{"id":2159,"date":"2025-09-24T17:51:31","date_gmt":"2025-09-24T17:51:31","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2159"},"modified":"2025-09-25T09:04:12","modified_gmt":"2025-09-25T09:04:12","slug":"daryll-delgado-ueberreste-remains","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/d\/daryll-delgado-ueberreste-remains\/","title":{"rendered":"Daryll Delgado: \u00dcberreste \/ Remains"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">BESPRECHUNG AUF DEUTSCH!  REVIEW ALSO IN ENGLISH!<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"757\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333-757x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2160\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333-757x1024.jpeg 757w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333-222x300.jpeg 222w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333-768x1039.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4333.jpeg 1124w\" sizes=\"(max-width: 757px) 100vw, 757px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>2013 verw\u00fcstet der Supertaifun Haiyan (\u201eYolanda\u201c in den Philippinen), mit mehr als 10 000 Todesopfern einer der schlimmsten, der die Philippinen je heimgesucht hat, die auf der Insel Leyte, einem blutigen Schauplatz des 2. Weltkrieges, gelegene philippinische Stadt Tacloban. Tacloban ist die Heimatstadt der Autorin, ebenso wie der sp\u00e4teren Diktatorengattin Imelda Marcos.<\/p>\n\n\n\n<p>Ann kehrt nach vielen Jahren in ihre Heimatstadt zur\u00fcck. Sie geh\u00f6rte w\u00e4hrend ihrer Studienzeit einer sozialistisch \u2013 christlichen Jugendbewegung an, brach ihr Studium ab, verlie\u00df ihre Heimatstadt und arbeitet inzwischen in einer internationalen NGO, alles&nbsp;&nbsp;\u201eAdrenalinjunkies\u201c, die in solchen Katastropheneins\u00e4tzen zur H\u00f6chstform auflaufen. Sie z\u00e4hlt nicht zu den f\u00fchrenden Kr\u00e4ften der NGO, aber ihre Ortskenntnis und der dortigen Sprache, das Waray, hat ihr zur Aufnahme in die Truppe verholfen. Delgado flicht auch immer wieder Worte und S\u00e4tze in Waray in ihre Erz\u00e4hlung mit ein, die am Ende des Buches erkl\u00e4rt werden. Delgado in einem Interview: \u201e Die Figuren sollten denken und reden wie Waray-Sprecher. Ich wollte den Roman auch f\u00fcr meine Waray-Leute schreiben. Sie sollten sich und ihre Stimmen und dem Roman wiederfinden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ann soll in lediglich drei Tagen Material sammeln, um danach Resilienz-Geschichten f\u00fcr das Projekt zusammenzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Anflug sieht Ann, was aus ihrer Stadt geworden ist: \u201eKaum dass ich sie sah, konnte ich sie schon fast riechen \u2013 die F\u00e4ulnis, die Verwesung. \u2026Die ehemals gr\u00fcne Insel sah aus wie ein Tierkadaver.\u201c Sie kommt in eine Situation von \u201eFinsternis\u2026, Chaos, Tod und Verw\u00fcstung\u201c,&nbsp;&nbsp;in der \u201enicht einmal die Illusion von Normalit\u00e4t&nbsp;&nbsp;aufrechtzuerhalten oder momentweise herzustellen\u201c ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEs ist, als w\u00e4re der imagin\u00e4re Deckel auf dieser Provinz, die bekannt ist als Heimat der anderen H\u00e4lfte des Diktatorenpaares, endlich weggepustet worden, und unweigerlich entwichen stinkende Ausd\u00fcnstungen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine sicherlich nicht nur auf die Naturkatastrophe gem\u00fcnzte Beschreibung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Ann beginnt angesichts der durch den Taifun verursachten Verw\u00fcstung nicht nur eine belastende berufliche Reise,&nbsp;&nbsp;sondern auch eine komprimierte Zeitreise in ihre eigene Vergangenheit. Denn sie bringt einen geheimnisvollen Auftrag ihrer Mutter mit: \u201eTilge jegliche Spur des verfluchten Hauses, aber verschone die kleinen darum herum\u201c. F\u00fcr Ann ein angesichts lediglich dreier Tage ein Rennen gegen die Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die olphatisch hypersensible Ann sind diese Tage eine besondere Herausforderung. Die sich mischenden Ger\u00fcche, der Gestank von Tod und Verwesung machen sie fertig. \u201eDer Geruch der Lebenden\u201c ist eine Seltenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch erweist sie sich aus nicht n\u00e4her erkl\u00e4rten Gr\u00fcnden als im Kern nicht verletzbar, verwundbar, das Allermeiste l\u00e4sst sie schlicht nicht an sich heran. Auch wenn diese Katastrophen-Eins\u00e4tze auf Dauer sicher dazu f\u00fchren, dass sich die Helfer Schutzmechanismen zulegen, um angesichts des Elends nicht selbst zu zerbrechen, an manchen Stellen erscheint Ann kalt, gef\u00fchllos: \u201eVerletzt. Schon wieder dieses Wort. Genauso schlimm wie Resilienz.\u201c Das \u201eeinzige, wor\u00fcber ich Tr\u00e4nen vergossen habe, war diese verdammte Bestie, dieses Monster\u201c. Gemeint ist damit ein von einem Zaun aufgespie\u00dfter Tiger. Offen bleibt, ob dieser Tiger das durch die Geschichten&nbsp;&nbsp;der Bewohner von Tacloban geisternde Monster und, so Mano Pater, verantwortlich f\u00fcr den Tod seiner Tochter Lisa ist, einer Jugendfreundin Anns. Die Suche nach Lisa bleibt jedenfalls erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Familiengeheimnis um das \u201ealte Haus\u201c wird nicht aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Familiengeschichte bleibt weitgehend im Unklaren, nur Bruchst\u00fccke werden berichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Breiten Raum nimmt Anns gespaltenes, distanziertes Verh\u00e4ltnis zu ihrer Mutter ein. Diese war mit Imelda, der sp\u00e4teren Frau des Diktators Ferdinand Marcos, befreundet. Ihre Familien pflegten freundschaftlichen Umgang miteinander. Dieses Leben einer gutsituierten, politisch gut vernetzten Mittelstandsfamilie bot die passende Tarnung f\u00fcr ihre Mutter, die sich still und heimlich zu einer Kritikerin des Marcos-Regimes wandelte und w\u00e4hrend des Kriegsrechts einer Widerstandsgruppe anschloss, ohne dass dies in der Familie jemand bemerkt h\u00e4tte. Das ist nur eine der Ambivalenzen dieser Familie. In den Worten ihrer ebenfalls in den USA lebenden Schwester Alice: \u201cKeiner in diesem Haus war doch der, der er vorgab zu sein\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Das schlie\u00dft auch geheimnisvolle Verh\u00e4ltnis zwischen Mano Pater (\u201e\u00e4lterer Vater\u201c) und ihrem Vater beziehungsweise ihrer Mutter mit ein. Ann ist sich ihrer eigenen Erinnerungen nicht sicher, will aber, \u201edieses eine Bild von ihm, das nicht besudelt werden wird von meiner Angst, meinen Zweifeln, meiner Schuld oder von was auch immer ich herausfinden werde im Laufe meiner Nachforschungen meiner Recherche\u201c behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Hintergr\u00fcnde der Ermordung eines engen Freundes und Mitarbeiters ihres Vaters bleiben im Dunkeln, h\u00e4ngen aber offensichtlich mit der Zeit des Kriegsrechts zusammen. Es war zu dieser Zeit eben allt\u00e4glich, dass \u201ein unserer Kindheit Menschen einfach ohne Vorwarnung auftauchten und wieder verschwanden\u201c.&nbsp;&nbsp;Dieses Attentat und das zeitliche Umfeld der EDSA-Revolution, durch die der Milit\u00e4rdiktator Marcos entmachtet und ins Exil getrieben wurde, waren wohl der Anlass f\u00fcr den Umzug der Familie nach Manila und in Folge auch des Auseinanderfallens der Familie. Die Mutter geht ihre eigenen Wege und wandert nach Kalifornien aus. Dort schart sie mit der Zeit eine ihr ergebende Anh\u00e4ngerschar um sich, die sich von ihren Studien zu Identit\u00e4t, Queernis und sozialen Fragen inspirieren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberreste\u201c ist etwas mehr als der vielfach marketingm\u00e4\u00dfig etikettierte \u201eClimate-fiction-Roman\u201c. Delgado thematisiert \u00fcber Naturkatastrophen, wie Taifune, die in den Philippinen zum j\u00e4hrlichen Inventar z\u00e4hlen, eine Reihe von Aspekten philippinischer Realit\u00e4t, die, das hat die Lekt\u00fcre zahlreicher zur Frankfurter Buchmesse erschienen Romane gezeigt, in nahezu allen zeitgen\u00f6ssischen Romanen vorkommen: die tief verwurzelte Korruption, die Fragmentierung der Gesellschaft, die im Kern eine anhaltende Klassengesellschaft ist, oder die Arbeitsmigration. Und wie in kaum einem philippinischen Roman d\u00fcrfen auch hier Sagen und Mythen nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Beschreibung von Tod und Verw\u00fcstung ist Delgado drastisch, brutal. Da wird nach der Katastrophe nichts romantisiert, das Buch ist daher nicht immer einfach zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen bewegen sich wie Zombies, was wohl daran liege, \u201edass sie ausschlie\u00dflich Instinkt- gesteuert agierten, geleitet von dem Impuls, nicht still zu stehen, sondern zu sein, zu handeln, und am Leben zu bleiben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der eingeschobenen Originalberichte von \u00dcberlebenden, nicht selten den einzig \u00dcberlebenden einer Gro\u00dffamilie, hat dieser Roman auch einen dokumentarischen Charakter. Tod und \u00dcberlebenswille treffen aufeinander, Beispiele von Haltung und W\u00fcrde mitten im Chaos stechen hervor. Die Rahmenhandlung gewinnt dadurch an bedr\u00fcckender Authentizit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Ann wirft dabei auch ein selbstkritisches Bild auf Aufenthalt und Handlungsformen derartiger NGO \u00b4s und deren bei weitem nicht immer positiven Perzeption seitens der Einheimischen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberreste\u201c ist ein Roman der offenen Enden, der ungel\u00f6sten Fragen. Bilder, Erinnerungen, Bruchst\u00fccke, neue Eindr\u00fccke \u00fcberlagern sich, f\u00fcgen sich nicht zu einem beruhigenden Gesamtbild. Nicht jede Reise in die eigene Vergangenheit bringt Aufkl\u00e4rung, Erkenntnis oder gar Beruhigung und Auss\u00f6hnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist alles andere als langweilig, spiegelt vielmehr auf einer anderen Ebene das Chaos der Rahmenhandlung wider. Aber den ein oder anderen erz\u00e4hlerischen Abschluss h\u00e4tte man sich doch gew\u00fcnscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Ein Leseeerlebnis!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcberreste\u201c ist Delgados Debut-Roman (2019) und ihr erster ins Deutsche \u00fcbersetzte Roman, den sie bereits auf der Buchmesse Leipzig 2025 vorgestellt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Daryll Delgado: \u00dcberreste        Kr\u00f6ner Verlag<\/p>\n\n\n\n<p><strong>REVIEW IN ENGLISH !!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/7978b197-e5bf-40d5-b984-826c8d474232\" alt=\"IMG_3635.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In 2013, Super Typhoon Haiyan (\u201cYolanda\u201d in the Philippines) devastated Tacloban, a Philippine city located on the island of Leyte, a bloody battleground during World War II. With more than 10,000 fatalities, it was one of the worst typhoons ever to hit the Philippines. Tacloban is the hometown of the author, as well as the later dictator&#8217;s wife, Imelda Marcos.<\/p>\n\n\n\n<p>Ann returns to her hometown after many years. During her studies, she belonged to a socialist-Christian youth movement, dropped out of college, left her hometown, and now works for an international NGO, all of whom are \u201cadrenaline junkies\u201d who rise to their best form in such disaster relief efforts. She is not one of the leading forces in the NGO, but her knowledge of the area and the local language, Waray, helped her to be accepted into the team. Delgado also repeatedly weaves words and sentences in Waray into her narrative, which are explained at the end of the book. Delgado in an interview: &#8222;The characters should think and talk like Waray speakers. I also wanted to write the novel for my Waray people. They should be able to recognize themselves and their voices in the novel.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ann has only three days to gather material and then compile resilience stories for the project.<\/p>\n\n\n\n<p>Even as she approaches, Ann sees what has become of her city: \u201cAs soon as I saw it, I could almost smell it\u2014the rot, the decay. &#8230;The once green island looked like an animal carcass.\u201d She finds herself in a situation of &#8222;darkness&#8230;, chaos, death, and devastation,\u201c in which \u201dnot even the illusion of normality can be maintained or momentarily created.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cIt is as if the imaginary lid on this province, known as the home of the other half of the dictator couple, has finally been blown off, and stinking fumes have inevitably escaped.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>A description that certainly does not refer only to the natural disaster.<\/p>\n\n\n\n<p>For Ann, the devastation caused by the typhoon marks not only the beginning of a stressful professional journey, but also a condensed journey through time into her own past. For she has brought with her a mysterious assignment from her mother: \u201cErase every trace of the cursed house, but spare the little ones around it.\u201d For Ann, with only three days to complete the task, it is a race against time.<\/p>\n\n\n\n<p>For the olfactorily hypersensitive Ann, these days are a particular challenge. The mingling smells, the stench of death and decay, overwhelm her. \u201cThe smell of the living\u201d is a rarity.<\/p>\n\n\n\n<p>Nevertheless, for reasons that are not explained in detail, she proves to be essentially invulnerable, vulnerable, and simply does not let most things get to her. Even though these disaster relief missions certainly lead to the helpers developing protective mechanisms in the long run so that they do not break down themselves in the face of the misery, Ann appears cold and insensitive in some places: &#8222;Hurt. That word again. Just as bad as resilience.\u201c The \u201donly thing I shed tears over was that damn beast, that monster.&#8220; She is referring to a tiger impaled on a fence. It remains unclear whether this tiger is the monster that haunts the stories of the residents of Tacloban and, according to Mano Pater, is responsible for the death of his daughter Lisa, a childhood friend of Ann&#8217;s. In any case, the search for Lisa remains unsuccessful.<\/p>\n\n\n\n<p>The family secret surrounding the \u201cold house\u201d is also not revealed.<\/p>\n\n\n\n<p>The family history remains largely unclear, with only fragments being reported.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ann&#8217;s conflicted, distant relationship with her mother takes up a lot of space. Her mother was friends with Imelda, who later became the wife of dictator Ferdinand Marcos. Their families maintained friendly relations with each other. This life of a well-off, politically well-connected middle-class family provided the perfect cover for her mother, who quietly and secretly became a critic of the Marcos regime and joined a resistance group during martial law without anyone in the family noticing. This is just one of the ambivalences of this family. In the words of her sister Alice, who also lives in the US: \u201cNo one in that house was who they pretended to be.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>This also includes the mysterious relationship between Mano Pater (\u201colder father\u201d) and her father and mother. Ann is unsure of her own memories, but wants to keep \u201cthis one image of him that will not be tainted by my fear, my doubts, my guilt, or whatever I will find out in the course of my research.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>The circumstances surrounding the murder of a close friend and colleague of her father also remain unclear, but are obviously linked to the period of martial law. At that time, it was commonplace for \u201cpeople to simply appear and disappear without warning during our childhood.\u201d This assassination and the timing of the EDSA Revolution, which deposed military dictator Marcos and drove him into exile, were probably the reason for the family&#8217;s move to Manila and, subsequently, the breakup of the family. The mother goes her own way and emigrates to California. There, over time, she gathers a devoted following inspired by her studies on identity, queerness, and social issues.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cRemains\u201d is more than just a \u201cclimate fiction novel,\u201d as it is often labeled for marketing purposes. Delgado uses natural disasters, such as typhoons, which are an annual occurrence in the Philippines, to address a number of aspects of Philippine reality that, as numerous novels published for the Frankfurt Book Fair have shown, appear in almost all contemporary novels: deep-rooted corruption, the fragmentation of society, which is essentially a persistent class society, and labor migration. And, as in almost no other Philippine novel, legends and myths are also an integral part of this story.<\/p>\n\n\n\n<p>Delgado&#8217;s description of death and devastation is drastic and brutal. Nothing is romanticized after the catastrophe, which means that the book is not always easy to read.<\/p>\n\n\n\n<p>People move like zombies, which is probably because \u201cthey acted solely on instinct, guided by the impulse not to stand still, but to be, to act, and to stay alive.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Due to the inclusion of original reports from survivors, often the only survivors of an extended family, this novel also has a documentary character. Death and the will to survive collide, and examples of attitude and dignity stand out amid the chaos. This lends the frame story an oppressive authenticity.<\/p>\n\n\n\n<p>Ann also takes a self-critical look at the presence and actions of such NGOs and their far from always positive perception by the local population.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cRemains\u201d is a novel of open endings and unresolved questions. Images, memories, fragments, and new impressions overlap, failing to form a reassuring overall picture. Not every journey into one&#8217;s own past brings enlightenment, insight, or even reassurance and reconciliation.<\/p>\n\n\n\n<p>This is anything but boring; rather, it reflects the chaos of the plot on another level. But one would have liked to see a narrative conclusion here and there.<\/p>\n\n\n\n<p>Nevertheless: a reading experience!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cRemakes\u201c is Delgado&#8217;s debut novel (2019) and her first novel to be translated into German, which she already presented at the Leipzig Book Fair in 2025.<\/p>\n\n\n\n<p>Daryll Delagdo: Remains.   Ateneo de Naga University Press<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2159\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2159\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BESPRECHUNG AUF DEUTSCH! REVIEW ALSO IN ENGLISH! 2013 verw\u00fcstet der Supertaifun Haiyan (\u201eYolanda\u201c in den Philippinen), mit mehr als 10 000 Todesopfern einer der schlimmsten, der die Philippinen je heimgesucht hat, die auf der Insel Leyte, einem blutigen Schauplatz des 2. Weltkrieges, gelegene philippinische Stadt Tacloban. Tacloban ist die Heimatstadt der Autorin, ebenso wie der sp\u00e4teren Diktatorengattin Imelda Marcos. Ann kehrt nach vielen Jahren in ihre Heimatstadt zur\u00fcck. Sie geh\u00f6rte w\u00e4hrend ihrer Studienzeit einer sozialistisch \u2013 christlichen Jugendbewegung an, brach ihr Studium ab, verlie\u00df ihre Heimatstadt und arbeitet inzwischen in einer internationalen NGO, alles&nbsp;&nbsp;\u201eAdrenalinjunkies\u201c, die in solchen Katastropheneins\u00e4tzen zur H\u00f6chstform auflaufen. Sie z\u00e4hlt nicht zu den f\u00fchrenden Kr\u00e4ften der NGO, aber ihre Ortskenntnis und der dortigen Sprache, das Waray, hat ihr zur Aufnahme in die Truppe verholfen. Delgado flicht auch immer wieder Worte und S\u00e4tze in Waray in ihre Erz\u00e4hlung mit ein, die am Ende des Buches erkl\u00e4rt werden. Delgado in einem Interview: \u201e Die Figuren sollten denken und reden wie Waray-Sprecher. Ich wollte den Roman auch f\u00fcr meine Waray-Leute schreiben. Sie sollten sich und ihre Stimmen und dem Roman wiederfinden.\u201c Ann soll in lediglich drei Tagen Material sammeln, um danach Resilienz-Geschichten f\u00fcr das Projekt zusammenzustellen. Bereits im Anflug sieht Ann, was aus ihrer Stadt geworden ist: \u201eKaum dass ich sie sah, konnte ich sie schon fast riechen \u2013 die F\u00e4ulnis, die Verwesung. \u2026Die ehemals gr\u00fcne Insel sah aus wie ein Tierkadaver.\u201c Sie kommt in eine Situation von \u201eFinsternis\u2026, Chaos, Tod und Verw\u00fcstung\u201c,&nbsp;&nbsp;in der \u201enicht einmal die Illusion von Normalit\u00e4t&nbsp;&nbsp;aufrechtzuerhalten oder momentweise herzustellen\u201c ist. \u201eEs ist, als w\u00e4re der imagin\u00e4re Deckel auf dieser Provinz, die bekannt ist als Heimat der anderen H\u00e4lfte des Diktatorenpaares, endlich weggepustet worden, und unweigerlich entwichen stinkende Ausd\u00fcnstungen.\u201c Eine sicherlich nicht nur auf die Naturkatastrophe gem\u00fcnzte Beschreibung. F\u00fcr Ann beginnt angesichts der durch den Taifun verursachten Verw\u00fcstung nicht nur eine belastende berufliche Reise,&nbsp;&nbsp;sondern auch eine komprimierte Zeitreise in ihre eigene Vergangenheit. Denn sie bringt einen geheimnisvollen Auftrag ihrer Mutter mit: \u201eTilge jegliche Spur des verfluchten Hauses, aber verschone die kleinen darum herum\u201c. F\u00fcr Ann ein angesichts lediglich dreier Tage ein Rennen gegen die Zeit. F\u00fcr die olphatisch hypersensible Ann sind diese Tage eine besondere Herausforderung. Die sich mischenden Ger\u00fcche, der Gestank von Tod und Verwesung machen sie fertig. \u201eDer Geruch der Lebenden\u201c ist eine Seltenheit. Dennoch erweist sie sich aus nicht n\u00e4her erkl\u00e4rten Gr\u00fcnden als im Kern nicht verletzbar, verwundbar, das Allermeiste l\u00e4sst sie schlicht nicht an sich heran. Auch wenn diese Katastrophen-Eins\u00e4tze auf Dauer sicher dazu f\u00fchren, dass sich die Helfer Schutzmechanismen zulegen, um angesichts des Elends nicht selbst zu zerbrechen, an manchen Stellen erscheint Ann kalt, gef\u00fchllos: \u201eVerletzt. Schon wieder dieses Wort. Genauso schlimm wie Resilienz.\u201c Das \u201eeinzige, wor\u00fcber ich Tr\u00e4nen vergossen habe, war diese verdammte Bestie, dieses Monster\u201c. Gemeint ist damit ein von einem Zaun aufgespie\u00dfter Tiger. Offen bleibt, ob dieser Tiger das durch die Geschichten&nbsp;&nbsp;der Bewohner von Tacloban geisternde Monster und, so Mano Pater, verantwortlich f\u00fcr den Tod seiner Tochter Lisa ist, einer Jugendfreundin Anns. Die Suche nach Lisa bleibt jedenfalls erfolglos. Auch das Familiengeheimnis um das \u201ealte Haus\u201c wird nicht aufgekl\u00e4rt. Die Familiengeschichte bleibt weitgehend im Unklaren, nur Bruchst\u00fccke werden berichtet.&nbsp; Breiten Raum nimmt Anns gespaltenes, distanziertes Verh\u00e4ltnis zu ihrer Mutter ein. Diese war mit Imelda, der sp\u00e4teren Frau des Diktators Ferdinand Marcos, befreundet. Ihre Familien pflegten freundschaftlichen Umgang miteinander. Dieses Leben einer gutsituierten, politisch gut vernetzten Mittelstandsfamilie bot die passende Tarnung f\u00fcr ihre Mutter, die sich still und heimlich zu einer Kritikerin des Marcos-Regimes wandelte und w\u00e4hrend des Kriegsrechts einer Widerstandsgruppe anschloss, ohne dass dies in der Familie jemand bemerkt h\u00e4tte. Das ist nur eine der Ambivalenzen dieser Familie. In den Worten ihrer ebenfalls in den USA lebenden Schwester Alice: \u201cKeiner in diesem Haus war doch der, der er vorgab zu sein\u201d. Das schlie\u00dft auch geheimnisvolle Verh\u00e4ltnis zwischen Mano Pater (\u201e\u00e4lterer Vater\u201c) und ihrem Vater beziehungsweise ihrer Mutter mit ein. Ann ist sich ihrer eigenen Erinnerungen nicht sicher, will aber, \u201edieses eine Bild von ihm, das nicht besudelt werden wird von meiner Angst, meinen Zweifeln, meiner Schuld oder von was auch immer ich herausfinden werde im Laufe meiner Nachforschungen meiner Recherche\u201c behalten. Auch die Hintergr\u00fcnde der Ermordung eines engen Freundes und Mitarbeiters ihres Vaters bleiben im Dunkeln, h\u00e4ngen aber offensichtlich mit der Zeit des Kriegsrechts zusammen. Es war zu dieser Zeit eben allt\u00e4glich, dass \u201ein unserer Kindheit Menschen einfach ohne Vorwarnung auftauchten und wieder verschwanden\u201c.&nbsp;&nbsp;Dieses Attentat und das zeitliche Umfeld der EDSA-Revolution, durch die der Milit\u00e4rdiktator Marcos entmachtet und ins Exil getrieben wurde, waren wohl der Anlass f\u00fcr den Umzug der Familie nach Manila und in Folge auch des Auseinanderfallens der Familie. Die Mutter geht ihre eigenen Wege und wandert nach Kalifornien aus. Dort schart sie mit der Zeit eine ihr ergebende Anh\u00e4ngerschar um sich, die sich von ihren Studien zu Identit\u00e4t, Queernis und sozialen Fragen inspirieren l\u00e4sst. \u201e\u00dcberreste\u201c ist etwas mehr als der vielfach marketingm\u00e4\u00dfig etikettierte \u201eClimate-fiction-Roman\u201c. Delgado thematisiert \u00fcber Naturkatastrophen, wie Taifune, die in den Philippinen zum j\u00e4hrlichen Inventar z\u00e4hlen, eine Reihe von Aspekten philippinischer Realit\u00e4t, die, das hat die Lekt\u00fcre zahlreicher zur Frankfurter Buchmesse erschienen Romane gezeigt, in nahezu allen zeitgen\u00f6ssischen Romanen vorkommen: die tief verwurzelte Korruption, die Fragmentierung der Gesellschaft, die im Kern eine anhaltende Klassengesellschaft ist, oder die Arbeitsmigration. Und wie in kaum einem philippinischen Roman d\u00fcrfen auch hier Sagen und Mythen nicht fehlen. In der Beschreibung von Tod und Verw\u00fcstung ist Delgado drastisch, brutal. Da wird nach der Katastrophe nichts romantisiert, das Buch ist daher nicht immer einfach zu lesen. Die Menschen bewegen sich wie Zombies, was wohl daran liege, \u201edass sie ausschlie\u00dflich Instinkt- gesteuert agierten, geleitet von dem Impuls, nicht still zu stehen, sondern zu sein, zu handeln, und am Leben zu bleiben\u201c. Aufgrund der eingeschobenen Originalberichte von \u00dcberlebenden, nicht selten den einzig \u00dcberlebenden einer Gro\u00dffamilie, hat dieser Roman auch einen dokumentarischen Charakter. Tod und \u00dcberlebenswille treffen aufeinander, Beispiele von Haltung und W\u00fcrde mitten im Chaos stechen hervor. Die Rahmenhandlung gewinnt dadurch an bedr\u00fcckender Authentizit\u00e4t. Ann wirft dabei auch ein selbstkritisches Bild auf Aufenthalt und Handlungsformen derartiger NGO \u00b4s und deren bei<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2160,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[143],"class_list":["post-2159","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-d","tag-philippinen-diktatur-taifun-klimakrise-ueberreste-remains-kroenerverlag-ateneodenagauniversitypress-gabrielehaefs-philippinengastland-buchmessefrankfurt-darylldelgado"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2159"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2159"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2161,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2159\/revisions\/2161"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}