{"id":2162,"date":"2025-09-27T06:48:19","date_gmt":"2025-09-27T06:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2162"},"modified":"2025-09-28T06:45:27","modified_gmt":"2025-09-28T06:45:27","slug":"jose-dalisay-killing-time-in-a-warm-place","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/d\/jose-dalisay-killing-time-in-a-warm-place\/","title":{"rendered":"JOS\u00c9 DALISAY: KILLING TIME IN A WARM PLACE"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Besprechung auf Deutsch! Review also in English!<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-769x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2163\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-769x1024.jpeg 769w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-225x300.jpeg 225w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-768x1023.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-1153x1536.jpeg 1153w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4339.jpeg 1179w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Noel Bulaong hei\u00dft der \u201eHeld\u201c dieser in den Philippinen spielenden Geschichte, dem \u201eLand ohne Schnee und Himbeeren. Stattdessen haben wir Sturzregen und Kokosn\u00fcsse\u201c. Und die Philippinen haben einen Staatspr\u00e4sidenten, Ferdinand Marcos, seit 1965 demokratisch gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident, der jedoch angesichts des nahenden Endes seiner zweiten Amtszeit immer weniger Lust hat, sich verfassungsgem\u00e4\u00df zur\u00fcckzuziehen und auch deshalb im September 1972 das Kriegsrecht \u00fcber die Philippinen verh\u00e4ngt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie Noels z\u00e4hlt zu den Anh\u00e4ngern des Pr\u00e4sidenten, \u201eMarcos war unser aller Vater\u201c. Noel selbst, Mathematikstudent, Genosse der Kommunistischen Partei und mehr mit Mao als mit Mathe besch\u00e4ftigt, gibt sein Studium auf und teilt seiner Familie mit, dass er \u201ejedes Interesse am Studium, am Heiraten und am b\u00fcrgerlichen Leben im Allgemeinen verloren h\u00e4tte\u201c und sein Leben k\u00fcnftig deshalb nur noch dem Kampf gegen die Marcos-Diktatur widmen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel z\u00e4hlt nicht zu den f\u00fchrenden Kadern. Er nimmt es mit Selbstironie. Es gab den einen oder anderen gebildeten Theoretiker unter den studentischen Genossen, \u201ew\u00e4hrend der Rest von uns sich im b\u00e4uerlichen Schlammbad des Denkens eines Mao Tse Tung suhlte\u201e.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er macht sich, in den Philippinen als dem katholischsten Land in ganz Asien wichtig, auch keine Illusionen: \u201eNat\u00fcrlich glaubten wir an Marx, aber genauso selbstverst\u00e4ndlich glaubten wir an Gott. Wir waren Filipinos und hatten beinah unersch\u00f6pfliche Kapazit\u00e4ten in Glaubensdingen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das Ziel ist klar: Sie wollten \u201ealle den US-Imperialismus, den Feudalismus und den b\u00fcrokratischen Kapitalismus bek\u00e4mpfen, die Triade, so hie\u00df es, unseres nationalen Elends\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dalisay f\u00e4ngt sehr gut die erste Zeit der Kriegsrechtsperiode ein, in der die Sorge um ihre Sicherheit und bereits verschwundene Genossen Noels&nbsp;&nbsp;kleine Gruppe umtreibt. Er nimmt aber auch selbstkritisch wahr, dass \u201eeine gewisse Selbstgef\u00e4lligkeit\u2026langsam ein(sickerte), eine Geborgenheit in der propagierten Ruhe und nationalen Widerstandsf\u00e4higkeit, die alle Schicksalsschl\u00e4ge wirkungslos erscheinen lie\u00dfen\u2026\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn sich Noel \u00fcber das von einem Geheimdienst-Major mit besonderen intellektuellen F\u00e4higkeiten entwickelte \u201eFahndungsraster\u201c lustig macht, wonach alle Kommunisten \u201eeine Maske trugen, komponiert aus Schuld, Verdorbenheit und unverhohlener Drohung \u2013 unzweifelhaft hervorgerufen durch ihren Atheismus, Drogenmissbrauch, ihre verrohten Sitten und die Gier nach Macht\u201c &#8211; offensichtlich f\u00e4llt er f\u00fcr den Geheimdienst unter diese Kriterien. Und so bleibt von seinem vermeintlich unersch\u00fctterlichen Selbstbewusstsein als Teil der revolution\u00e4ren Avantgarde nicht viel \u00fcbrig, als er Anfang Januar 1973 im Haus seiner Eltern verhaftet wird und fast acht Monate im Gef\u00e4ngnis verbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der einleitenden Gef\u00e4ngnisepisode schien zun\u00e4chst nicht so ganz erkennbar, wohin die ganze Geschichte laufen soll. Auch springt der Roman des \u00d6fteren szenenartig zwischen verschiedenen Epochen hin und her, so dass nicht immer auf Anhieb klar wird, in welcher man sich gerade befindet. Dann gewinnt die Erz\u00e4hlung jedoch an Fahrt und Konsistenz, wird klarer, politischer und der Autor (selbst)kritischer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die befreundeten Revolution\u00e4re gehen, sofern sie das Gef\u00e4ngnis \u00fcberlebt haben, danach alle verschiedene Wege. Manche tauchen in den bewaffneten Untergrund ab. Andere \u00fcberleben wegen der Todesschwadronen oder Strafmassnahmen ihrer ehemaligen Genossen ihre Freilassung nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel geht einen anderen Weg. Dieses stark autobiographisch gepr\u00e4gte Buch ist f\u00fcr Jos\u00e9 \u201eButch\u201c Dalisay der Versuch einer historischen, ja pers\u00f6nlichen Erkl\u00e4rung bis Rechtfertigung, \u201ewie und warum Menschen in den Bann einer Diktatur geraten.\u201c Das betrifft auch ihn selbst, der sich \u201ein den letzten Jahren der Diktatur als Regierungsangestellter zu ihrem Komplizen gemacht hatte\u201c, so Dalisay in einem Interview Ende 2024.<\/p>\n\n\n\n<p>Urpl\u00f6tzlich begegnen wir Noel im Wagen eines Vize-Ministers, und es bedarf einiger Zeit um zu verstehen, dass er in der Sp\u00e4tphase der Marcos-Regierung nun Teil der verlogenen und korrupten Maschinerie ist, die er fr\u00fcher bek\u00e4mpfen wollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auseinandersetzung mit den Genossen und sich selbst \u00fcber diesen \u201eVerrat\u201c zieht sich durch den letzten Teil des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel wird von seinen alten Genossen mit seiner neuen Identit\u00e4t konfrontiert:\u201cGlaubst du an das, was du machst? Antwort:<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Ein bisschen, vielleicht. Das muss ich. Ich muss irgendeinen Sinn darin finden.\u201c \u00dcberzeugt geht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber einer ehemaligen Kampfgef\u00e4hrten geht seine Begr\u00fcndung tiefer: \u201eIch wollte einfach nicht sterben. Als sie mich aus dem Gef\u00e4ngnis entlie\u00dfen, wusste ich, dass ich nicht sterben wollte. Es war einfacher, mir einzureden, dass ich falsch gelegen hatte, aus jugendlichen Leichtsinn, als dass ich auf der richtigen Seite gek\u00e4mpft h\u00e4tte und durchhalten m\u00fcsste, ein Held sein m\u00fcsste\u2026Wenn andere k\u00e4mpften, dann, weil auch sie sich weigerten, zu sterben oder zumindest so leben zu m\u00fcssen, dass sie nicht sie selbst waren. Aber ich hatte keine solchen Gewissensbisse; ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde jemand anderes sein, aber leben; ich konnte mit dieser Schuld leben, Und \u00fcberlie\u00df das Gute in mir und die Schmerzen den anderen. Nicht, dass ich mich in die Reihen ihrer Gegner eingliedern wollte \u2013 auch wenn ich das in gewisser Weise tat \u2013, aber ich w\u00e4hlte den sicheren, ausgetretenen Pfad der Vergesslichkeit und des geringeren Leids (bespuckt zu werden, vergessen zu werden, auch von sich selbst; vollkommen egal).\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wollte urteilen, wer wirft denen ersten Stein?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Weg hat sicherlich auch beigetragen, Dalisay f\u00fchrt das im erw\u00e4hnten Interview aus, dass er nach seiner Haftentlassung feststellen musste, dass die \u201eWiderst\u00e4ndler\u201c eine verschwindende Minorit\u00e4t darstellten w\u00e4hrend die gro\u00dfe Mehrheit einer ideologiefernen Bev\u00f6lkerung zumindest zu Beginn mit dem Kriegsrecht vollkommen einverstanden war und es mit den regierungsseitig verordneten \u201ePrinzipien nationaler Selbstdisziplin und konstruktiver Subordination\u201c versuchen wollte. Dies in dem Gef\u00fchl, dass es \u201eangesichts der gr\u00e4sslichen und stressvollen Unbest\u00e4ndigkeit des Lebens in der \u00fcbrigen Welt genau jetzt keinen besseren Ort auf er Welt g\u00e4be als die Philippinen mit ihren siebentausendeinhundert von der Sonne gek\u00fcssten Inseln\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von diesem roten Faden der Geschichte erf\u00e4hrt man vielfach beil\u00e4ufig auch so manches andere \u00fcber die Philippinen. So schildert Dalisay z.B&nbsp;&nbsp;die Folgen der armutsbedingten Binnen-Migration in den Philippinen vor allem in Richtung der Hauptstadt Manila, \u201eder babylonischen Stadt, deren neueste Quartiere sogleich aussehen wie ihre \u00e4ltesten\u201c und im vielfach nichts anderes sind als Slums, h\u00e4ufig gebaut auf ehemaligen oder aktiven M\u00fcllkippen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kriegsrecht blieb bis 1981 in Kraft. Marcos wurde nach massivem Wahlbetrug erst durch die sogenannte EDSA-Revolution im Februar 1986 aus dem Amt gejagt und starb 1989 im Exil in Hawaii.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zerrissenheit \u00fcber sein Verhalten begleitet ihn. Er schafft den Absprung in die USA, ist aber auch dort nicht innerlich frei, sondern fragt sich: \u201eWas oder wen w\u00fcrde ich als N\u00e4chstes verraten? Wann w\u00fcrde ich anfangen zu hassen, wozu ich werden w\u00fcrde?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dalisay begann diesen Roman 1986, kurz nachdem Sturz der Marcos-Diktatur, erstmals ver\u00f6ffentlicht wurde er 1991.&nbsp;&nbsp;Bittere Ironie der Geschichte: Genau 50 Jahre nach Ausrufung des Kriegsrechts wird der Marcos-Sohn \u201eBonbong\u201c 2022 zum philippinischen Staatspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem&nbsp;&nbsp;Epilog aus dem M\u00e4rz 2024 zieht Dalisay ein bedr\u00fcckendes Fazit: \u201eKnapp 40 Jahre sp\u00e4ter ist das eigentlich Undenkbare geschehen, die Rechte ist zur\u00fcck, nicht nur auf den Philippinen, auch in vielen anderen L\u00e4ndern, die wir f\u00fcr stabile Demokratien hielten. Der Optimismus, der die Welt am Ende des 20. Jahrhunderts erf\u00fcllte, ist einem sich verdunkelnden Horizont gewichen, einer Verh\u00e4rtung der Herzen und einer Einengung des Denkens. Unsere fundamentalen Freiheiten und Werte stehen unter dem harten und unerbittlichen Druck Politischer Kr\u00e4fte, die, wie wir jetzt erst realisieren, nie, ganz verschwunden waren\u2026 Und wieder h\u00f6re ich die Lockrufe des Despotismus, sehe die glasigen Augen von Menschen, die sich verzweifelt nach einer schnellen L\u00f6sung ihrer Probleme sehnen, der sofortigen Heilung. Ich h\u00f6re Stiefel marschieren, ein Ger\u00e4usch, das vielen junge Leuten, die Ohren verstopft von lauter Musik, v\u00f6llig egal zu sein scheint. Sogar unter den \u00c4lteren gibt es eine wiedererweckte Sehnsucht nach simpler Ordnung unter der Herrschaft eines starken Mannes\u2026 Mein Roman sollte eigentlich von der Vergangenheit handeln. Warum ist er pl\u00f6tzlich wieder so aktuell?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83c\uddf5\ud83c\udded \ud83d\udcd6&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Dalisay: \u201eKilling Time in a warm Place\u201c , Transitverlag, \u00fcbersetzt von Nico Fr\u00f6ba<\/p>\n\n\n\n<p>****<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/5ed2d04d-e8b8-4ab2-9161-8d299aea3325\" alt=\"IMG_4338.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Noel Bulaong is the name of the \u201chero\u201d in this story set in the Philippines, the \u201cland without snow and raspberries. Instead, we have torrential rain and coconuts.\u201d And the Philippines has a president, Ferdinand Marcos, democratically elected in 1965, who, however, with the end of his second term approaching, has less and less desire to step down in accordance with the constitution and therefore imposes martial law on the Philippines in September 1972.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Noel&#8217;s family are supporters of the president: \u201cMarcos was our father.\u201d Noel himself, a mathematics student, member of the Communist Party, and more interested in Mao than in math, gives up his studies and informs his family that he has \u201clost all interest in studying, getting married, and bourgeois life in general\u201d and therefore wants to devote his life to the fight against the Marcos dictatorship.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel is not one of the leading cadres. He takes it with self-irony. There were one or two educated theorists among the student comrades, \u201cwhile the rest of us wallowed in the peasant mud bath of Mao Tse Tung&#8217;s thinking.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>And he, who is important in the Philippines, the most Catholic country in Asia, has no illusions: \u201cOf course we believed in Marx, but just as naturally we believed in God. We were Filipinos and had almost inexhaustible capacities when it came to matters of faith.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>But the goal is clear: they wanted \u201cto fight US imperialism, feudalism, and bureaucratic capitalism, the triad, as it was called, of our national misery.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Dalisay captures very well the early days of martial law, when concerns about their safety and comrades who had already disappeared preoccupied Noel&#8217;s small group. But he also self-critically observes that \u201ca certain complacency&#8230; slowly seeped in, a sense of security in the propagated calm and national resilience that made all the blows of fate seem ineffective&#8230;\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Even though Noel pokes fun at the \u201csearch pattern\u201d developed by a secret service major with special intellectual abilities, according to which all communists \u201cwore a mask composed of guilt, depravity, and blatant menace\u2014undoubtedly caused by their atheism, drug abuse, brutalized morals, and lust for power,\u201d he obviously falls under these criteria for the secret service. And so, not much remains of his supposedly unshakeable self-confidence as part of the revolutionary avant-garde when he is arrested at his parents&#8216; house in early January 1973 and spends almost eight months in prison.<\/p>\n\n\n\n<p>Apart from the introductory prison episode, it was not immediately clear where the whole story was going. The novel also frequently jumps back and forth between different eras, so that it is not always immediately clear which one you are currently in. Then, however, the narrative gains momentum and consistency, becoming clearer, more political, and the author more (self-)critical.<\/p>\n\n\n\n<p>The revolutionary friends, those who survived prison, all go their separate ways. Some go underground and take up arms. Others do not survive their release due to death squads or punitive measures taken by their former comrades.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel takes a different approach. This strongly autobiographical book is Jos\u00e9 \u201cButch\u201d Dalisay&#8217;s attempt at a historical, even personal explanation or justification of \u201chow and why people fall under the spell of a dictatorship.\u201d This also applies to himself, who \u201chad made himself an accomplice to the dictatorship as a government employee in its final years,\u201d as Dalisay said in an interview at the end of 2024.<\/p>\n\n\n\n<p>Suddenly, we encounter Noel in the car of a deputy minister, and it takes some time to understand that in the late phase of the Marcos government, he is now part of the deceitful and corrupt machinery he once wanted to fight.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>The confrontation with his comrades and himself about this \u201cbetrayal\u201d runs through the last part of the book.<\/p>\n\n\n\n<p>Noel is confronted by his old comrades with his new identity: &#8222;Do you believe in what you&#8217;re doing? Answer: No. A little, maybe. I have to. I have to find some meaning in it.&#8220; That&#8217;s not very convincing.<\/p>\n\n\n\n<p>His reasoning goes deeper when talking to a former comrade-in-arms: &#8222;I just didn&#8217;t want to die. When they released me from prison, I knew I didn&#8217;t want to die. It was easier to convince myself that I had been wrong, out of youthful recklessness, than that I had fought on the right side and had to persevere, had to be a hero&#8230; If others fought, it was because they too refused to die, or at least to live in a way that was not true to themselves. But I had no such qualms; I could be someone else, but I could live; I could live with this guilt, and leave the good in me and the pain to others. Not that I wanted to join the ranks of their opponents \u2013 even though in a way I did \u2013 but I chose the safe, well-trodden path of oblivion and lesser suffering (being spat on, forgotten, even by myself; it didn&#8217;t matter).&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Who would judge, who would cast the first stone?<\/p>\n\n\n\n<p>The conflict over his behavior accompanies him. He manages to escape to the US, but even there he is not free inside, asking himself: \u201cWhat or whom would I betray next? When would I start to hate, what would I become?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Dalisay certainly contributed to this path. Dalisay explains in the aforementioned interview that after his release from prison, he realized that the \u201cresistance fighters\u201d were a vanishing minority, while the vast majority of a population uninterested in ideology was, at least initially, in complete agreement with martial law and wanted to try the government&#8217;s prescribed \u201cprinciples of national self-discipline and constructive subordination.\u201d This was based on the feeling that \u201cgiven the gruesome and stressful instability of life in the rest of the world, there was no better place on earth right now than the Philippines with its seven thousand one hundred sun-kissed islands.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Apart from this central theme of the story, the reader also learns many other things about the Philippines in passing. For example, Dalisay describes the consequences of poverty-driven internal Emigration in the Philippines, especially to the capital Manila, \u201cthe Babylonian city whose newest neighborhoods immediately look like its oldest\u201d and are often nothing more than slums, frequently built on former or active garbage dumps.<\/p>\n\n\n\n<p>Martial law remained in force until 1981. After massive election fraud, Marcos was finally ousted from office by the so-called EDSA Revolution in February 1986 and died in exile in Hawaii in 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>The conflict over his behavior follows him. He manages to escape to the US, but even there he is not free inside, asking himself: \u201cWhat or whom would I betray next? When would I start to hate, what would I become?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Dalisay began this novel in 1986, shortly after the fall of the Marcos dictatorship, and it was first published in 1991.&nbsp;&nbsp;The bitter irony of history: exactly 50 years after martial law was declared, Marcos&#8216; son \u201cBonbong\u201d is elected president of the Philippines in 2022.<\/p>\n\n\n\n<p>In his epilogue from March 2024, Dalisay draws a depressing conclusion: &#8222;Just under 40 years later, the unthinkable has happened: the right wing is back, not only in the Philippines, but also in many other countries that we considered stable democracies. The optimism that filled the world at the end of the 20th century has given way to a darkening horizon, a hardening of hearts, and a narrowing of minds. Our fundamental freedoms and values are under harsh and relentless pressure from political forces that, as we now realize, never completely disappeared&#8230; And once again, I hear the siren calls of despotism, see the glazed eyes of people desperately longing for a quick solution to their problems, for instant healing. I hear boots marching, a sound that seems to be of no concern to many young people, their ears blocked by loud music. Even among the older generation, there is a reawakened longing for simple order under the rule of a strong man&#8230; My novel was supposed to be about the past. Why is it suddenly so relevant again?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83c\uddf5\ud83c\udded \ud83d\udcd6&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Dalisay: \u201eKilling Time in a warm Place\u201c,&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anvilpublishing , Manila<\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2162\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2162\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besprechung auf Deutsch! Review also in English! Noel Bulaong hei\u00dft der \u201eHeld\u201c dieser in den Philippinen spielenden Geschichte, dem \u201eLand ohne Schnee und Himbeeren. Stattdessen haben wir Sturzregen und Kokosn\u00fcsse\u201c. Und die Philippinen haben einen Staatspr\u00e4sidenten, Ferdinand Marcos, seit 1965 demokratisch gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident, der jedoch angesichts des nahenden Endes seiner zweiten Amtszeit immer weniger Lust hat, sich verfassungsgem\u00e4\u00df zur\u00fcckzuziehen und auch deshalb im September 1972 das Kriegsrecht \u00fcber die Philippinen verh\u00e4ngt.&nbsp; Die Familie Noels z\u00e4hlt zu den Anh\u00e4ngern des Pr\u00e4sidenten, \u201eMarcos war unser aller Vater\u201c. Noel selbst, Mathematikstudent, Genosse der Kommunistischen Partei und mehr mit Mao als mit Mathe besch\u00e4ftigt, gibt sein Studium auf und teilt seiner Familie mit, dass er \u201ejedes Interesse am Studium, am Heiraten und am b\u00fcrgerlichen Leben im Allgemeinen verloren h\u00e4tte\u201c und sein Leben k\u00fcnftig deshalb nur noch dem Kampf gegen die Marcos-Diktatur widmen wolle. Noel z\u00e4hlt nicht zu den f\u00fchrenden Kadern. Er nimmt es mit Selbstironie. Es gab den einen oder anderen gebildeten Theoretiker unter den studentischen Genossen, \u201ew\u00e4hrend der Rest von uns sich im b\u00e4uerlichen Schlammbad des Denkens eines Mao Tse Tung suhlte\u201e. Und er macht sich, in den Philippinen als dem katholischsten Land in ganz Asien wichtig, auch keine Illusionen: \u201eNat\u00fcrlich glaubten wir an Marx, aber genauso selbstverst\u00e4ndlich glaubten wir an Gott. Wir waren Filipinos und hatten beinah unersch\u00f6pfliche Kapazit\u00e4ten in Glaubensdingen.\u201c Aber das Ziel ist klar: Sie wollten \u201ealle den US-Imperialismus, den Feudalismus und den b\u00fcrokratischen Kapitalismus bek\u00e4mpfen, die Triade, so hie\u00df es, unseres nationalen Elends\u201c. Dalisay f\u00e4ngt sehr gut die erste Zeit der Kriegsrechtsperiode ein, in der die Sorge um ihre Sicherheit und bereits verschwundene Genossen Noels&nbsp;&nbsp;kleine Gruppe umtreibt. Er nimmt aber auch selbstkritisch wahr, dass \u201eeine gewisse Selbstgef\u00e4lligkeit\u2026langsam ein(sickerte), eine Geborgenheit in der propagierten Ruhe und nationalen Widerstandsf\u00e4higkeit, die alle Schicksalsschl\u00e4ge wirkungslos erscheinen lie\u00dfen\u2026\u201c. Auch wenn sich Noel \u00fcber das von einem Geheimdienst-Major mit besonderen intellektuellen F\u00e4higkeiten entwickelte \u201eFahndungsraster\u201c lustig macht, wonach alle Kommunisten \u201eeine Maske trugen, komponiert aus Schuld, Verdorbenheit und unverhohlener Drohung \u2013 unzweifelhaft hervorgerufen durch ihren Atheismus, Drogenmissbrauch, ihre verrohten Sitten und die Gier nach Macht\u201c &#8211; offensichtlich f\u00e4llt er f\u00fcr den Geheimdienst unter diese Kriterien. Und so bleibt von seinem vermeintlich unersch\u00fctterlichen Selbstbewusstsein als Teil der revolution\u00e4ren Avantgarde nicht viel \u00fcbrig, als er Anfang Januar 1973 im Haus seiner Eltern verhaftet wird und fast acht Monate im Gef\u00e4ngnis verbringt. Abgesehen von der einleitenden Gef\u00e4ngnisepisode schien zun\u00e4chst nicht so ganz erkennbar, wohin die ganze Geschichte laufen soll. Auch springt der Roman des \u00d6fteren szenenartig zwischen verschiedenen Epochen hin und her, so dass nicht immer auf Anhieb klar wird, in welcher man sich gerade befindet. Dann gewinnt die Erz\u00e4hlung jedoch an Fahrt und Konsistenz, wird klarer, politischer und der Autor (selbst)kritischer. Die befreundeten Revolution\u00e4re gehen, sofern sie das Gef\u00e4ngnis \u00fcberlebt haben, danach alle verschiedene Wege. Manche tauchen in den bewaffneten Untergrund ab. Andere \u00fcberleben wegen der Todesschwadronen oder Strafmassnahmen ihrer ehemaligen Genossen ihre Freilassung nicht. Noel geht einen anderen Weg. Dieses stark autobiographisch gepr\u00e4gte Buch ist f\u00fcr Jos\u00e9 \u201eButch\u201c Dalisay der Versuch einer historischen, ja pers\u00f6nlichen Erkl\u00e4rung bis Rechtfertigung, \u201ewie und warum Menschen in den Bann einer Diktatur geraten.\u201c Das betrifft auch ihn selbst, der sich \u201ein den letzten Jahren der Diktatur als Regierungsangestellter zu ihrem Komplizen gemacht hatte\u201c, so Dalisay in einem Interview Ende 2024. Urpl\u00f6tzlich begegnen wir Noel im Wagen eines Vize-Ministers, und es bedarf einiger Zeit um zu verstehen, dass er in der Sp\u00e4tphase der Marcos-Regierung nun Teil der verlogenen und korrupten Maschinerie ist, die er fr\u00fcher bek\u00e4mpfen wollte.&nbsp; Die Auseinandersetzung mit den Genossen und sich selbst \u00fcber diesen \u201eVerrat\u201c zieht sich durch den letzten Teil des Buches. Noel wird von seinen alten Genossen mit seiner neuen Identit\u00e4t konfrontiert:\u201cGlaubst du an das, was du machst? Antwort: Nein. Ein bisschen, vielleicht. Das muss ich. Ich muss irgendeinen Sinn darin finden.\u201c \u00dcberzeugt geht anders. Gegen\u00fcber einer ehemaligen Kampfgef\u00e4hrten geht seine Begr\u00fcndung tiefer: \u201eIch wollte einfach nicht sterben. Als sie mich aus dem Gef\u00e4ngnis entlie\u00dfen, wusste ich, dass ich nicht sterben wollte. Es war einfacher, mir einzureden, dass ich falsch gelegen hatte, aus jugendlichen Leichtsinn, als dass ich auf der richtigen Seite gek\u00e4mpft h\u00e4tte und durchhalten m\u00fcsste, ein Held sein m\u00fcsste\u2026Wenn andere k\u00e4mpften, dann, weil auch sie sich weigerten, zu sterben oder zumindest so leben zu m\u00fcssen, dass sie nicht sie selbst waren. Aber ich hatte keine solchen Gewissensbisse; ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde jemand anderes sein, aber leben; ich konnte mit dieser Schuld leben, Und \u00fcberlie\u00df das Gute in mir und die Schmerzen den anderen. Nicht, dass ich mich in die Reihen ihrer Gegner eingliedern wollte \u2013 auch wenn ich das in gewisser Weise tat \u2013, aber ich w\u00e4hlte den sicheren, ausgetretenen Pfad der Vergesslichkeit und des geringeren Leids (bespuckt zu werden, vergessen zu werden, auch von sich selbst; vollkommen egal).\u201c Wer wollte urteilen, wer wirft denen ersten Stein? Zu diesem Weg hat sicherlich auch beigetragen, Dalisay f\u00fchrt das im erw\u00e4hnten Interview aus, dass er nach seiner Haftentlassung feststellen musste, dass die \u201eWiderst\u00e4ndler\u201c eine verschwindende Minorit\u00e4t darstellten w\u00e4hrend die gro\u00dfe Mehrheit einer ideologiefernen Bev\u00f6lkerung zumindest zu Beginn mit dem Kriegsrecht vollkommen einverstanden war und es mit den regierungsseitig verordneten \u201ePrinzipien nationaler Selbstdisziplin und konstruktiver Subordination\u201c versuchen wollte. Dies in dem Gef\u00fchl, dass es \u201eangesichts der gr\u00e4sslichen und stressvollen Unbest\u00e4ndigkeit des Lebens in der \u00fcbrigen Welt genau jetzt keinen besseren Ort auf er Welt g\u00e4be als die Philippinen mit ihren siebentausendeinhundert von der Sonne gek\u00fcssten Inseln\u201c. Abgesehen von diesem roten Faden der Geschichte erf\u00e4hrt man vielfach beil\u00e4ufig auch so manches andere \u00fcber die Philippinen. So schildert Dalisay z.B&nbsp;&nbsp;die Folgen der armutsbedingten Binnen-Migration in den Philippinen vor allem in Richtung der Hauptstadt Manila, \u201eder babylonischen Stadt, deren neueste Quartiere sogleich aussehen wie ihre \u00e4ltesten\u201c und im vielfach nichts anderes sind als Slums, h\u00e4ufig gebaut auf ehemaligen oder aktiven M\u00fcllkippen. Das Kriegsrecht blieb bis 1981 in Kraft. Marcos wurde nach massivem Wahlbetrug erst durch die sogenannte EDSA-Revolution im Februar 1986 aus dem Amt gejagt und starb 1989 im Exil in Hawaii. Die Zerrissenheit \u00fcber sein Verhalten begleitet ihn. 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