Rosa Parks: Meine Geschichte

Rosa Parks (1913-2005) wurde im Kampf gegen die vielgestaltige legale Rassentrennung in den USA zu einer weltweit verehrten Ikone.

Am 1.12.1955 weigerte sie sich, in einem Bus in Montgomery, Alabama ihren Platz für einen weißen Mann freizumachen. Sie wurde verhaftet und angeklagt.

Am 5.12., dem Tag des Gerichtstermins,  begann ein über einjähriger Bus-Boykott der schwarzen Bevölkerung, eine logistische Meisterleistung, denn mehr als 30 000 Menschen mussten täglich zur Arbeit befördert werden.

Parks wurde verurteilt und ging durch die Instanzen bis zum Supreme Court. Das höchste Gericht der USA erklärte schließlich im November 1956 die Rassensegregation in öffentlichen Verkehrsmitteln für verfassungswidrig. Ein Meilenstein in der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung.

Dennoch kritisiert Alice Hasters in ihrem Vorwort zu Recht, dass vielfach das „gesamte Leben und Schaffen“ Rosa Parks auf diesen einen Tag reduziert wird.

Dies wird ihrem Leben, aber auch der Bürgerrechtsbewegung selbst nicht gerecht.  So emblematisch der „Fall Parks“ auch war, er war nicht der Anfang und nicht der einzige Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung. Derer gab es viele. Bereits ein Jahr vorher gelang ein Durchbruch, als der Supreme Court die Rassentrennung in den Schulen aufhob, Mitte der 60er Jahre wurden dann der Civil Rights und der Voting Rights Act verabschiedet.

Parks selbst rückt die Dimension dieses, ihres berühmten Tages im Kontext ihrer lebenslangen Arbeit in ihren lesenswerten Erinnerungen zu recht. Diese, 1992 erschienen, liegen nun erstmals auf Deutsch vor.

In einer einfachen Sprache schildert Parks ihre Kindheit in einer von alltäglichen Demütigungen, Unterdrückungen, Diskriminierungen und nicht selten auch Gefährdungen für Leib und Leben geprägten Umgebung. Dass sie als kleines Mädchen manche Nächte mit ihrem bewaffneten Großvater durchwacht hat, weil man Überfälle des Ku-Klux-Klans befürchtete, hat sie ihr Leben lang nicht vergessen.

Auch wenn die nächsten Jahrzehnte des Bürgerrechts-Aktivismus weitgehend Männersache ist, und Frauen, so der lokale Vorsitzende der NAACP, „nur in die Küche gehören“…Rosa Parks findet ihre Rolle, nicht zuletzt zusammen mit ihrem Ehemann, ebenfalls Aktivist der Bürgerrechtsbewegung.

Diese Rolle besteht zwar weitgehend in unbezahlten Tätigkeiten für die Bewegung, aber sie gewinnt Einblicke, an denen sie uns an Hand beredter Fallbeispiele teilhaben lässt. Auch an ihrer Verzweiflung und Frustration. 

Denn im Kampf gegen die rassistischen Windmühlen gab es nur wenig Erfolge und Rosa fühlt sich „manchmal überfordert von all der Gewalt und all dem Hass. Aber was blieb schon anders als weitermachen?“.

Und das bedeutete: „Es ging…darum, den Mächtigen die Stirn zu bieten und klarzustellen, dass wir nicht bereit waren,uns weiterhin als Bürger zweiter Klasse behandeln zu lassen“.

Dass es zu dem geschichtsträchtigen Ereignis am 1.12.1955 kam, war ihrer Unachtsamkeit zu danken.  Es war ein Versehen, daß sie diesen Bus bestieg, denn seit sie ein Fahrer 1943 aus dem Bus geworfen hatte, versuchte sie immer, diesem Fahrer auszuweichen. Gerade dieser aber war nun auch der Fahrer am 1. Dezember 1955.

Parks räumt auch mit Mythen auf. So stand hinter ihrem Vorgehen kein Plan, auch sei sie weder zu müde noch zu alt gewesen, um der Aufforderung, Platz zu machen, Folge zu leisten: „Nein, ich hatte es einfach satt, nachzugeben“.

Bis ins hohe Alter war Rosa Parks unterwegs um zu berichten, aufzuklären und zu motivieren. Viele bekannte Aktivisten und Persönlichkeiten wurden zu Wegbegleitern.

Einer der berühmtesten sicherlich Martin Luther King jr., der als 26-jähriger unbekannter Pastor in Montgomery zum Präsidenten der lokalen 

Bürgerrechtsvereinigung gewählt worden war und zu einem der wichtigsten Promotoren des Bus-Boykotts wurde.

Parks räumt ein, zwischen der von Martin Luther King propagierten Gewaltfreiheit und ihrer eigenen Haltung hin und hergerissen zu sein.

„Ich konnte es einfach nicht ertragen, zu kuschen, nicht einmal, wenn ich mein Leben damit aufs Spiel setzte. Ich war zu einem stolzen Menschen erzogen worden, und es hat sich für mich ausgezahlt, aggressiv für mich selbst einzustehen.“

Gleichzeitig ist sie aber im Nachhinein überzeugt, dass diese Philosophie  der Gewaltfreiheit die Grundlage für die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre war.

Fazit des Vorworts: „Gesellschaftlicher Wandel ist möglich – wenn man mutig ist. Und nicht allein.“

Rosa Parks. Meine Geschichte

Unionsverlag 2026. ISBN:978-3-29300641-6

Übersetzt von Sonja Bonin, Vorwort von Alice Hasters

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