{"id":2053,"date":"2025-06-28T18:01:23","date_gmt":"2025-06-28T18:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=2053"},"modified":"2025-08-20T03:17:32","modified_gmt":"2025-08-20T03:17:32","slug":"isabel-allende-mein-name-ist-emilia-del-valle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/a\/isabel-allende-mein-name-ist-emilia-del-valle\/","title":{"rendered":"Isabel Allende: Mein Name ist Emilia del Valle"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"629\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-629x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2046\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-629x1024.jpeg 629w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-184x300.jpeg 184w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-768x1250.jpeg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-944x1536.jpeg 944w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444-7x12.jpeg 7w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_3444.jpeg 1133w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Emilia, geboren 1866 in Kalifornien, erz\u00e4hlt ihre Geschichte. Die Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits waren irische Einwanderer.&nbsp;Ihre Mutter, Molly Walsh, vom goldsuchenden Vater im Waisenhaus vergessen, wird sp\u00e4ter Novizin in einem katholischen Orden und avanciert schnell zur \u201eheiligen Mary\u201c. Vor ihrer Ewigen Profess wird sie f\u00fcr mehrere Jahre in einer l\u00e4ndlichen Schule eingesetzt. Es kommt, wie es in Romanen kommen muss. Sie wird von einem durchreisenden reichen Chilenen verf\u00fchrt und verlassen, ihre Schwangerschaft und ihre Tochter Emilia sind die \u201eStrafe Gottes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Molly heiratet den wesentlich \u00e4lteren Schuldirektor Francisco Claro. Diese anfangs eher auf Respekt und einer gewissen Zuneigung beruhende Beziehung wandelt sich in eine wahre Liebesgeschichte. Vor allem aber wird Francisco zum eigentlichen Vater f\u00fcr Emilia.<\/p>\n\n\n\n<p>Molly bekommt drei weitere Kinder, steht ihre Frau in diesem Leben, verh\u00e4rtet aber innerlich wegen des nicht \u00fcberwundenen Verrats des Chilenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Emilia f\u00e4ngt fr\u00fch an zu schreiben, Groschenromane und Krimis, die sie sich vor allem mit Hilfe ihrer Mutter ausdenkt, kriminelle Phantasie ist ausreichend vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Allende, Nichte des ehemaligen chilenischen Staatspr\u00e4sidenten Salvador Allende (1970-1973) bis zum Milit\u00e4rputsch von Pinochet, zeichnet mit Emilia einmal mehr eine sympathische, durchsetzungsstarke Frau. Sie erk\u00e4mpft sich eine erste Anstellung bei einer Zeitung in San Francisco und reist dann f\u00fcr diese, man bauchte in dieser Zeit daf\u00fcr in der dritten Zug-Klasse noch neun Tage, f\u00fcr einige Monate nach New York. Emilia trifft in New York ihre erste gro\u00dfe Liebe. Auch wenn der Mann, Bruder ihres Arbeitskollegen Eric, ihr von Beginn an keinen Zweifel daran l\u00e4sst, dass sie f\u00fcr ihn nur ein Abenteuer ist, ist sie entsetzt, als sie feststellt, dass er sogar verheiratet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Emilia befreit als junge Frau nicht nur ihren K\u00f6rper vom unn\u00f6tigen Korsett, sondern im \u00fcbertragenen Sinn sich selbst und ihr Leben auch von anderen einengenden Regelungen und den rigiden Erziehungsmassst\u00e4ben ihrer ihrer streng katholischen Mutter. Sie entwickelt sich in New York zur Anh\u00e4ngerin der freien Liebe, und unterst\u00fctzt die Suffragetten.&nbsp;Sie zieht diese Einstellung den \u201edezenten M\u00e4dchen\u201c vor, \u201ederen Tugend sich am Ausma\u00df ihrer Unwissenheit bemisst\u201c. Vor allem aber ist ihr Motto: \u201eIch ziehe es vor, um Entschuldigung zu bitten statt um Erlaubnis\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>So gut manche Szenen und Begebenheiten sind, die immer mal wieder eingestreuten platten \u201eLebensweisheiten\u201c wie \u201eEs gibt keine Freundschaft zwischen M\u00e4nnern und Frauen\u201c, \u201eWas Du nicht willst, das man Dir tu\u2026\u201c bis hin zu \u201eTiere t\u00f6ten nur aus Hunger\u201c st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Emilia muss ihre Kolumnen unter dem Pseudonym ihrer Krimis und Groschenromane ver\u00f6ffentlichen, da eine Frau als Journalistin\/Reporterin nicht zu vermitteln ist. Das \u00e4ndert sich 1891 mit dem in Chile beginnenden B\u00fcrgerkrieg. Im Auftrag ihrer Zeitung bricht sie mit ihrem Kollegen Eric nach Chile auf, verbunden mit der Hoffnung, dort ihren Erzeuger zu finden und im Gep\u00e4ck den Auftrag ihrer Mutter, noch ausstehende Rechnungen zu begleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Emilia setzt sich auch in den schwierigen Umst\u00e4nden dieser Reise durch und hat zudem erreicht, dass sie k\u00fcnftig unter ihrem Namen publizieren darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Zeichnung von starken Frauen sind viele B\u00fccher Allendes auch gepr\u00e4gt durch eine kritische Sicht auf die chilenische Geschichte und Gesellschaft. Allende bringt in einer Reihe von Momentaufnahmen die chilenische Gesellschaftsstruktur n\u00e4her, wenige Familien, meist aristokratisch gepr\u00e4gt, beherrschen das Land. Ihre klassistische, rassistische Einstellung dominiert. Man macht einen feinen Unterschied zwischen \u201eGesellschaft\u201c und \u201eBev\u00f6lkerung\u201c. Allendes kritischer Blick gilt auch dem chilenischen Selbstbild: \u201eDie beste Rasse, die st\u00e4rkste Wirtschaft, die stabilste Demokratie, das disziplinierteste Heer, das Vorzeigeland S\u00fcdamerikas\u201c. Der Roman spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, in manchen Aspekten hat sich nicht allzu viel ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>In den noch unblutigen Anfangswirren des B\u00fcrgerkrieges findet Emilia ihren Erzeuger Gonzalo Andr\u00e9s del Valle, der, Tr\u00e4ger eines der besten Namen der chilenischen Oberschicht, sein gesamtes Erbe durchgebracht hat und nun verarmt und schwer krank seine letzten Tage im Exil in der argentinischen Botschaft verbringt. Trotz der Beeinflussung durch ihre Mutter, die ihren Geliebten immer als Verbrecher bezeichnet hat, n\u00e4hern sich Emilia und Gonzalo in einer Mischung aus Neugier und Indifferenz an.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Beziehung zu ihrem todkranken Erzeuger, den sie dann irgendwann auch Vater nennt, nimmt eine \u00fcberraschend positive Entwicklung. Er setzt kurz vor seinem Tod sogar durch, dass seine Tante die letzten Schritte zur Anerkennung Emilias als seine leibliche Tochter vollzieht. Emilia f\u00fchlt sich mit Chile zunehmend verwurzelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Hauptstadt Santiago de Chile zieht Emilia in das Kriegsgebiet um Valparaiso, schildert dort verschiedene Schlachten und Kriegsgr\u00e4uel in aller eindr\u00fccklichen Ausf\u00fchrlichkeit. In all diesen blutigen Schrecknissen beginnt, \u00fcberraschend f\u00fcr beide, die Liebesgeschichte mit ihrem bisherigen Arbeitskollegen und platonischen Freund Eric. Diese Beziehung entwickelt sich in einem Kontext eines von Hass, Gewalttaten und sp\u00e4terer Siegerrache gepr\u00e4gten B\u00fcrgerkrieges, der in wenigen Monaten mehr Menschenleben kostete als der vierj\u00e4hrige Krieg Chiles gegen Peru und Bolivien. Der Mensch zeigte sich einmal mehr als das, was er auch sein kann, als Bestie.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die bereits erw\u00e4hnten Momentaufnahmen des chilenischen Gesellschaftsportr\u00e4ts gelungen sind, gilt dies deutlich weniger f\u00fcr die Analyse des historischen Hintergrundes. Die sich gegen\u00fcberstehenden Gruppen werden allzu holzschnittartig, ja statisch beschrieben, so dass diesen B\u00fcrgerkrieg besser kontextualisierende Entwicklungen unterbelichtet bleiben und man auf Eigenrecherchen angewiesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Sieg der Aufst\u00e4ndischen wird Emilia verhaftet und von einem Milit\u00e4rgericht zum Tode verurteilt. Die Schilderung ihrer \u201eletzten\u201c Stunden in der Todeszelle ist eindr\u00fccklich und sehr gelungen, einschlie\u00dflich ihres selbstironischen Eingest\u00e4ndnisses, dass es \u201esehr schwierig ist, vor den Toren des Todes Agnostikerin zu sein\u201c, die dann im Gebet Zuflucht sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Fazit: \u201eIch w\u00fcrde f\u00fcr etwas sterben, was sich nicht lohnt, genauso wie diese M\u00e4nner f\u00fcr nichts sterben. Wir waren alle wegwerfbar, anonyme Wesen, Nummern in der historischen Bilanz von Gener\u00e4len und Politikern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach all diesen ersch\u00fctternden Erlebnissen steht f\u00fcr sie fest, dass ihre Zeit als Verfasserin von intimen yellow-press-Kolumnen \u00fcber das Leben anderer Menschen oder von Groschenromanen vorbei ist. Eine aber noch wichtigere Erkenntnis f\u00fcr sie ist, die eigentliche Erbschaft ihres Vaters nicht in 50 ha Land in der s\u00fcdchilenischen Wildnis, sondern in ihren chilenischen Wurzeln zu sehen. Um diesen weiter nachzugehen und sich selbst zu finden, verliert sie sich \u00fcber Monate im unwirtlichen araukanischen S\u00fcden Chiles. Dieser inhaltlich auch nicht weiter ausgearbeitete Abschluss erscheint mir etwas allzu konstruiert und aufgesetzt. Eric findet sie schlie\u00dflich und bringt sie mit ihrem in der Wildnis beendeten autobiographisches Manuskript nach Hause. Das ist mir etwas zu sehr Hollywood.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach vielen Jahren war das mal wieder ein Allende-Buch. Ich habe nicht alle B\u00fccher von ihr gelesen. Unerreicht f\u00fcr mich ist ihr erstes Buch, \u201eDas Geisterhaus\u201c, sehr lesenswert sind auch \u201eDieser weite Weg\u201c und \u201eMein erfundenes Land\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahrnehmung der chilenischen Literatur in Deutschland ist f\u00fcr meinen Geschmack zu Allende-dominiert. Dabei gibt es eine ganze Reihe anderer Schriftsteller, die zu entdecken sich lohnt. Meine gro\u00dfe Hoffnung ist daher die Frankfurter Buchmesse 2027 mit dem Gastland Chile. Dies ist eine gro\u00dfartige Chance, dieses spannende Land und die Breite seiner Literatur zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Isabel Allende: Mein Name ist Emilia del Valle<\/p>\n\n\n\n<p>Suhrkamp, ISBN: 978-3518-4322-04<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersetzerin: Svenja Becker<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2053\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"2053\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emilia, geboren 1866 in Kalifornien, erz\u00e4hlt ihre Geschichte. 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Emilia f\u00e4ngt fr\u00fch an zu schreiben, Groschenromane und Krimis, die sie sich vor allem mit Hilfe ihrer Mutter ausdenkt, kriminelle Phantasie ist ausreichend vorhanden. Allende, Nichte des ehemaligen chilenischen Staatspr\u00e4sidenten Salvador Allende (1970-1973) bis zum Milit\u00e4rputsch von Pinochet, zeichnet mit Emilia einmal mehr eine sympathische, durchsetzungsstarke Frau. Sie erk\u00e4mpft sich eine erste Anstellung bei einer Zeitung in San Francisco und reist dann f\u00fcr diese, man bauchte in dieser Zeit daf\u00fcr in der dritten Zug-Klasse noch neun Tage, f\u00fcr einige Monate nach New York. Emilia trifft in New York ihre erste gro\u00dfe Liebe. Auch wenn der Mann, Bruder ihres Arbeitskollegen Eric, ihr von Beginn an keinen Zweifel daran l\u00e4sst, dass sie f\u00fcr ihn nur ein Abenteuer ist, ist sie entsetzt, als sie feststellt, dass er sogar verheiratet ist. Emilia befreit als junge Frau nicht nur ihren K\u00f6rper vom unn\u00f6tigen Korsett, sondern im \u00fcbertragenen Sinn sich selbst und ihr Leben auch von anderen einengenden Regelungen und den rigiden Erziehungsmassst\u00e4ben ihrer ihrer streng katholischen Mutter. Sie entwickelt sich in New York zur Anh\u00e4ngerin der freien Liebe, und unterst\u00fctzt die Suffragetten.&nbsp;Sie zieht diese Einstellung den \u201edezenten M\u00e4dchen\u201c vor, \u201ederen Tugend sich am Ausma\u00df ihrer Unwissenheit bemisst\u201c. Vor allem aber ist ihr Motto: \u201eIch ziehe es vor, um Entschuldigung zu bitten statt um Erlaubnis\u201c. So gut manche Szenen und Begebenheiten sind, die immer mal wieder eingestreuten platten \u201eLebensweisheiten\u201c wie \u201eEs gibt keine Freundschaft zwischen M\u00e4nnern und Frauen\u201c, \u201eWas Du nicht willst, das man Dir tu\u2026\u201c bis hin zu \u201eTiere t\u00f6ten nur aus Hunger\u201c st\u00f6ren. Emilia muss ihre Kolumnen unter dem Pseudonym ihrer Krimis und Groschenromane ver\u00f6ffentlichen, da eine Frau als Journalistin\/Reporterin nicht zu vermitteln ist. Das \u00e4ndert sich 1891 mit dem in Chile beginnenden B\u00fcrgerkrieg. Im Auftrag ihrer Zeitung bricht sie mit ihrem Kollegen Eric nach Chile auf, verbunden mit der Hoffnung, dort ihren Erzeuger zu finden und im Gep\u00e4ck den Auftrag ihrer Mutter, noch ausstehende Rechnungen zu begleichen. Emilia setzt sich auch in den schwierigen Umst\u00e4nden dieser Reise durch und hat zudem erreicht, dass sie k\u00fcnftig unter ihrem Namen publizieren darf. Neben der Zeichnung von starken Frauen sind viele B\u00fccher Allendes auch gepr\u00e4gt durch eine kritische Sicht auf die chilenische Geschichte und Gesellschaft. Allende bringt in einer Reihe von Momentaufnahmen die chilenische Gesellschaftsstruktur n\u00e4her, wenige Familien, meist aristokratisch gepr\u00e4gt, beherrschen das Land. Ihre klassistische, rassistische Einstellung dominiert. Man macht einen feinen Unterschied zwischen \u201eGesellschaft\u201c und \u201eBev\u00f6lkerung\u201c. Allendes kritischer Blick gilt auch dem chilenischen Selbstbild: \u201eDie beste Rasse, die st\u00e4rkste Wirtschaft, die stabilste Demokratie, das disziplinierteste Heer, das Vorzeigeland S\u00fcdamerikas\u201c. Der Roman spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, in manchen Aspekten hat sich nicht allzu viel ver\u00e4ndert. In den noch unblutigen Anfangswirren des B\u00fcrgerkrieges findet Emilia ihren Erzeuger Gonzalo Andr\u00e9s del Valle, der, Tr\u00e4ger eines der besten Namen der chilenischen Oberschicht, sein gesamtes Erbe durchgebracht hat und nun verarmt und schwer krank seine letzten Tage im Exil in der argentinischen Botschaft verbringt. Trotz der Beeinflussung durch ihre Mutter, die ihren Geliebten immer als Verbrecher bezeichnet hat, n\u00e4hern sich Emilia und Gonzalo in einer Mischung aus Neugier und Indifferenz an. Diese Beziehung zu ihrem todkranken Erzeuger, den sie dann irgendwann auch Vater nennt, nimmt eine \u00fcberraschend positive Entwicklung. Er setzt kurz vor seinem Tod sogar durch, dass seine Tante die letzten Schritte zur Anerkennung Emilias als seine leibliche Tochter vollzieht. Emilia f\u00fchlt sich mit Chile zunehmend verwurzelt. Aus der Hauptstadt Santiago de Chile zieht Emilia in das Kriegsgebiet um Valparaiso, schildert dort verschiedene Schlachten und Kriegsgr\u00e4uel in aller eindr\u00fccklichen Ausf\u00fchrlichkeit. In all diesen blutigen Schrecknissen beginnt, \u00fcberraschend f\u00fcr beide, die Liebesgeschichte mit ihrem bisherigen Arbeitskollegen und platonischen Freund Eric. Diese Beziehung entwickelt sich in einem Kontext eines von Hass, Gewalttaten und sp\u00e4terer Siegerrache gepr\u00e4gten B\u00fcrgerkrieges, der in wenigen Monaten mehr Menschenleben kostete als der vierj\u00e4hrige Krieg Chiles gegen Peru und Bolivien. Der Mensch zeigte sich einmal mehr als das, was er auch sein kann, als Bestie. W\u00e4hrend die bereits erw\u00e4hnten Momentaufnahmen des chilenischen Gesellschaftsportr\u00e4ts gelungen sind, gilt dies deutlich weniger f\u00fcr die Analyse des historischen Hintergrundes. Die sich gegen\u00fcberstehenden Gruppen werden allzu holzschnittartig, ja statisch beschrieben, so dass diesen B\u00fcrgerkrieg besser kontextualisierende Entwicklungen unterbelichtet bleiben und man auf Eigenrecherchen angewiesen ist. Nach dem Sieg der Aufst\u00e4ndischen wird Emilia verhaftet und von einem Milit\u00e4rgericht zum Tode verurteilt. Die Schilderung ihrer \u201eletzten\u201c Stunden in der Todeszelle ist eindr\u00fccklich und sehr gelungen, einschlie\u00dflich ihres selbstironischen Eingest\u00e4ndnisses, dass es \u201esehr schwierig ist, vor den Toren des Todes Agnostikerin zu sein\u201c, die dann im Gebet Zuflucht sucht. 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