{"id":2151,"date":"2025-09-21T15:12:58","date_gmt":"2025-09-21T15:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2151"},"modified":"2025-09-23T07:58:12","modified_gmt":"2025-09-23T07:58:12","slug":"katrina-tuvera-die-koolaborateure-the-collaborators","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/t\/katrina-tuvera-die-koolaborateure-the-collaborators\/","title":{"rendered":"Katrina Tuvera: Die Kollaborateure\/ The Collaborators"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Besprechung auf Deutsch! Review also in English!<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"814\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317-814x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2152\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317-814x1024.jpeg 814w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317-238x300.jpeg 238w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317-768x967.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317-10x12.jpeg 10w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4317.jpeg 1179w\" sizes=\"(max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Kollaborateure, \u201eQuislinge\u201c, sind kein spezifisch philippinisches Thema. Zu allen Zeiten und in allen Weltgegenden waren und sind sie zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jahrhundertelange Kolonisierungsgeschichte der Philippinen (seit 1565 spanische Kolonie, nach kurzer Unabh\u00e4ngigkeit 1898 unter US-amerikanischer Kontrolle, w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges zwischen 1942-1945 von den Japanern besetzt und erst 1946 unabh\u00e4ngig geworden, bietet jedoch ein vielf\u00e4ltiges Panorama zur Entfaltung der unterschiedlichsten Formen und Auspr\u00e4gungen von Kollaboration.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo endet Komplizenschaft, wo beginnt Verrat? Was ist \u00fcberlebensnotwendige Anpassung bis Kooperation, wo beginnt die karrierebewu\u00dfte, opportunistische Kollaboration? Und: \u201eWie zieht man\u2026den Propagandisten zur Rechenschaft, den Einfl\u00fcsterer, den Misset\u00e4ter, all jene, die einfach weggesehen haben\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem spannenden und komplexen Thema widmet sich Tuvera in ihrem ersten auf Deutsch erschienen Roman.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt mit der turbulenten Phase der Amtsenthebung von Staatspr\u00e4sident Estradas wegen eines Korruptionsskandals um die Jahrtausendwende. W\u00e4hrend die Auseinandersetzungen auf der Stra\u00dfe und im Parlament toben, liegt Carlos Armando in seinen letzten Z\u00fcgen, was seine Frau und Tochter nicht davon abh\u00e4lt, ihr gegenseitiges Unverst\u00e4ndnis auszuleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Carlos erinnert sich an seine Kindheit, seine Schulzeit w\u00e4hrend der japanischen Besatzung und die Verfolgung der Kollaborateure, an die erste Zeit mit Renata, seiner Frau, vor allem aber an sein in den 60 er Jahren beginnendes Politikerleben. Selbstkritik beschr\u00e4nkt sich jedoch allenfalls auf die zu wenige Zeit, die er mit seiner Tochter Brynn verbracht hat. Ansonsten findet er f\u00fcr alles, sofern er \u00fcberhaupt etwas hinterfragt, eine Erkl\u00e4rung, eine Rechtfertigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein engster Freund Damian, ein mit allen Wassern gewaschener weniger Politprofi, \u00e4u\u00dferst erfahren darin, \u201edas System zu seinen Gunsten zu manipulieren\u201c ,(\u201eEine Regierung&nbsp;<em>ganz<\/em>&nbsp;ohne Korruption? Ein guter Witz.\u201c ), zieht Carlos trotz dessen anf\u00e4nglicher Bedenken immer mehr in seinen Wirkungskreis. Das geht soweit, dass Carlos 1965 die politische Seite wechselt und sich Ferdinand Marcos anschlie\u00dft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er bleibt dabei, auch als Damian an seiner Seite erschossen wird. Er will beim Aufbau der \u201eNeuen Gesellschaft\u201c mitwirken. Damals kam es ihm aber noch \u201enicht in den Sinn, dass jeder Mensch, seien seine Absichten auch noch so edel, Ma\u00df und Mittel verliert, sobald er sich den G\u00f6ttern ebenb\u00fcrtig w\u00e4hnt: allwissend, unantastbar, ewig\u201c. Aber selbst nach Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts und dem Beginn der Milit\u00e4rdiktatur bleibt er Marcos treu und findet auch daf\u00fcr eine sp\u00e4te Rechtfertigung: \u201eGewehre, Gewaltt\u00e4ter und Gold &#8211; unsere einzige Wahl bestand zwischen den Rebellen in den Bergen und den Banditen im Kongress\u201c. Und: \u201eEs gab zu wenig Reiche und zu viele Arme. Es gab Menschen, die das Land beackerten, das ihnen nicht geh\u00f6rte. Es gab Kriminalit\u00e4t und Warlords und Gauner in Anz\u00fcgen. Und es gab die kommunistischen Rebellen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fratze dieser \u201eNeuen Gesellschaft\u201c : \u201e70.000 Inhaftierte und 34.000 Gefolterte; \u00fcber 3.200 au\u00dfergerichtlich Get\u00f6tete \u00fcber einen Zeitraum von neun Jahren, von 1972-1981\u201c f\u00fchrt offensichtlich auch nicht zu einem sp\u00e4ten Umdenken. Nicht zu reden von der jahrelangen Auspl\u00fcnderung der Philippinen durch den Marcos-Clan.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage der Kollaboration wird in verschiedenen Facetten aufgegriffen, nicht nur aus der aktuellen Geschichte, sondern auch aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten von M\u00e4nnern \u201edie die ersten waren, die Spanisch gelernt haben und zwischen Kolonisierten und Kolonisatoren vermittelten. Kaum waren sie Christen, haben sie ihren Sch\u00fclern beigebracht, die eigenen Eltern als Wilde zu betrachten\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bis hin zu der Frage, ob ein Lehrer berechtigt ist, \u00fcber den Geschichtsunterricht einen Jungen an die d\u00fcstere Vergangenheit seines Gro\u00dfvaters heranzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>So vielf\u00e4ltig Formen der Kollaboration sind, so unterschiedlich wird auch damit umgegangen. Der Roman zeigt deutlich die Grenzen der Aufkl\u00e4rung, der (Selbst)Erkenntnis, des Wissenwollens oder Erkl\u00e4renk\u00f6nnens. So hat Renata eine ausgepr\u00e4gte Kapazit\u00e4t der Verdr\u00e4ngung. Die Aufrechterhaltung der Familienfassade hat Priorit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Komplexit\u00e4t von Kollaboration geh\u00f6rt auch die Frage, wie die nachfolgende Generation damit umgeht. Die Familiengespenster werden vielfach zur B\u00fcrde der Kinder und Enkel. Nichtwissen, Ahnen, Verdr\u00e4ngen, Unverst\u00e4ndnis, die Scheu, nachzufragen, Nicht-Verletzen-Wollen\u2026die Bandbreite der Verhaltensfacetten ist gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacob, der Sohn Damians und Geschichtslehrer,&nbsp;&nbsp;erh\u00e4lt von seiner Frau Abbie den Vorwurf: \u201eDu erinnerst zu viel\u201c\u2026\u201eMenschen werden immer vereinnahmt, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Und sie werden immer unter uns sein\u2026Genau wie die Armen, wenn man dem Sohn Gottes Glauben schenken darf\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Brynn, die Kontrastfigur zum Umfeld ihres Vaters, wird dessen Verh\u00e4ltnis zu Marcos zur un\u00fcberwindbaren Mauer. Marcos wurde durch die EDSA-Revolution 1986 ins Exil getrieben, starb 1989 auf Hawaii. Seine sterblichen \u00dcberreste konnten erst nach vielen Debatten 1993 auf die Philippinen zur\u00fcckkehren, wo ihn seine Frau Imelda einbalsamiert in einem Glassarg der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machte. Erst nach vielen Auseinandersetzungen und aufgrund eines Gerichtsurteils konnte sie Marcos dann 2016 auf dem&nbsp;&nbsp;\u201eNational Heroes Cemetery\u201c in Manila beisetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die emotional-tr\u00e4nenreiche Reaktion ihres Vaters vor dem Glassarg hatte f\u00fcr sie eine klare Konsequenz: \u201eAlso nein, ich frage ihn nicht warum. Ich wei\u00df nur, dass er voll und ganz an den Mann geglaubt hat. Manchmal finde ich es fast beneidenswert, solch ein Urvertrauen zu haben, so eine Hingabe. Als w\u00e4re es seine Religion gewesen \u2013 und wie treibt man jemandem seine Religion aus?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein anspruchsvolles Buch. Verschiedene Themen verschr\u00e4nken sich,<\/p>\n\n\n\n<p>Lebenswege trennen und kreuzen sich wieder, nach Jahrzehnten werden alte Rechnungen beglichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman gibt Einblicke in die gro\u00dfen Linien philippinischer Geschichte mit besonderem Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert. Er thematisiert aber auch die Schattenseiten des politischen Systems. Die tief verwurzelten Korruptionsstrukturen spielen in nahezu jedem philippinischen Roman eine Rolle. Und obwohl die Philippinen keinerlei monarchische Traditionen haben, so wird auch hier \u201epolitische Macht vererbt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnungslosigkeit und Resignation, die viele Filipinos angesichts der Strukturen des politischen Systems bef\u00e4llt bringt die sterbende Renata mit ihren letzten Worten auf den Punkt: \u201eNa, endlich mal was Neues\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Frage nach Heimat und Identit\u00e4t wird, eingebunden in die deutsche Kolonialgeschichte in Gestalt des 13-j\u00e4hrigen Hans gestreift, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern in China auf die Philippinen kommt, aber auch dort als Laowei, als Nicht-Asiat, als Fremder den Rest seines Lebens verbringt und bis zur Existenzfrage in die Fronten der Kollaborationsdebatten ger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman ist nicht chronologisch aufgebaut. Manchmal werden nach meinem Geschmack etwas zu abrupt die jeweilige Perspektive und Zeit gewechselt. Diese Zeitspr\u00fcnge, ja \u201eZeitwirbel\u201csind nicht immer sofort einzuordnen. Hinzu kommt, dass ohne historisches Vorwissen das Buch nicht leicht zu verstehen ist. Das kontextualisierende Nachwort von Annette Hug erleichtert das Verst\u00e4ndnis der historischen Abl\u00e4ufe, aber erg\u00e4nzende Eigenrecherche ist ratsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke an den @wagenbach_verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kollaborateure.&nbsp;&nbsp;@wagenbach_verlag<\/p>\n\n\n\n<p>**<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/ac742971-eb07-415a-bf90-10107098375a\" alt=\"IMG_4308.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Collaborators, or \u201cQuislings,\u201d are not a specifically Filipino phenomenon. They have existed throughout history and in all parts of the world.<\/p>\n\n\n\n<p>The centuries-long history of colonization in the Philippines (a Spanish colony since 1565, under US control after a brief period of independence in 1898, occupied by the Japanese during World War II between 1942 and 1945, and only gaining independence in 1946) offers a diverse panorama for the development of the most varied forms and manifestations of collaboration.<\/p>\n\n\n\n<p>Where does complicity end and betrayal begin? What is necessary adaptation for survival, and where does career-conscious, opportunistic collaboration begin? And: \u201cHow do you hold accountable the propagandists, the whisperers, the wrongdoers, all those who simply looked away?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Tuvera addresses this exciting and complex topic in her first novel published in German.<\/p>\n\n\n\n<p>It begins with the turbulent phase of President Estrada&#8217;s impeachment due to a corruption scandal at the turn of the millennium. While the conflicts rage in the streets and in parliament, Carlos Armando is in his final days, which does not prevent his wife and daughter from acting out their mutual incomprehension.<\/p>\n\n\n\n<p>Carlos remembers his childhood, his school days during the Japanese occupation and the persecution of collaborators, his early days with Renata, his wife, but above all his political career, which began in the 1960s. However, his self-criticism is limited to the too little time he spent with his daughter Brynn. Otherwise, he finds an explanation, a justification for everything, if he questions anything at all.<\/p>\n\n\n\n<p>His closest friend Damian, a seasoned political professional who is extremely skilled at \u201cmanipulating the system to his advantage\u201d (\u201cA government without corruption? That&#8217;s a good joke.\u201d), draws Carlos more and more into his sphere of influence, despite Carlos&#8216; initial reservations. This goes so far that in 1965 Carlos changes sides politically and joins Ferdinand Marcos.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>He sticks to his guns, even when Damian is shot dead at his side. He wants to help build the \u201cNew Society.\u201d At the time, however, it \u201cdid not occur to him that every human being, no matter how noble their intentions, loses all sense of proportion and restraint as soon as they imagine themselves to be equal to the gods: omniscient, untouchable, eternal.\u201d But even after martial law was imposed and the military dictatorship began, he remained loyal to Marcos and found a belated justification for this: \u201cGuns, violent criminals, and gold\u2014our only choice was between the rebels in the mountains and the bandits in Congress.\u201d And: \u201cThere were too few rich and too many poor. There were people who worked the land that did not belong to them. There was crime and warlords and crooks in suits. And there were the communist rebels.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>The grim face of this \u201cNew Society\u201d: \u201c70,000 prisoners and 34,000 tortured; over 3,200 extrajudicial killings over a period of nine years, from 1972 to 1981\u201d obviously does not lead to a belated rethinking either. Not to mention the years of plundering of the Philippines by the Marcos clan.<\/p>\n\n\n\n<p>The issue of collaboration is addressed in various facets, not only from current history, but also from times long past, when men \u201cwere the first to learn Spanish and mediated between the colonized and the colonizers. No sooner had they become Christians than they taught their students to regard their own parents as savages.\u201d&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>This leads to the question of whether a teacher is justified in using history lessons to introduce a boy to his grandfather&#8217;s dark past.<\/p>\n\n\n\n<p>As diverse as the forms of collaboration are, so too are the ways in which they are dealt with. The novel clearly shows the limits of enlightenment, (self-)awareness, the desire for knowledge, and the ability to explain. Renata, for example, has a pronounced capacity for repression. Maintaining the family fa\u00e7ade is her priority.<\/p>\n\n\n\n<p>The complexity of collaboration also includes the question of how the next generation deals with it. The family ghosts often become a burden for the children and grandchildren. Ignorance, ancestors, repression, incomprehension, the reluctance to ask questions, the desire not to hurt anyone&#8230; the range of behavioral facets is wide.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacob, Damian&#8217;s son and history teacher, is accused by his wife Abbie: \u201cYou remember too much\u201d&#8230; \u201cPeople are always being taken advantage of, for whatever reason. And they will always be among us&#8230; Just like the poor, if you believe in the Son of God.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>For Brynn, who contrasts sharply with her father&#8217;s circle, his relationship with Marcos becomes an insurmountable wall. Marcos was forced into exile by the EDSA Revolution in 1986 and died in Hawaii in 1989. After much debate, his remains were finally allowed to return to the Philippines in 1993, where his wife Imelda had him embalmed and placed in a glass coffin for public viewing. Only after many disputes and a court ruling was she finally able to bury Marcos in 2016 at the National Heroes Cemetery in Manila.<\/p>\n\n\n\n<p>Her father&#8217;s emotional, tearful reaction in front of the glass coffin had a clear consequence for her: \u201cSo no, I don&#8217;t ask him why. I just know that he believed in the man wholeheartedly. Sometimes I find it almost enviable to have such basic trust, such devotion. It was as if it were his religion \u2013 and how do you drive someone&#8217;s religion out of them?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>It is a challenging book. Various themes intertwine, lives separate and cross paths again, and after decades, old scores are settled.<\/p>\n\n\n\n<p>The novel provides insights into the broad outlines of Philippine history, with a particular focus on the 20th century. However, it also addresses the dark side of the political system. Deeply rooted structures of corruption play a role in almost every Philippine novel. And although the Philippines has no monarchical traditions whatsoever, \u201cpolitical power is inherited\u201d here too.<\/p>\n\n\n\n<p>The hopelessness and resignation that afflicts many Filipinos in view of the structures of the political system is summed up by the dying Renata in her last words: \u201cWell, finally something new.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>The question of home and identity is also touched upon, embedded in German colonial history in the form of 13-year-old Hans, who comes to the Philippines after the violent death of his parents in China, but also spends the rest of his life there as a Laowei, a non-Asian, a stranger, and ends up on the front lines of the collaboration debates, questioning his very existence.<\/p>\n\n\n\n<p>The novel is not structured chronologically. Sometimes, to my taste, the perspective and time change a little too abruptly. These leaps in time, or rather \u201ctime swirls,\u201d are not always easy to place immediately. In addition, the book is not easy to understand without prior historical knowledge. Annette Hug&#8217;s contextualizing afterword facilitates understanding of the historical events, but supplementary research on one&#8217;s own is advisable.<\/p>\n\n\n\n<p>Ateneo de Manila University Press   @ateneopress<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2151\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2151\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besprechung auf Deutsch! Review also in English! Kollaborateure, \u201eQuislinge\u201c, sind kein spezifisch philippinisches Thema. Zu allen Zeiten und in allen Weltgegenden waren und sind sie zu finden. Die jahrhundertelange Kolonisierungsgeschichte der Philippinen (seit 1565 spanische Kolonie, nach kurzer Unabh\u00e4ngigkeit 1898 unter US-amerikanischer Kontrolle, w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges zwischen 1942-1945 von den Japanern besetzt und erst 1946 unabh\u00e4ngig geworden, bietet jedoch ein vielf\u00e4ltiges Panorama zur Entfaltung der unterschiedlichsten Formen und Auspr\u00e4gungen von Kollaboration. Wo endet Komplizenschaft, wo beginnt Verrat? Was ist \u00fcberlebensnotwendige Anpassung bis Kooperation, wo beginnt die karrierebewu\u00dfte, opportunistische Kollaboration? Und: \u201eWie zieht man\u2026den Propagandisten zur Rechenschaft, den Einfl\u00fcsterer, den Misset\u00e4ter, all jene, die einfach weggesehen haben\u201c? Diesem spannenden und komplexen Thema widmet sich Tuvera in ihrem ersten auf Deutsch erschienen Roman. Es beginnt mit der turbulenten Phase der Amtsenthebung von Staatspr\u00e4sident Estradas wegen eines Korruptionsskandals um die Jahrtausendwende. W\u00e4hrend die Auseinandersetzungen auf der Stra\u00dfe und im Parlament toben, liegt Carlos Armando in seinen letzten Z\u00fcgen, was seine Frau und Tochter nicht davon abh\u00e4lt, ihr gegenseitiges Unverst\u00e4ndnis auszuleben. Carlos erinnert sich an seine Kindheit, seine Schulzeit w\u00e4hrend der japanischen Besatzung und die Verfolgung der Kollaborateure, an die erste Zeit mit Renata, seiner Frau, vor allem aber an sein in den 60 er Jahren beginnendes Politikerleben. Selbstkritik beschr\u00e4nkt sich jedoch allenfalls auf die zu wenige Zeit, die er mit seiner Tochter Brynn verbracht hat. Ansonsten findet er f\u00fcr alles, sofern er \u00fcberhaupt etwas hinterfragt, eine Erkl\u00e4rung, eine Rechtfertigung. Sein engster Freund Damian, ein mit allen Wassern gewaschener weniger Politprofi, \u00e4u\u00dferst erfahren darin, \u201edas System zu seinen Gunsten zu manipulieren\u201c ,(\u201eEine Regierung&nbsp;ganz&nbsp;ohne Korruption? Ein guter Witz.\u201c ), zieht Carlos trotz dessen anf\u00e4nglicher Bedenken immer mehr in seinen Wirkungskreis. Das geht soweit, dass Carlos 1965 die politische Seite wechselt und sich Ferdinand Marcos anschlie\u00dft.&nbsp; Er bleibt dabei, auch als Damian an seiner Seite erschossen wird. Er will beim Aufbau der \u201eNeuen Gesellschaft\u201c mitwirken. Damals kam es ihm aber noch \u201enicht in den Sinn, dass jeder Mensch, seien seine Absichten auch noch so edel, Ma\u00df und Mittel verliert, sobald er sich den G\u00f6ttern ebenb\u00fcrtig w\u00e4hnt: allwissend, unantastbar, ewig\u201c. Aber selbst nach Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts und dem Beginn der Milit\u00e4rdiktatur bleibt er Marcos treu und findet auch daf\u00fcr eine sp\u00e4te Rechtfertigung: \u201eGewehre, Gewaltt\u00e4ter und Gold &#8211; unsere einzige Wahl bestand zwischen den Rebellen in den Bergen und den Banditen im Kongress\u201c. Und: \u201eEs gab zu wenig Reiche und zu viele Arme. Es gab Menschen, die das Land beackerten, das ihnen nicht geh\u00f6rte. Es gab Kriminalit\u00e4t und Warlords und Gauner in Anz\u00fcgen. Und es gab die kommunistischen Rebellen\u201c. Die Fratze dieser \u201eNeuen Gesellschaft\u201c : \u201e70.000 Inhaftierte und 34.000 Gefolterte; \u00fcber 3.200 au\u00dfergerichtlich Get\u00f6tete \u00fcber einen Zeitraum von neun Jahren, von 1972-1981\u201c f\u00fchrt offensichtlich auch nicht zu einem sp\u00e4ten Umdenken. Nicht zu reden von der jahrelangen Auspl\u00fcnderung der Philippinen durch den Marcos-Clan. Die Frage der Kollaboration wird in verschiedenen Facetten aufgegriffen, nicht nur aus der aktuellen Geschichte, sondern auch aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten von M\u00e4nnern \u201edie die ersten waren, die Spanisch gelernt haben und zwischen Kolonisierten und Kolonisatoren vermittelten. Kaum waren sie Christen, haben sie ihren Sch\u00fclern beigebracht, die eigenen Eltern als Wilde zu betrachten\u201c.&nbsp; Bis hin zu der Frage, ob ein Lehrer berechtigt ist, \u00fcber den Geschichtsunterricht einen Jungen an die d\u00fcstere Vergangenheit seines Gro\u00dfvaters heranzuf\u00fchren. So vielf\u00e4ltig Formen der Kollaboration sind, so unterschiedlich wird auch damit umgegangen. Der Roman zeigt deutlich die Grenzen der Aufkl\u00e4rung, der (Selbst)Erkenntnis, des Wissenwollens oder Erkl\u00e4renk\u00f6nnens. So hat Renata eine ausgepr\u00e4gte Kapazit\u00e4t der Verdr\u00e4ngung. Die Aufrechterhaltung der Familienfassade hat Priorit\u00e4t. Zur Komplexit\u00e4t von Kollaboration geh\u00f6rt auch die Frage, wie die nachfolgende Generation damit umgeht. Die Familiengespenster werden vielfach zur B\u00fcrde der Kinder und Enkel. Nichtwissen, Ahnen, Verdr\u00e4ngen, Unverst\u00e4ndnis, die Scheu, nachzufragen, Nicht-Verletzen-Wollen\u2026die Bandbreite der Verhaltensfacetten ist gro\u00df. Jacob, der Sohn Damians und Geschichtslehrer,&nbsp;&nbsp;erh\u00e4lt von seiner Frau Abbie den Vorwurf: \u201eDu erinnerst zu viel\u201c\u2026\u201eMenschen werden immer vereinnahmt, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Und sie werden immer unter uns sein\u2026Genau wie die Armen, wenn man dem Sohn Gottes Glauben schenken darf\u201c. F\u00fcr Brynn, die Kontrastfigur zum Umfeld ihres Vaters, wird dessen Verh\u00e4ltnis zu Marcos zur un\u00fcberwindbaren Mauer. Marcos wurde durch die EDSA-Revolution 1986 ins Exil getrieben, starb 1989 auf Hawaii. Seine sterblichen \u00dcberreste konnten erst nach vielen Debatten 1993 auf die Philippinen zur\u00fcckkehren, wo ihn seine Frau Imelda einbalsamiert in einem Glassarg der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machte. Erst nach vielen Auseinandersetzungen und aufgrund eines Gerichtsurteils konnte sie Marcos dann 2016 auf dem&nbsp;&nbsp;\u201eNational Heroes Cemetery\u201c in Manila beisetzen. Die emotional-tr\u00e4nenreiche Reaktion ihres Vaters vor dem Glassarg hatte f\u00fcr sie eine klare Konsequenz: \u201eAlso nein, ich frage ihn nicht warum. Ich wei\u00df nur, dass er voll und ganz an den Mann geglaubt hat. Manchmal finde ich es fast beneidenswert, solch ein Urvertrauen zu haben, so eine Hingabe. Als w\u00e4re es seine Religion gewesen \u2013 und wie treibt man jemandem seine Religion aus?\u201c Es ist ein anspruchsvolles Buch. Verschiedene Themen verschr\u00e4nken sich, Lebenswege trennen und kreuzen sich wieder, nach Jahrzehnten werden alte Rechnungen beglichen. Der Roman gibt Einblicke in die gro\u00dfen Linien philippinischer Geschichte mit besonderem Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert. Er thematisiert aber auch die Schattenseiten des politischen Systems. Die tief verwurzelten Korruptionsstrukturen spielen in nahezu jedem philippinischen Roman eine Rolle. Und obwohl die Philippinen keinerlei monarchische Traditionen haben, so wird auch hier \u201epolitische Macht vererbt\u201c. Die Hoffnungslosigkeit und Resignation, die viele Filipinos angesichts der Strukturen des politischen Systems bef\u00e4llt bringt die sterbende Renata mit ihren letzten Worten auf den Punkt: \u201eNa, endlich mal was Neues\u201c. Auch die Frage nach Heimat und Identit\u00e4t wird, eingebunden in die deutsche Kolonialgeschichte in Gestalt des 13-j\u00e4hrigen Hans gestreift, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern in China auf die Philippinen kommt, aber auch dort als Laowei, als Nicht-Asiat, als Fremder den Rest seines Lebens verbringt und bis zur Existenzfrage in die Fronten der Kollaborationsdebatten ger\u00e4t. Der Roman ist nicht chronologisch aufgebaut. Manchmal werden nach meinem Geschmack etwas zu abrupt die jeweilige Perspektive und Zeit gewechselt. Diese Zeitspr\u00fcnge, ja \u201eZeitwirbel\u201csind nicht immer sofort einzuordnen. Hinzu kommt, dass ohne historisches Vorwissen das Buch nicht leicht zu verstehen ist. Das<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2152,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[54],"tags":[],"class_list":["post-2151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-t"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2151"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2151"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2158,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2151\/revisions\/2158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}