatur auf Tagalog erschienene Roman gilt als erster, der staatliche Gewalt in den Philippinen beschreibt.&nbsp;&nbsp;Da Bautista zudem sehr umgangssprachlich, sprich deutlich, schreibt, stie\u00df sie damit nicht nur auf politischen Widerstand, sondern erregte auch das Missfallen vieler Sprachpuristen. Wer die Philippinen etwas kennt wird feststellen, dass eine ganze Reihe der in diesem Roman thematisierten Probleme nach wie vor von brennender Aktualit\u00e4t sind:&nbsp;&nbsp;Das Auseinanderklaffen zwischen Armut und teils unermesslichem Reichtum, eine&nbsp;&nbsp;hermetische Klassengesellschaft, Korruption, Gewalt, klientelare Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse, oligarchische Strukturen politischen Machterhalts, Entwicklung einer maoistischen Guerilla, separatistische Bewegungen im \u00fcberwiegend muslimisch bev\u00f6lkerten S\u00fcdteil der Philippinen, eingeschr\u00e4nkte Geltung eines demokratischen Rechtsstaats um nur einige zu nennen. Der Roman schildert die Geschichte eines gutsituierten, in traditionellen Strukturen und Werten lebenden Ehepaares mit seinen f\u00fcnf S\u00f6hnen. Amanda zweifelt an sich, ihrem Leben, ihrer Ehe, ihrer Zukunft und stellt ihre vermeintliche Zufriedenheit, gemessen \u201ean den Standards einer materialistischen Welt\u201c immer st\u00e4rker in Frage. Der Mann der Boss und sie \u201esitting pretty\u201c? War Geb\u00e4ren denn nicht auch eine Macht? Sie hofft, \u201eeine kleine L\u00fccke zu finden in dieser weiten Welt, wo ich hineinpasse\u201c. Bei dieser Suche, sexuelle Erf\u00fcllung einbegriffen, st\u00f6\u00dft sie zun\u00e4chst auf Granit.&nbsp;&nbsp;Denn in der Familie gilt das Lebensmotto Julians, des Ehemannes: \u201eIt\u00b4s a mans world, honey\u201c. So verbietet er seiner Frau zu arbeiten (\u201eTalk about male chauvinist pigs\u201c) und schlie\u00dft aus seiner eigenen Zufriedenheit gedankenlos auf die seiner Frau. Amanda wird sich bewu\u00dft, dass sie \u201eweder in meinem Leben noch in meinem Haus etwas zu sagen hatte\u201c. Aber die Familienfassade musste aufrechterhalten werden. Die Realit\u00e4t durchbricht brutal dieses \u00fcbert\u00fcnchte Familienidyll. Die Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts durch Marcos bringt ihren Sohn Jules dazu, sich der maoistischen Guerilla anzuschlie\u00dfen, was ihn f\u00fcr Jahre ins Gef\u00e4ngnis bringt. Erst in Folge dieses Schocks entwickelt sich bei der bis dahin apolitischen und uninformierten Amanda ein Bewu\u00dftsein daf\u00fcr, \u201ewomit sich die gro\u00dfe Mehrheit meiner Landsleute herumschlagen musste\u201c. Dennoch sieht sie sich mit Blick auf die Armut im Lande in keiner pers\u00f6nlichen Schuld und hadert damit, dass sie eines ihrer Kinder als \u201eAbzahlung an irgendeine revolution\u00e4re Bewegung verlieren musste\u201c. Aber es kommt noch schlimmer. Der gewaltsame und nicht aufkl\u00e4rbare Tod ihres Sohnes Jason, eines der S\u00f6hne, vermutlich Opfer der \u201esalvaging\u201c-Strategie der Sicherheitskr\u00f6fte, bringt auch die letzten Gewi\u00dfheiten ins Wanken. Dieser Tod weckt Erinnerungen an die j\u00fcngste Vergangenheit unter der Pr\u00e4sidentschaft Rodrigo Dutertes (2016-2022) und seines blutigen \u201ewar on drugs\u201c mit Tausenden von Toten, f\u00fcr den er sich jetzt vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten muss. F\u00fcr Amanda wird die Frage nach dem \u201eWarum\u201c?&nbsp;&nbsp;tiefer und gr\u00f6\u00dfer. Sie befasst sich mehr mit politischen und sozialen Fragen, wozu auch ihr j\u00fcngster Sohn Bingo erheblich beitr\u00e4gt, der sich journalistisch in diese Themen eingr\u00e4bt. Die Hoffnung zum jeweiligen Jahreswechsel, dass es ein \u201eJahr frei von Unfassbarem, frei von Krankheiten, Unf\u00e4llen, Razzien, Massenverhaftungen, Gefechten, Erschie\u00dfungskommandos und feigen Morden\u201c werde, wird immer wieder entt\u00e4uscht. Amanda bewundert zunehmend die rebellische Jugend, die aus dem System ausbricht: \u201eSie taten alles f\u00fcr ihre Visionen und Ziele,und die Messlatten des materiellen Erfolgs in einer b\u00fcrgerlichen Gesellschaft waren ihnen egal\u201c. Der Roman ist nicht nur eine in die Jahre der Marcosdikatatur eingebundene Familiengeschichte. Er ist auch die Geschichte der Selbstbefreiung Amandas aus ihrer immer mehr als Gef\u00e4ngnis empfundenen Ehe. Zweifel sind erlaubt, ob sie dies trotz so mancher Fragen alleine, ohne die \u00e4u\u00dferen Anst\u00f6\u00dfe und dramatischen famili\u00e4ren Ereignisse geschafft h\u00e4tte, entscheidend ist, sie schafft es! In der Vermischung von Politischem und Privatem entkommt sie langsam der Sackgasse, in der sie sich in 27 Ehejahren kaum entwickeln konnte. Ihre Selbstachtung steigt: \u201eWarum bin ich immer f\u00fcr dich, w\u00e4hrend du auch f\u00fcr dich selbst bist?\u201c Das f\u00fchrt zu ernsten Ehekrise. Aber auch Julian ist, ebenfalls angesto\u00dfen durch Jules Guerilla-Aktivit\u00e4ten und den Tod seines Lieblingssohnes Jason, zun\u00e4chst unbemerkt von seiner Frau, langsam aufgewacht. Der Roman schlie\u00dft damit, dass er das Angebot seines in den USA lebenden Sohnes \u00fcberzusiedeln mit der Begr\u00fcndung ablehnt, er habe hier, in den Philippinen zu k\u00e4mpfen. Trotz der schwierigen Themen liest sich der Roman flott, was der lakonischen, ironischen und humorvollen Schreibweise geschuldet ist. Auch \u00fcber 40 Jahre nach seinem Erscheinen hat dieser Roman trotz allen positiven Wandels in den Philippinen an seiner Bedeutung und Aktualit\u00e4t kaum etwas eingeb\u00fc\u00dft und ist nach wie vor eine \u00fcberaus lesenswerte Hinf\u00fchrung zu philippinischen Realit\u00e4ten. Und das nicht nur, weil 2022 der Sohn des ehemaligen Diktators Marcos zum philippinischen Staatspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde. Lualhati Bautista: Die 70er, Orlanda Verlag, \u00fcbersetzt von Annette Hug Danke an den Orlanda Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;****** ENGLISH VERSION Bautista, who died in 2023, is considered a &#8222;feminist classic from Manila.&#8220; The novel, published in Tagalog before the end of the Marcos dictatorship, is considered the first to describe state violence in the Philippines. Because Bautista writes in a very colloquial, i.e., explicit, style, this not only met with political resistance but also aroused the displeasure of many language purists. Anyone with some knowledge of the Philippines will recognize that a whole series of the problems addressed in this novel remain burningly relevant today: the gap between poverty and sometimes immense wealth, a hermetic class society, corruption, violence, clientelistic dependency, oligarchic structures for maintaining political power, the development of a Maoist guerrilla force, separatist movements in the predominantly Muslim southern part of the Philippines, and the limited validity of a democratic constitutional state, to name just a few. The novel tells the story of a well-off couple with their five sons, living within traditional structures and values. Amanda doubts herself, her life, her marriage, her future, and increasingly questions her supposed contentment, measured &#8222;by the standards of a materialistic world.&#8220; The man is the boss and she &#8222;sitting pretty&#8220;? Wasn&#8217;t giving birth also a power? 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