{"id":1810,"date":"2024-09-08T19:00:42","date_gmt":"2024-09-08T19:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=1810"},"modified":"2024-09-19T17:57:25","modified_gmt":"2024-09-19T17:57:25","slug":"zauber-der-stille-caspar-david-friedrichs-reise-durch-die-zeiten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/i\/zauber-der-stille-caspar-david-friedrichs-reise-durch-die-zeiten-2\/","title":{"rendered":"Zauber der Stille: Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>von Florian Illies<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"684\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-684x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1585\" srcset=\"https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-684x1024.jpg 684w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-200x300.jpg 200w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-768x1150.jpg 768w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-1026x1536.jpg 1026w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-1367x2048.jpg 1367w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881-8x12.jpg 8w, https:\/\/buecher-books-libros.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/IMG_5660-scaled-e1719427545881.jpg 1543w\" sizes=\"(max-width: 684px) 100vw, 684px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich kannte einige Gem\u00e4lde von Caspar David Friedrich, allen voran nat\u00fcrlich die \u201eKreidefelsen auf R\u00fcgen\u201cund den \u201eWanderer \u00fcber dem Nebelmeer\u201c, hatte mich aber nie n\u00e4her mit Friedrich und seinem Werk befasst.<br>Die Ausstellung anl\u00e4sslich seines 250. Geburtstages in der Alten Nationalgalerie in Berlin weckte jedoch mein Interesse. Da es als \u00e4u\u00dferst schwierig galt an Eintrittskarten zu kommen, wollte ich zumindest etwas mehr wissen und stie\u00df auf das hier besprochene Buch von Illies.<\/p>\n\n\n\n<p>In vier Kapiteln, \u00fcberschrieben mit den Titeln \u201eFeuer\u201c, \u201eWasser\u201c, \u201eErde\u201c und \u201eLuft\u201c, n\u00e4hert sich Illies \u00fcber diese Elemente Caspar David Friedrich, seinem Leben und seinem Werk. Dieses Buch ist jedoch weder eine detaillierte Biografie noch eine allumfassende Werkanalyse, will es auch nicht sein. Es ist eine Hinf\u00fchrung zu Person und Werk und erm\u00f6glicht ein Grundverst\u00e4ndnis dieses wohl bedeutendsten Malers der Romantik.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erfahren einiges \u00fcber Friedrichs Leben, eingebettet in den zeitgeschichtlichen Kontext, wobei Illies eine sehr ironische, wenn auch ab und an allzu saloppe, ja flapsige Art hat, das Zeitgeschehen zu kommentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte, bis Friedrich sich durchsetzen konnte, aber bereits zu Lebzeiten geriet er auch wieder in Vergessenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erfahren Einiges \u00fcber die wichtigsten Bilder. Dabei geht es nicht immer vorrangig um eine Interpretation eines Kunst-Experten, vielmehr erfahren wir auch Vieles \u00fcber den Weg und den Verbleib manches dieser Bilder, darunter aberwitzige Geschichten. Die Geschichte der Gem\u00e4lde Friedrichs ist vielfach auch die Geschichte ihres Verlorengehens oder ihrer Zerst\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Thematisiert wird die sich wandelnde Rezeption Friedrichs im Verlauf dieser nun zweieinhalb Jahrhunderte. Interessant bis am\u00fcsant zu lesen sind die Darstellungen und Charakterisierungen der Aneignungsversuche am Beispiel der Nationalsozialisten, der DDR oder der 68er. So meinten Letztere, mit der Ruhe, der Beschaulichkeit und den mangelnden Aktionen in seinen Bildern wolle Friedrich \u201edie Passivit\u00e4t seiner Klasse, des Kleinb\u00fcrgertums, ideologisch legitimieren\u201c. Illies lapidar: \u201eWas f\u00fcr ein Quatsch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis Friedrichs ist vorab zu wissen, dass er nicht naturgetreu malt, er ist kein Landschaftsmaler, vielmehr eine Art fr\u00fcher \u201eKonzept-K\u00fcnstler\u201c: \u201eCaspar David Friedrich atmet Natur ein, um sie als Kunst wieder auszuatmen\u201c. In seinem k\u00e4rglich m\u00f6blierten kleinen Atelier f\u00fcgt er fr\u00fchere Skizzen, Impressionen, Erinnerungen und seine Phantasien zu einem Gem\u00e4lde zusammen. Daher ist es auch kaum m\u00f6glich, die konkreten Orte seiner Bilder zu finden, da diese eben nicht existieren, sondern vielfach im Collagen-System zusammengef\u00fcgt sind. Dies erkl\u00e4rt auch, wieso bei einer Reihe seiner Bilder die Titel, mit denen sie nach ihm vermarktet werden, sich immer wieder wandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich hat viele Facetten. So ist er ein durchaus politischer Mensch, Patriot und Nationalist. Er \u201centwirft das Ideal eines vereinigten Deutschlands, wiedergeboren aus uralten Quellen. Und mit den Jahren vermischt sich bei ihm das Christliche und das Germanische auf extreme Weise, ob nun Jesus von Nazareth oder Hermann der Cherusker, beide werden von Friedrich inbr\u00fcnstig verehrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch ein rebellischer Zug ist bei Friedrich festzustellen. Das in den Karlsbader Beschl\u00fcssen enthaltene Verbot, bestimmte Kleidung zu tragen, f\u00fchrte dazu, dass Friedrich diese \u201eaus Trotz weiterhin in seinen Bildern zeigt, auch bei dem ber\u00fchmten Gem\u00e4lde \u201cZwei M\u00e4nner in Betrachtung des Mondes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber ist Friedrich tief religi\u00f6s: \u201eDer fromme Friedrich glaubt, dass die Erneuerung des Glaubens nur aus der Natur selbst kommen kann und aus dem zeitgen\u00f6ssischen Menschen, der offene Augen f\u00fcr den Sch\u00f6pfer hat.\u201c Eine ganz besondere Herausforderung sind f\u00fcr Wilhelm die Wolken, der Himmel, die Luft: \u201cHimmel malen ist f\u00fcr ihn wie Gottesdienst\u201c. Wolken sind \u201ef\u00fcr Friedrich nicht einfach Wolken. F\u00fcr Friedrich sind Wolken aufgeladen im Sinne der christlichen Mystik. Da der Mensch das g\u00f6ttliche Licht nicht sehen darf, habe sich Gott, damit seine Gegenwart ertr\u00e4glich sei, in Nebel oder Wolken geh\u00fcllt\u201c. Wobei auch das wieder eine Provokation f\u00fcr amtskirchliche Kreise war, denn es gibt\u201c H\u00f6heres als eine Wolke\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er \u00fcberhaupt keine Provokation scheute. So sorgte die von ihm im \u201eKreuz im Gebirge\u201c, sp\u00e4ter \u201eTetschener Altar\u201c genannten Bild vorgenommene Verbindung von Landschaftsmalerei, Religion und Glaube f\u00fcr einen handfesten Skandal, eine\u201c unglaubliche Provokation f\u00fcr die konservativen Sachsen\u201c, denn Friedrich hat \u201ceinen Altar gemalt und auf seinem Bild die Natur zum heiligen Ort erkl\u00e4rt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig war sein Gott auch immer ein Gott der Einsamkeit. Dies kam kaum irgendwo st\u00e4rker zum Ausdruck als in seinem Bild \u201eM\u00f6nch am Meer\u201c: \u201eNie zuvor ist das Zweifeln an Gott, die Nichtigkeit des Einzelnen und seine Verlorenheit angesichts der Ur-Kr\u00e4fte der Natur kompromissloser dargestellt worden\u2026Es ist der Urknall der Romantik.<\/p>\n\n\n\n<p>Das von Friedrich so sehr gew\u00fcnschte gute Verh\u00e4ltnis zu Goethe will nicht zu Stande kommen. Goethe kann mit dieser Form von Malerei nichts anfangen. Es besteht sogar die Vermutung, dass Goethe in einem Wutanfall eines seiner Bilder teilweise zerst\u00f6rt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz seiner intensiven Bem\u00fchungen kommt CDF seinerseits der Bitte Goethes nicht nach, f\u00fcr ihn die Wolken nach den neuen wissenschaftlichen Kriterien zu malen: \u201eDer Himmel ist f\u00fcr ihn ein magischer, heiliger Ort, den kann er nicht zum naturwissenschaftlichen Lehrmaterial herabw\u00fcrdigen, wie es der Geheimrat gerne h\u00e4tte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Friedrich seine Bilder nicht signiert, kommt es \u00fcber die Zeiten auch dazu, dass seine Werke anderen K\u00fcnstler zugeschrieben werden, so beispielsweise das Bild \u201eDer Watzmann\u201c.<br>Gerade bei diesem Bild zeigen sich die manchmal irrwitzigen Wege, die Bilder von Caspar David Friedrich im Laufe der Zeit genommen haben. So wurde der Ankauf dieses Bildes durch die Berliner Nationalgalerie nur mittels eines finanziellen Zuschusses von Adolf Hitler m\u00f6glich, der zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wusste, dass der Verk\u00e4ufer Jude war, der mit dem Verkaufserl\u00f6s dieses ihm unbekannten Meisters wohl die Ausreise aus Nazi -Deutschland f\u00fcr sich und seine Familie finanzieren konnte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man sich CDF und seinen Werken n\u00e4hern, sich um Verst\u00e4ndnis bem\u00fchen sollte, auch dar\u00fcber gehen naturgem\u00e4\u00df die Meinungen \u00fcber die Jahrhunderte auseinander. Ich halte es da mit Friedrich selbst: \u201eWillst du wissen, was Sch\u00f6nheit sei? Befrage die Herren \u00c4stheten, beim Teetisch kann\u2019s dir n\u00fctzlich werden, aber vor der Staffelei nicht, da musst du f\u00fchlen, was sch\u00f6n ist\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZauber der Stille\u201c ist eine hervorragende, verst\u00e4ndliche, gut zu lesende Hinf\u00fchrung zu Person und Werk von Caspar David Friedrich und macht Lust darauf, sich intensiver mit diesem K\u00fcnstler zu befassen. Besseres kann man \u00fcber ein Buch kaum sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entgegen allen Voraussagen und Bef\u00fcrchtungen war es dann doch einfach, Eintrittskarten f\u00fcr die wirklich ph\u00e4nomenale Ausstellung in Berlin zu bekommen. Wie gesagt war mir CDF kein g\u00e4nzlich Unbekannter, von der Bandbreite seines immensen Schaffens hatte ich jedoch keine Vorstellung. Die faszinierende Berliner Ausstellung, begleitet durch einen sehr instruktiven Audio-Guide, erm\u00f6glichte einen exzellenten Einblick in das Schaffen Caspar David Friedrichs. Wer die Gelegenheit hat, sollte diese Ausstellung besuchen, die ab Ende August in Dresden zu sehen ist. Als letzte M\u00f6glichkeit bleibt dann ein Ausflug nach New York, ab Februar 2025 ist die Ausstellung im Moma zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr empfehlenswert ist der im Prestel Verlag erschienene Katalog der Ausstellung, der, in deutscher und englischer Ausgabe, in der Museumsbuchhandlung f\u00fcr nur 30 \u20ac (deutlich billiger als sp\u00e4ter im Buchhandel, 49.- \u20ac) erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"1810\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"1810\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Florian Illies Ich kannte einige Gem\u00e4lde von Caspar David Friedrich, allen voran nat\u00fcrlich die \u201eKreidefelsen auf R\u00fcgen\u201cund den \u201eWanderer \u00fcber dem Nebelmeer\u201c, hatte mich aber nie n\u00e4her mit Friedrich und seinem Werk befasst.Die Ausstellung anl\u00e4sslich seines 250. Geburtstages in der Alten Nationalgalerie in Berlin weckte jedoch mein Interesse. Da es als \u00e4u\u00dferst schwierig galt an Eintrittskarten zu kommen, wollte ich zumindest etwas mehr wissen und stie\u00df auf das hier besprochene Buch von Illies. In vier Kapiteln, \u00fcberschrieben mit den Titeln \u201eFeuer\u201c, \u201eWasser\u201c, \u201eErde\u201c und \u201eLuft\u201c, n\u00e4hert sich Illies \u00fcber diese Elemente Caspar David Friedrich, seinem Leben und seinem Werk. Dieses Buch ist jedoch weder eine detaillierte Biografie noch eine allumfassende Werkanalyse, will es auch nicht sein. Es ist eine Hinf\u00fchrung zu Person und Werk und erm\u00f6glicht ein Grundverst\u00e4ndnis dieses wohl bedeutendsten Malers der Romantik. Wir erfahren einiges \u00fcber Friedrichs Leben, eingebettet in den zeitgeschichtlichen Kontext, wobei Illies eine sehr ironische, wenn auch ab und an allzu saloppe, ja flapsige Art hat, das Zeitgeschehen zu kommentieren. Es dauerte, bis Friedrich sich durchsetzen konnte, aber bereits zu Lebzeiten geriet er auch wieder in Vergessenheit. Wir erfahren Einiges \u00fcber die wichtigsten Bilder. Dabei geht es nicht immer vorrangig um eine Interpretation eines Kunst-Experten, vielmehr erfahren wir auch Vieles \u00fcber den Weg und den Verbleib manches dieser Bilder, darunter aberwitzige Geschichten. Die Geschichte der Gem\u00e4lde Friedrichs ist vielfach auch die Geschichte ihres Verlorengehens oder ihrer Zerst\u00f6rung. Thematisiert wird die sich wandelnde Rezeption Friedrichs im Verlauf dieser nun zweieinhalb Jahrhunderte. Interessant bis am\u00fcsant zu lesen sind die Darstellungen und Charakterisierungen der Aneignungsversuche am Beispiel der Nationalsozialisten, der DDR oder der 68er. So meinten Letztere, mit der Ruhe, der Beschaulichkeit und den mangelnden Aktionen in seinen Bildern wolle Friedrich \u201edie Passivit\u00e4t seiner Klasse, des Kleinb\u00fcrgertums, ideologisch legitimieren\u201c. 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Er \u201centwirft das Ideal eines vereinigten Deutschlands, wiedergeboren aus uralten Quellen. Und mit den Jahren vermischt sich bei ihm das Christliche und das Germanische auf extreme Weise, ob nun Jesus von Nazareth oder Hermann der Cherusker, beide werden von Friedrich inbr\u00fcnstig verehrt.\u201c Aber auch ein rebellischer Zug ist bei Friedrich festzustellen. Das in den Karlsbader Beschl\u00fcssen enthaltene Verbot, bestimmte Kleidung zu tragen, f\u00fchrte dazu, dass Friedrich diese \u201eaus Trotz weiterhin in seinen Bildern zeigt, auch bei dem ber\u00fchmten Gem\u00e4lde \u201cZwei M\u00e4nner in Betrachtung des Mondes\u201c. Vor allem aber ist Friedrich tief religi\u00f6s: \u201eDer fromme Friedrich glaubt, dass die Erneuerung des Glaubens nur aus der Natur selbst kommen kann und aus dem zeitgen\u00f6ssischen Menschen, der offene Augen f\u00fcr den Sch\u00f6pfer hat.\u201c Eine ganz besondere Herausforderung sind f\u00fcr Wilhelm die Wolken, der Himmel, die Luft: \u201cHimmel malen ist f\u00fcr ihn wie Gottesdienst\u201c. Wolken sind \u201ef\u00fcr Friedrich nicht einfach Wolken. F\u00fcr Friedrich sind Wolken aufgeladen im Sinne der christlichen Mystik. Da der Mensch das g\u00f6ttliche Licht nicht sehen darf, habe sich Gott, damit seine Gegenwart ertr\u00e4glich sei, in Nebel oder Wolken geh\u00fcllt\u201c. Wobei auch das wieder eine Provokation f\u00fcr amtskirchliche Kreise war, denn es gibt\u201c H\u00f6heres als eine Wolke\u201c. Wie er \u00fcberhaupt keine Provokation scheute. 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Es besteht sogar die Vermutung, dass Goethe in einem Wutanfall eines seiner Bilder teilweise zerst\u00f6rt hat. Trotz seiner intensiven Bem\u00fchungen kommt CDF seinerseits der Bitte Goethes nicht nach, f\u00fcr ihn die Wolken nach den neuen wissenschaftlichen Kriterien zu malen: \u201eDer Himmel ist f\u00fcr ihn ein magischer, heiliger Ort, den kann er nicht zum naturwissenschaftlichen Lehrmaterial herabw\u00fcrdigen, wie es der Geheimrat gerne h\u00e4tte\u201c. Da Friedrich seine Bilder nicht signiert, kommt es \u00fcber die Zeiten auch dazu, dass seine Werke anderen K\u00fcnstler zugeschrieben werden, so beispielsweise das Bild \u201eDer Watzmann\u201c.Gerade bei diesem Bild zeigen sich die manchmal irrwitzigen Wege, die Bilder von Caspar David Friedrich im Laufe der Zeit genommen haben. So wurde der Ankauf dieses Bildes durch die Berliner Nationalgalerie nur mittels eines finanziellen Zuschusses von Adolf Hitler m\u00f6glich, der zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht wusste, dass der Verk\u00e4ufer Jude war, der mit dem Verkaufserl\u00f6s dieses ihm unbekannten Meisters wohl die Ausreise aus Nazi -Deutschland f\u00fcr sich und seine Familie finanzieren konnte\u201c. Wie man sich CDF und seinen Werken n\u00e4hern, sich um Verst\u00e4ndnis bem\u00fchen sollte, auch dar\u00fcber gehen naturgem\u00e4\u00df die Meinungen \u00fcber die Jahrhunderte auseinander. Ich halte es da mit Friedrich selbst: \u201eWillst du wissen, was Sch\u00f6nheit sei? 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