{"id":1262,"date":"2024-04-02T18:43:49","date_gmt":"2024-04-02T18:43:49","guid":{"rendered":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/?p=1262"},"modified":"2024-09-10T16:53:59","modified_gmt":"2024-09-10T16:53:59","slug":"mario-vargas-llosa-le-dedico-mi-silencio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/v\/mario-vargas-llosa-le-dedico-mi-silencio\/","title":{"rendered":"Mario Vargas Llosa: Le dedico mi silencio (dt.: Die gro\u00dfe Versuchung)"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1262\" class=\"elementor elementor-1262\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2be468e2 e-con-full e-flex wpr-particle-no wpr-jarallax-no wpr-parallax-no wpr-sticky-section-no wpr-column-slider-no wpr-equal-height-no e-con e-parent\" data-id=\"2be468e2\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-959a09d elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"959a09d\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Am Ort des Geschehens gekauft und in der Bucht von Lima gleich mit dem Lesen begonnen.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-50664a2c elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"50664a2c\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><\/p>\n<p>Um es vorweg zu sagen: Dieses Buch ist eine Liebeserkl\u00e4rung des peruanischen<br \/>Nobelpreistr\u00e4gers an sein Land, seine Kultur, vor allem aber an die Musik &#8211; den \u201cvals criollo\u201d,<br \/>den \u201ekreolischen Walzer\u201c. Diese Musik, erfunden in den Armenvierteln der peruanischen<br \/>Hauptstadt Lima, Ergebnis der \u201eMysterien und Wunder der peruanischen Armut\u201c, ist keine<br \/>Musik f\u00fcr die Einsamkeit, sondern \u201eeine soziale Institution\u201c.<br \/>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte von To\u00f1io Azpilcueta, einem Musikbegeisterten, unerwartet in<br \/>seinen akademischen Karrieretr\u00e4umen ausgebremst, bevor er richtig durchstarten konnte. Er<br \/>arbeitet als Aushilfslehrer, schreibt Zeitungsartikel, ohne seine tatkr\u00e4ftige Frau Matilde k\u00f6nnte<br \/>die Familie jedoch kaum \u00fcberleben. Aber To\u00f1io macht sich einen Namen als Kenner der<br \/>peruanischen Musik.<br \/>Eines Nachts h\u00f6rt er in einer Kneipe einen unbekannten jungen Gitarristen, Lalo Molfino,<br \/>dessen Gitarrenspiel ihn packt und \u201edie Seelen aller Anwesenden bis zu dem Punkt magneti-<br \/>siert, wo alle sozialen, rassischen, intellektuellen oder politischen Unterschiede zweitrangig<br \/>werden\u201c.<br \/>Sehr viel sp\u00e4ter stellt To\u00f1io Nachforschungen an und muss feststellen, dass der junge Mann<br \/>bereits verstorben ist. Er will ein Buch \u00fcber Molfino schreiben und entdeckt dessen tragische<br \/>Geschichte. Als Baby wurde Lalo auf einem riesigen M\u00fcllplatz im Norden des Landes<br \/>ausgesetzt in der Hoffnung, dass die Ratten ihn fressen. Ein italienischer Priester namens<br \/>Molfino findet den Jungen, adoptiert und zieht ihn auf. Lalo findet auf dem M\u00fcllplatz eine<br \/>Gitarre. Das ist der Beginn seiner Begeisterung f\u00fcr dieses Instrument, die f\u00fcr nichts anderes in<br \/>seinem Leben Platz l\u00e4sst. So sehr er seine Zuh\u00f6rer begeistert, pers\u00f6nlich ist er ein schwieriger<br \/>Einzelg\u00e4nger und stirbt sehr jung in Lima.<br \/>Aus der geplanten Biographie wird zum gro\u00dfen Teil ein Buch \u00fcber Peru, vom Inkareich bis zur<br \/>aktuellen Lage, gekennzeichnet durch den Terror des maoistischen \u201eSendero Luminoso\u201c, des<br \/>\u201eLeuchtenden Pfads\u201c. Gezeichnet wird ein durch enorme Spaltungen gepr\u00e4gtes Peru: zwischen<br \/>arm und reich, zwischen denen, die spanisch und denen, die Quechua sprechen, zwischen<br \/>denen, die in vergessenen Bergregionen ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen, und den Bewohnern der<br \/>entwickelteren K\u00fcstenregionen.<br \/>Vargas Llosa wechselt zwischen der Erz\u00e4hlperspektive und pers\u00f6nlichen Meinungseinsch\u00fcben.<br \/>W\u00e4hrend To\u00f1io es \u00fcberwiegend bei einer generellen Bestandsaufnahme der peruanischen<br \/>Probleme bel\u00e4sst, benennt Vargas Llosa eher die Ursachen und sieht die Hauptverantwortung<br \/>f\u00fcr die Teilung der Gesellschaft in der Kolonialzeit. So herausragend er<br \/>die spanische Sprache als Integrationsfaktor f\u00fcr den lateinamerikanischen Kontinent bewertet,<br \/>f\u00fcr die Kolonialzeit, aber auch f\u00fcr die Diktatur des Inka-Reichs, hat er ansonsten keine<br \/>Sympathie. Allerdings differenziert er. Besser die Spanier als die Briten, denn, so die<br \/>Erfahrungen aus Nordamerika, wenn die Briten die Eroberer Lateinamerikas gewesen w\u00e4ren,<br \/>h\u00e4tten sie es nach gigantischen Massakern entv\u00f6lkert.<br \/>Dennoch bleiben historische Schuld und aktuelle Verantwortung: Denn die \u201eindios sind<br \/>gestorben wie Fliegen, aber ohne auszusterben. Jetzt sind sie die benachteiligte zweite Klasse,<br \/>die es aufzurichten und an die Macht zu bringen gilt.\u201c<br \/>To\u00f1io tr\u00e4umt von einer Gesellschaft, in der alle anerkannt sind und wie Menschen, nicht wie<br \/>Tiere behandelt werden. Menschen, \u201edie gemeinsam fortschreiten, sich respektieren und so zu<br \/>einem Modell-Land in Lateinamerika werden\u201c. Dabei kommt der Musik die entscheidende<br \/>Rolle zu: \u201eMenschen einander anzun\u00e4hern und die Vorurteile und den Rassismus zu<br \/>bek\u00e4mpfen\u201c. Es gehe darum, die sozialen Vorurteile und den Rassismus in Peru zu \u00fcberwinden,<br \/>indem sich \u201eblanquitos\u201c und \u201eindios\u201c vermischen, darin liege das \u201ewahre Peru\u201c. Die Gr\u00f6\u00dfe<br \/>Perus soll nicht mehr an den Inka-Tempeln festgemacht werden, sondern an der Vermischung<br \/>aller Peruaner.<br \/>Das Buch wird zum Erfolg. Tonio wird an die Universit\u00e4t berufen, sein Traum geht in Erf\u00fcllung.<br \/>Aus dem \u201cloquibambio\u201c, dem \u201eVerr\u00fcckten\u201c, dem \u201eSpinner\u201c, ist ein allseits anerkannter<br \/>Professor geworden. Und nun gibt es f\u00fcr Tonio kein Halten mehr. Der Glaube an seine These<br \/>der auss\u00f6hnenden Wirkung der Musik wird ma\u00dflos. Nun gilt es, die Weltprobleme zu l\u00f6sen. Er<br \/>erweitert sein Buch um immer neue, auch aus anderen L\u00e4ndern stammende Beispiele, die<br \/>seine These belegen sollen. Er erweitert entgegen allen Ratschl\u00e4gen das Buch um weitere 100<br \/>Seiten, zwingt seinen Verleger zur Ver\u00f6ffentlichung und \u00fcberzieht damit endg\u00fcltig.<br \/>Das in seiner Ursprungsversion so erfolgreiche, aber mehrfach erweiterte Werk gilt nun als<br \/>unlesbar, ist unverk\u00e4uflich. Tonio verliert seine Professur und taucht ab, schreibt wieder kleine<br \/>Zeitungsartikel und seine Frau sichert das \u00dcberleben der Familie. Der Lebenskreis schlie\u00dft sich.<br \/>Dennoch hat sich To\u00f1io am Ende mit seinem Schicksal ausges\u00f6hnt. Dass seine heimliche und<br \/>unerf\u00fcllte Liebe Cecilia, eine erfolgreiche S\u00e4ngerin, ihm gesteht, dass seine These von der Rolle<br \/>der Musik ihr immer wieder Kraft gegeben habe, ist ein durchaus vers\u00f6hnlicher Schluss.<br \/>Wie soll man To\u00f1ios These angesichts der Problemf\u00fclle in Peru, aber auch in Lateinamerika,<br \/>Peru steht stellvertretend f\u00fcr viele, wenn nicht alle lateinamerikanischen Gesellschaften,<br \/>nennen? Wunsch, Traum, Vision, Illusion? Jedenfalls brechen die verschiedentlichen<br \/>realistisch-skeptischen Einsch\u00fcbe des Autors sich schlie\u00dflich auch bei To\u00f1io Bahn. Auf die<br \/>Frage Cecilias, ob er nicht mehr glaube, dass sich die Probleme werden l\u00f6sen lassen antwortet<br \/>To\u00f1io: \u201eEines Tages, vielleicht. Aber Du und ich werden das nicht erleben, Cecilia. Die<br \/>Probleme sind sehr gro\u00df und es gibt keine so leichte L\u00f6sung\u201c.<\/p>\n<p>Dieses Buch ist sicher nicht vergleichbar mit den gro\u00dfen Romanen des<br \/>Autors. Es sprengt eine eindeutige Gattungszuschreibung, es ist Roman, Kulturessay und<br \/>pers\u00f6nliches Bekenntnis. Es ist ein interessantes und gut zu lesendes Buch, sowohl was die<br \/>Geschichte von To\u00f1io angeht als auch das, was man \u00fcber Peru lernen kann.<br \/>Wer kein Experte f\u00fcr peruanische Musik ist, und ich bin keiner, der kann viel Zeit damit<br \/>verbringen, die Namen der Musiker und Komponisten im Internet zu suchen und sich die<br \/>zahlreich aufgef\u00fchrten Musikst\u00fccke auch anzuh\u00f6ren. Vargas Llosa k\u00fcndigte mit Erscheinen dieses Buches an, dass es sein letztes gewesen sei. Er<br \/>wolle nur noch einen Essay \u00fcber Jean Paul Sartre schreiben. Man darf gespannt sein. Aber wer<br \/>wei\u00df, vielleicht ist trotz seiner 88 Jahre das letzte Wort noch nicht gesprochen, besser gesagt<br \/>geschrieben.<\/p>\n<p>Die deutsche \u00dcbersetzung ist am 12. August bei Suhrkamp unter dem Titel &#8222;Die gro\u00dfe Versuchung&#8220;erschienen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mario Vargas Llosa<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Versuchung<br \/>Suhrkamp ISBN 978-3518431788<\/p>\n<p>Le dedico mi silencio<br \/>Alfaguara ISBN 978-8420476599<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"pld-like-dislike-wrap pld-template-1\">\r\n    <div class=\"pld-like-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-like-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"1262\" data-trigger-type=\"like\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-up\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-like-count-wrap pld-count-wrap\">4    <\/span>\r\n<\/div><div class=\"pld-dislike-wrap  pld-common-wrap\">\r\n    <a href=\"javascript:void(0)\" class=\"pld-dislike-trigger pld-like-dislike-trigger\" title=\"\" data-post-id=\"1262\" data-trigger-type=\"dislike\" data-restriction=\"cookie\" data-already-liked=\"0\">\r\n                        <i class=\"fas fa-thumbs-down\"><\/i>\r\n                <\/a>\r\n    <span class=\"pld-dislike-count-wrap pld-count-wrap\"><\/span>\r\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ort des Geschehens gekauft und in der Bucht von Lima gleich mit dem Lesen begonnen. Um es vorweg zu sagen: Dieses Buch ist eine Liebeserkl\u00e4rung des peruanischenNobelpreistr\u00e4gers an sein Land, seine Kultur, vor allem aber an die Musik &#8211; den \u201cvals criollo\u201d,den \u201ekreolischen Walzer\u201c. Diese Musik, erfunden in den Armenvierteln der peruanischenHauptstadt Lima, Ergebnis der \u201eMysterien und Wunder der peruanischen Armut\u201c, ist keineMusik f\u00fcr die Einsamkeit, sondern \u201eeine soziale Institution\u201c.Erz\u00e4hlt wird die Geschichte von To\u00f1io Azpilcueta, einem Musikbegeisterten, unerwartet inseinen akademischen Karrieretr\u00e4umen ausgebremst, bevor er richtig durchstarten konnte. Erarbeitet als Aushilfslehrer, schreibt Zeitungsartikel, ohne seine tatkr\u00e4ftige Frau Matilde k\u00f6nntedie Familie jedoch kaum \u00fcberleben. Aber To\u00f1io macht sich einen Namen als Kenner derperuanischen Musik.Eines Nachts h\u00f6rt er in einer Kneipe einen unbekannten jungen Gitarristen, Lalo Molfino,dessen Gitarrenspiel ihn packt und \u201edie Seelen aller Anwesenden bis zu dem Punkt magneti-siert, wo alle sozialen, rassischen, intellektuellen oder politischen Unterschiede zweitrangigwerden\u201c.Sehr viel sp\u00e4ter stellt To\u00f1io Nachforschungen an und muss feststellen, dass der junge Mannbereits verstorben ist. Er will ein Buch \u00fcber Molfino schreiben und entdeckt dessen tragischeGeschichte. Als Baby wurde Lalo auf einem riesigen M\u00fcllplatz im Norden des Landesausgesetzt in der Hoffnung, dass die Ratten ihn fressen. Ein italienischer Priester namensMolfino findet den Jungen, adoptiert und zieht ihn auf. Lalo findet auf dem M\u00fcllplatz eineGitarre. Das ist der Beginn seiner Begeisterung f\u00fcr dieses Instrument, die f\u00fcr nichts anderes inseinem Leben Platz l\u00e4sst. So sehr er seine Zuh\u00f6rer begeistert, pers\u00f6nlich ist er ein schwierigerEinzelg\u00e4nger und stirbt sehr jung in Lima.Aus der geplanten Biographie wird zum gro\u00dfen Teil ein Buch \u00fcber Peru, vom Inkareich bis zuraktuellen Lage, gekennzeichnet durch den Terror des maoistischen \u201eSendero Luminoso\u201c, des\u201eLeuchtenden Pfads\u201c. Gezeichnet wird ein durch enorme Spaltungen gepr\u00e4gtes Peru: zwischenarm und reich, zwischen denen, die spanisch und denen, die Quechua sprechen, zwischendenen, die in vergessenen Bergregionen ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen, und den Bewohnern derentwickelteren K\u00fcstenregionen.Vargas Llosa wechselt zwischen der Erz\u00e4hlperspektive und pers\u00f6nlichen Meinungseinsch\u00fcben.W\u00e4hrend To\u00f1io es \u00fcberwiegend bei einer generellen Bestandsaufnahme der peruanischenProbleme bel\u00e4sst, benennt Vargas Llosa eher die Ursachen und sieht die Hauptverantwortungf\u00fcr die Teilung der Gesellschaft in der Kolonialzeit. So herausragend erdie spanische Sprache als Integrationsfaktor f\u00fcr den lateinamerikanischen Kontinent bewertet,f\u00fcr die Kolonialzeit, aber auch f\u00fcr die Diktatur des Inka-Reichs, hat er ansonsten keineSympathie. Allerdings differenziert er. Besser die Spanier als die Briten, denn, so dieErfahrungen aus Nordamerika, wenn die Briten die Eroberer Lateinamerikas gewesen w\u00e4ren,h\u00e4tten sie es nach gigantischen Massakern entv\u00f6lkert.Dennoch bleiben historische Schuld und aktuelle Verantwortung: Denn die \u201eindios sindgestorben wie Fliegen, aber ohne auszusterben. Jetzt sind sie die benachteiligte zweite Klasse,die es aufzurichten und an die Macht zu bringen gilt.\u201cTo\u00f1io tr\u00e4umt von einer Gesellschaft, in der alle anerkannt sind und wie Menschen, nicht wieTiere behandelt werden. Menschen, \u201edie gemeinsam fortschreiten, sich respektieren und so zueinem Modell-Land in Lateinamerika werden\u201c. Dabei kommt der Musik die entscheidendeRolle zu: \u201eMenschen einander anzun\u00e4hern und die Vorurteile und den Rassismus zubek\u00e4mpfen\u201c. Es gehe darum, die sozialen Vorurteile und den Rassismus in Peru zu \u00fcberwinden,indem sich \u201eblanquitos\u201c und \u201eindios\u201c vermischen, darin liege das \u201ewahre Peru\u201c. Die Gr\u00f6\u00dfePerus soll nicht mehr an den Inka-Tempeln festgemacht werden, sondern an der Vermischungaller Peruaner.Das Buch wird zum Erfolg. Tonio wird an die Universit\u00e4t berufen, sein Traum geht in Erf\u00fcllung.Aus dem \u201cloquibambio\u201c, dem \u201eVerr\u00fcckten\u201c, dem \u201eSpinner\u201c, ist ein allseits anerkannterProfessor geworden. Und nun gibt es f\u00fcr Tonio kein Halten mehr. Der Glaube an seine Theseder auss\u00f6hnenden Wirkung der Musik wird ma\u00dflos. Nun gilt es, die Weltprobleme zu l\u00f6sen. Ererweitert sein Buch um immer neue, auch aus anderen L\u00e4ndern stammende Beispiele, dieseine These belegen sollen. Er erweitert entgegen allen Ratschl\u00e4gen das Buch um weitere 100Seiten, zwingt seinen Verleger zur Ver\u00f6ffentlichung und \u00fcberzieht damit endg\u00fcltig.Das in seiner Ursprungsversion so erfolgreiche, aber mehrfach erweiterte Werk gilt nun alsunlesbar, ist unverk\u00e4uflich. Tonio verliert seine Professur und taucht ab, schreibt wieder kleineZeitungsartikel und seine Frau sichert das \u00dcberleben der Familie. Der Lebenskreis schlie\u00dft sich.Dennoch hat sich To\u00f1io am Ende mit seinem Schicksal ausges\u00f6hnt. Dass seine heimliche undunerf\u00fcllte Liebe Cecilia, eine erfolgreiche S\u00e4ngerin, ihm gesteht, dass seine These von der Rolleder Musik ihr immer wieder Kraft gegeben habe, ist ein durchaus vers\u00f6hnlicher Schluss.Wie soll man To\u00f1ios These angesichts der Problemf\u00fclle in Peru, aber auch in Lateinamerika,Peru steht stellvertretend f\u00fcr viele, wenn nicht alle lateinamerikanischen Gesellschaften,nennen? Wunsch, Traum, Vision, Illusion? Jedenfalls brechen die verschiedentlichenrealistisch-skeptischen Einsch\u00fcbe des Autors sich schlie\u00dflich auch bei To\u00f1io Bahn. Auf dieFrage Cecilias, ob er nicht mehr glaube, dass sich die Probleme werden l\u00f6sen lassen antwortetTo\u00f1io: \u201eEines Tages, vielleicht. Aber Du und ich werden das nicht erleben, Cecilia. DieProbleme sind sehr gro\u00df und es gibt keine so leichte L\u00f6sung\u201c. Dieses Buch ist sicher nicht vergleichbar mit den gro\u00dfen Romanen desAutors. Es sprengt eine eindeutige Gattungszuschreibung, es ist Roman, Kulturessay undpers\u00f6nliches Bekenntnis. Es ist ein interessantes und gut zu lesendes Buch, sowohl was dieGeschichte von To\u00f1io angeht als auch das, was man \u00fcber Peru lernen kann.Wer kein Experte f\u00fcr peruanische Musik ist, und ich bin keiner, der kann viel Zeit damitverbringen, die Namen der Musiker und Komponisten im Internet zu suchen und sich diezahlreich aufgef\u00fchrten Musikst\u00fccke auch anzuh\u00f6ren. Vargas Llosa k\u00fcndigte mit Erscheinen dieses Buches an, dass es sein letztes gewesen sei. Erwolle nur noch einen Essay \u00fcber Jean Paul Sartre schreiben. Man darf gespannt sein. Aber werwei\u00df, vielleicht ist trotz seiner 88 Jahre das letzte Wort noch nicht gesprochen, besser gesagtgeschrieben. Die deutsche \u00dcbersetzung ist am 12. August bei Suhrkamp unter dem Titel &#8222;Die gro\u00dfe Versuchung&#8220;erschienen. \u00a0 Mario Vargas Llosa Die gro\u00dfe VersuchungSuhrkamp ISBN 978-3518431788 Le dedico mi silencioAlfaguara ISBN 978-8420476599 \u00a0 \u00a0 \u00a0 4<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":1403,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[56],"tags":[69,70],"class_list":["post-1262","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-v","tag-lateinamerika","tag-peru"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1262"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1262"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1825,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1262\/revisions\/1825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1403"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher-books-libros.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}