{"id":2134,"date":"2025-09-16T11:16:21","date_gmt":"2025-09-16T11:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2134"},"modified":"2025-09-16T11:22:52","modified_gmt":"2025-09-16T11:22:52","slug":"jessica-zafra-ein-ziemlich-boeses-maedchen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/z\/jessica-zafra-ein-ziemlich-boeses-maedchen-2\/","title":{"rendered":"Jessica Zafra: Ein ziemlich b\u00f6ses M\u00e4dchen \/The Age of Umbrage"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265-800x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2132\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265-800x1024.jpeg 800w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265-234x300.jpeg 234w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265-768x984.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265-9x12.jpeg 9w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IMG_4265.jpeg 1179w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Review also in English!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Asunci\u00f3n Pelayo, \u201eSiony\u201c genannt, hatte das \u201eSchicksal das Hirn vernebelt\u201c. Trotz aller Warnungen l\u00e4sst sie sich mit dem Hallodri Hernani ein. Guadalupe, genannt Guada, ist das Ergebnis. Siony steht als unverheiratetete 32-j\u00e4hrige in der konservativen philippinischen Gesellschaft kurz davor, \u201evon der Bildfl\u00e4che zu verschwinden\u201c. Denn \u201edie Schwerkraft w\u00fcrde bald ihre f\u00fcr alle sichtbaren Vorz\u00fcge zunichte machen\u201c. Also heiratet sie diesen Nichtsnutz und entgeht damit \u201edem schlimmsten aller Schicksale\u2026, im Wissen, dass eine ungl\u00fcckliche Ehe mit einem herumhurenden Nichtsnutz immer noch dem Leben in friedlicher Einsamkeit vorzuziehen sei\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitlich ist der kleine Roman in der Endphase der Marcos-Diktatur und dem \u00dcbergang zur Pr\u00e4sidentschaft von Cory Aquino (1986-1992) angesiedelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hernani verl\u00e4sst Frau und Kind. Siony wird Lehrerin, zieht ihr Kind alleine gro\u00df und kocht nebenbei f\u00fcr eine Kantine. Allerdings kommt sie nie so ganz los von ihrem faktischen Ex. Unterst\u00fctzung findet sie bei Titus, dem homosexuellen Finanzier von Hernani, der zu ihrem \u201eMentor\u201c, zu ihrer \u201eSchwiegermutter\u201c wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Guada, fr\u00fchreif, hochintelligent, mit dem Manko eines physisch \u00fcberdimensionierten Kopf versehen, spricht, bevor sie laufen kann. Sie ist ein starker Charakter und fr\u00fch fragen sich viele, ob sie noch als Kind oder als&nbsp;&nbsp;\u201egeschrumpfter Erwachsener\u201c anzusehen ist. Guada entwickelt sich zu einer begeisterten Leserin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schicksal greift in Gestalt des schwerreichen Don Placido Almagro, genannt \u201ePaquito\u201c , in Sionys und Guadas Leben ein. Er engagiert Siony als K\u00f6chin f\u00fcr seinen Privathaushalt. Die beiden wohnen nun im Bedienstetentrakt der Familie, und Guada kann zusammen mit der j\u00fcngsten Tochter des Hauses, Emilia, auf die teure Privatschule gehen und wird jeden Tag mit dem Chauffeur zur Schule gefahren<\/p>\n\n\n\n<p>Guada sozialisiert sich mit allen, kennt und akzeptiert keine Barrieren, spricht sogar unbefangen mit dem Sohn des Hauses nach dessen Quickie in der Bibliothek, zu dessen unfreiwilliger Zeugin sie geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Mutter geht demgegen\u00fcber eher auf Distanz, weiss sich manchmal in diesen gesellschaftlichen Strukturen der High-Society nicht so richtig einzuordnen. Siony f\u00fchrt im Almagro-Haus trotz der anst\u00e4ndigen Behandlung, die nicht typisch f\u00fcr die Existenz von Hausangestellten ist, eine \u201egeliehene\u201c Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch enth\u00e4lt vielf\u00e4ltige Momentaufnahmen, die eine Ann\u00e4herung an die Mentalit\u00e4t und Kultur und somit der Gesellschaft der Philippinen erm\u00f6glichen. Sei es ihr Aberglaube und die Vielzahl der Mythologien, seien es sehr handfeste Themen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zafra h\u00e4lt ihren Landsleuten sehr selbstkritisch den Spiegel vor.<\/p>\n\n\n\n<p>So am Beispiel, dass ein \u201eMestizo-Baby\u201c, d.h. ein Kind von einem Ausl\u00e4nder als die ideale Lebensversicherung f\u00fcr junge Frauen angesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Jessica Zafra brachte bei der Vorstellung ihres Buches auf der Leipziger Buchmesse das Problem der sozialen Mobilit\u00e4t in der geteilten, segmentierten, klassistischen philippinischen Gesellschaft auf einen kurzen Nenner: \u201eSch\u00f6nheit, Basketball und Politik\u201c. Das sind die erfolgversprechenden Mittel sozialen Aufstiegs in einer stark segmentierten Gesellschaft. Vor allem gut auszusehen ist die H\u00e4lfte der Miete f\u00fcr f\u00fcr jeden Erfolg: \u201eDu kannst immer schlaue Leute anheuern, f\u00fcr dich zu arbeiten, aber Sch\u00f6nheit ist ein Geschenk Gottes\u201c. Und wenn das einheimische \u201eblaue Blut\u201c fehlt, kann das durch Reichtum und europ\u00e4ische Abstammung ausgeglichen werden um dazuzugeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zafra schreibt erfrischend und deutlich: \u201cWissen Sie, wer ich bin?\u201c, rief der B\u00fcrgermeister in der universellen Rhetorik von Arschl\u00f6chern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Ironie kommt nicht zu kurz, so wenn sie \u00fcber das Ozonloch \u00fcber den Sch\u00f6nheitssalons spottet wegen der Unmengen von Sprays, die t\u00e4glich f\u00fcr die Damen der High-Society verspr\u00fcht werden, um diese zur&nbsp;&nbsp;\u201eunbeweglichen Perfektion\u201c zu stilisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch andere Themen werden aufgegriffen: Korruption, Binnenmigration, zunehmende Verst\u00e4dterung und damit einhergehende<\/p>\n\n\n\n<p>Slumbildung, besondere Privilegien f\u00fcr M\u00e4nner, Arbeitsmigration ins Ausland, um nur einige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Guada sucht und findet ihren eigenen Weg zwischen Mutter und Familie Almagro, negative Erlebnisse nicht ausgeschlossen, so wenn die strohdumme Emilia immer bessere Noten erh\u00e4lt als sie selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum positiven Erlebnis wird f\u00fcr Guada ein Walkman, ein Geschenk ihres abwesenden Vaters. Mit dem Kopfh\u00f6rer konnte sie \u201evon diesem Moment an\u2026die Grenzen ihres eigenen Planeten genau bestimmen, dessen Landschaft aus W\u00f6rtern und dessen Luft aus Musik bestand\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schicksal schl\u00e4gt unvermittelt zu. Siony, die \u00fcber Jahre in ein Grundst\u00fcck in den USA als Altersvorsorge investiert hatte, f\u00e4llt einem Betr\u00fcger zum Opfer und stirbt am Schock \u00fcber diese Katastrophe. Guada muss mit dem pl\u00f6tzlichen Tod der Mutter zu Recht kommen. Eine Tante will sie zwingen zu ihr zu ziehen, die Hausherrin Sara Almagro setzt sich jedoch durch, Guada bleibt im Haushalt der Almagros: \u201eDas war es, was man mit Geld kaufen konnte, fand Guada an diesem Tag heraus, die Macht, \u00fcber das Leben anderer Leute&nbsp;&nbsp;zu entscheiden, einfach, weil man es konnte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir verlassen Guadalupe im Alter von 15 Jahren, allein in der Welt, in der Schule ungl\u00fccklich, im Haus Almagro eher unsichtbar. Aber mit der Gewissheit, dass dieses sympathische und durchsetzungsstarke M\u00e4dchen seinen Weg gegen alle Widerst\u00e4nde gehen wird. Sorgen muss man sich um dieses Menschenkind nicht machen<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein lesenswertes kleines Buch, auch wenn der deutsche Titel dieser \u201ecoming of age\u201c-Geschichte, Zafras erster Roman, nicht so ganz passend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank an den Transit-Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ziemlich b\u00f6ses M\u00e4dchen<\/p>\n\n\n\n<p>Transit<\/p>\n\n\n\n<p>*******<\/p>\n\n\n\n<p><strong>THE AGE OF UMBRAGE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/buecher-books-libros.com\/a354f615-b0ea-435d-923e-0b16023af9b0\" alt=\"IMG_3447.jpeg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Asunci\u00f3n Pelayo, known as \u201cSiony,\u201d had \u201cfate clouding her mind.\u201d Despite all warnings, she gets involved with the ne&#8217;er-do-well Hernani. Guadalupe, known as Guada, is the result. As a 32-year-old unmarried woman in conservative Philippine society, Siony is on the verge of \u201cdisappearing from the scene.\u201d For \u201cgravity would soon destroy her assets, visible to all.\u201d So she marries this good-for-nothing and thus escapes \u201cthe worst of all fates&#8230; knowing that an unhappy marriage to a philandering good-for-nothing is still preferable to a life of peaceful solitude.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>The short novel is set in the final phase of the Marcos dictatorship and the transition to the presidency of Cory Aquino (1986-1992).<\/p>\n\n\n\n<p>Hernani leaves his wife and child. Siony becomes a teacher, raises her child alone, and cooks for a canteen on the side. However, she never quite manages to get away from her de facto ex. She finds support in Titus, Hernani&#8217;s homosexual financier, who becomes her \u201cmentor\u201d and \u201cmother-in-law.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Guada, precocious, highly intelligent, but with the disadvantage of a physically oversized head, speaks before she can walk. She is a strong character, and early on many wonder whether she should still be considered a child or a \u201cshrunken adult.\u201d Guada develops into an avid reader.<\/p>\n\n\n\n<p>Fate intervenes in the lives of Siony and Guada in the form of the wealthy Don Placido Almagro, known as \u201cPaquito.\u201d He hires Siony as a cook for his private household. The two now live in the family&#8217;s servants&#8216; quarters, and Guada is able to attend an expensive private school with the youngest daughter of the house, Emilia, and is driven to school every day by the chauffeur.<\/p>\n\n\n\n<p>Guada socializes with everyone, knows and accepts no barriers, and even talks freely with the son of the house after his quickie in the library, which she had unwittingly witnessed.<\/p>\n\n\n\n<p>Her mother, on the other hand, keeps her distance, sometimes unsure of how to fit into these high-society structures. Despite the decent treatment she receives, which is not typical for domestic workers, Siony leads a \u201cborrowed\u201d existence in the Almagro house.<\/p>\n\n\n\n<p>The book contains a variety of snapshots that provide insight into the mentality and culture, and thus the society, of the Philippines. These range from superstition and mythology to very tangible issues.<\/p>\n\n\n\n<p>Zafra holds up a very self-critical mirror to her compatriots.<\/p>\n\n\n\n<p>For example, a \u201cmestizo baby,\u201d i.e., a child of a foreigner, is considered the ideal life insurance for young women.<\/p>\n\n\n\n<p>When presenting her book at the Leipzig Book Fair, Jessica Zafra summed up the problem of social mobility in the divided, segmented, classist Philippine society in a nutshell: \u201cBeauty, basketball, and politics.\u201d These are the promising means of social advancement in a highly segmented society. Above all, looking good is half the battle for any success: \u201cYou can always hire smart people to work for you, but beauty is a gift from God.\u201d And if you lack the local \u201cblue blood,\u201d wealth and European ancestry can compensate for it and help you fit in.<\/p>\n\n\n\n<p>Zafra writes refreshingly and clearly: \u201cDo you know who I am?\u201d shouted the mayor in the universal rhetoric of assholes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>There is no shortage of irony either, such as when she mocks the ozone hole above beauty salons because of the vast quantities of sprays that are sprayed daily on high society ladies to stylize them into \u201cimmovable perfection.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>But other topics are also addressed: corruption, internal migration, increasing urbanization and the associated<\/p>\n\n\n\n<p>formation of slums, special privileges for men, labor migration abroad, to name but a few.<\/p>\n\n\n\n<p>Guada seeks and finds her own path between her mother and the Almagro family, not without negative experiences, such as when the stupid Emilia always gets better grades than she does.<\/p>\n\n\n\n<p>A positive experience for Guada is a Walkman, a gift from her absent father. With the headphones, she was able to \u201cfrom that moment on&#8230; precisely determine the boundaries of her own planet, whose landscape consisted of words and whose air consisted of music.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Fate strikes suddenly. Siony, who had invested in a property in the US for years as a retirement provision, falls victim to a fraudster and dies of shock over this catastrophe. Guada has to come to terms with her mother&#8217;s sudden death. An aunt wants to force her to move in with her, but the lady of the house, Sara Almagro, prevails, and Guada remains in the Almagro household: \u201cThat was what money could buy, Guada discovered that day, the power to decide other people&#8217;s lives simply because you could.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>We leave Guadalupe at the age of 15, alone in the world, unhappy at school, rather invisible in the Almagro household. But with the certainty that this likeable and assertive girl will go her own way against all odds. There is no need to worry about this young person.<\/p>\n\n\n\n<p>It is a readable little book, even if the German title of this coming-of-age story, Zafra&#8217;s first novel, is not entirely fitting.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>The Age of umbrage     University Press, Quezon City PH<\/p>\n\n\n\n<p>#philippinen<\/p>\n\n\n\n<p>#jessicazafra<\/p>\n\n\n\n<p>#transitverlag<\/p>\n\n\n\n<p>#nicofr\u00f6ba<\/p>\n\n\n\n<p>#tbr #bookstagram<\/p>\n\n\n\n<p>#universitypress<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2134\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2134\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Review also in English! 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Die beiden wohnen nun im Bedienstetentrakt der Familie, und Guada kann zusammen mit der j\u00fcngsten Tochter des Hauses, Emilia, auf die teure Privatschule gehen und wird jeden Tag mit dem Chauffeur zur Schule gefahren Guada sozialisiert sich mit allen, kennt und akzeptiert keine Barrieren, spricht sogar unbefangen mit dem Sohn des Hauses nach dessen Quickie in der Bibliothek, zu dessen unfreiwilliger Zeugin sie geworden war. Ihre Mutter geht demgegen\u00fcber eher auf Distanz, weiss sich manchmal in diesen gesellschaftlichen Strukturen der High-Society nicht so richtig einzuordnen. Siony f\u00fchrt im Almagro-Haus trotz der anst\u00e4ndigen Behandlung, die nicht typisch f\u00fcr die Existenz von Hausangestellten ist, eine \u201egeliehene\u201c Existenz. Das Buch enth\u00e4lt vielf\u00e4ltige Momentaufnahmen, die eine Ann\u00e4herung an die Mentalit\u00e4t und Kultur und somit der Gesellschaft der Philippinen erm\u00f6glichen. Sei es ihr Aberglaube und die Vielzahl der Mythologien, seien es sehr handfeste Themen. Zafra h\u00e4lt ihren Landsleuten sehr selbstkritisch den Spiegel vor. So am Beispiel, dass ein \u201eMestizo-Baby\u201c, d.h. ein Kind von einem Ausl\u00e4nder als die ideale Lebensversicherung f\u00fcr junge Frauen angesehen wird. Jessica Zafra brachte bei der Vorstellung ihres Buches auf der Leipziger Buchmesse das Problem der sozialen Mobilit\u00e4t in der geteilten, segmentierten, klassistischen philippinischen Gesellschaft auf einen kurzen Nenner: \u201eSch\u00f6nheit, Basketball und Politik\u201c. Das sind die erfolgversprechenden Mittel sozialen Aufstiegs in einer stark segmentierten Gesellschaft. Vor allem gut auszusehen ist die H\u00e4lfte der Miete f\u00fcr f\u00fcr jeden Erfolg: \u201eDu kannst immer schlaue Leute anheuern, f\u00fcr dich zu arbeiten, aber Sch\u00f6nheit ist ein Geschenk Gottes\u201c. Und wenn das einheimische \u201eblaue Blut\u201c fehlt, kann das durch Reichtum und europ\u00e4ische Abstammung ausgeglichen werden um dazuzugeh\u00f6ren. Zafra schreibt erfrischend und deutlich: \u201cWissen Sie, wer ich bin?\u201c, rief der B\u00fcrgermeister in der universellen Rhetorik von Arschl\u00f6chern\u201c. Auch Ironie kommt nicht zu kurz, so wenn sie \u00fcber das Ozonloch \u00fcber den Sch\u00f6nheitssalons spottet wegen der Unmengen von Sprays, die t\u00e4glich f\u00fcr die Damen der High-Society verspr\u00fcht werden, um diese zur&nbsp;&nbsp;\u201eunbeweglichen Perfektion\u201c zu stilisieren. Aber auch andere Themen werden aufgegriffen: Korruption, Binnenmigration, zunehmende Verst\u00e4dterung und damit einhergehende Slumbildung, besondere Privilegien f\u00fcr M\u00e4nner, Arbeitsmigration ins Ausland, um nur einige zu nennen. Guada sucht und findet ihren eigenen Weg zwischen Mutter und Familie Almagro, negative Erlebnisse nicht ausgeschlossen, so wenn die strohdumme Emilia immer bessere Noten erh\u00e4lt als sie selbst. Zum positiven Erlebnis wird f\u00fcr Guada ein Walkman, ein Geschenk ihres abwesenden Vaters. Mit dem Kopfh\u00f6rer konnte sie \u201evon diesem Moment an\u2026die Grenzen ihres eigenen Planeten genau bestimmen, dessen Landschaft aus W\u00f6rtern und dessen Luft aus Musik bestand\u201c. Das Schicksal schl\u00e4gt unvermittelt zu. Siony, die \u00fcber Jahre in ein Grundst\u00fcck in den USA als Altersvorsorge investiert hatte, f\u00e4llt einem Betr\u00fcger zum Opfer und stirbt am Schock \u00fcber diese Katastrophe. Guada muss mit dem pl\u00f6tzlichen Tod der Mutter zu Recht kommen. Eine Tante will sie zwingen zu ihr zu ziehen, die Hausherrin Sara Almagro setzt sich jedoch durch, Guada bleibt im Haushalt der Almagros: \u201eDas war es, was man mit Geld kaufen konnte, fand Guada an diesem Tag heraus, die Macht, \u00fcber das Leben anderer Leute&nbsp;&nbsp;zu entscheiden, einfach, weil man es konnte\u201c. Wir verlassen Guadalupe im Alter von 15 Jahren, allein in der Welt, in der Schule ungl\u00fccklich, im Haus Almagro eher unsichtbar. Aber mit der Gewissheit, dass dieses sympathische und durchsetzungsstarke M\u00e4dchen seinen Weg gegen alle Widerst\u00e4nde gehen wird. Sorgen muss man sich um dieses Menschenkind nicht machen Es ist ein lesenswertes kleines Buch, auch wenn der deutsche Titel dieser \u201ecoming of age\u201c-Geschichte, Zafras erster Roman, nicht so ganz passend ist. Dank an den Transit-Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar! Ein ziemlich b\u00f6ses M\u00e4dchen Transit ******* THE AGE OF UMBRAGE Asunci\u00f3n Pelayo, known as \u201cSiony,\u201d had \u201cfate clouding her mind.\u201d Despite all warnings, she gets involved with the ne&#8217;er-do-well Hernani. Guadalupe, known as Guada, is the result. As a 32-year-old unmarried woman in conservative Philippine society, Siony is on the verge of \u201cdisappearing from the scene.\u201d For \u201cgravity would soon destroy her assets, visible to all.\u201d So she marries this good-for-nothing and thus escapes \u201cthe worst of all fates&#8230; knowing that an unhappy marriage to a philandering good-for-nothing is still preferable to a life of peaceful solitude.\u201d The short novel is set in the final phase of the Marcos dictatorship and the transition to the presidency of Cory Aquino (1986-1992). Hernani leaves his wife and child. Siony becomes a teacher, raises her child alone, and cooks for a canteen on the side. 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