Thomas Pynchon: Schattennummer

Es gibt Alterswerke, die besser nicht publiziert worden wären.

Zu meiner großen Enttäuschung fällt „Schattennummer“, der mit viel Brimborium angekündigte Roman des großen Geheimnisvollen der US-amerikanischen Literatur, Thomas Pynchon, in diese Kategorie.

Die Handlung spielt in den USA kurz vor Aufhebung der Prohibition, der Held ist Hicks, ein immer klammer Privatdetektiv, der im früheren Leben als „Schläger des Kapitals“ seinen Unterhalt dadurch gesichert hatte, dass er streikende Arbeiter krankenhausreif schlug. Seine Mutter ist mit einem Zirkusartisten durchgebrannt, sein Onkel Lefty ist Anhänger von Hitler….

Hicks neuer, unfreiwilliger Auftrag: Die Tochter, Ex-Geliebte von Hicks, eines seit langem abgetauchten Gangsterbosses suchen, um sie zu ihrem Verlobten zurückzubringen.

Der Anfang war recht einladend, man hatte Hoffnung, aber dann….

Der Roman, sofern man das Buch als solchen bezeichnen will, leidet an einem überfrachteten Personaltableau und zu vielem, meist unverständlichen, mit sich jagenden Abkürzungen langweilenden Lokalkolorit. Es vergeht einem schnell auch die Lust, bei Dr. Google irgendwas zu suchen.

Insgesamt herrscht eine ziemlich bleihaltige Luft, kein Wunder bei der Fülle von einschlägigen Organisationen wie Syndikaten, der Mafia, Motorradgangs bis hin zu Nazi-Jugendbanden in Chikago.

Ja, zugegeben, ab und an stößt man auf gelungene Formulierungen. Eine Type ist so „eigenartig unmörderisch“, wenn sich „eine Art spiritueller Feistheit anschleicht“ oder wenn man erfährt, dass es in Wisconsin „mehr Gesellschaftstheorien als Saucenvarianten von Heinz gibt“. 

Apart ist die Idee eines deutsch-österreichischen U-Bootes im Lake Michigan, das sich nicht, wie ihm Versailler Vertrag vorgeschrieben, ergeben und hatte abwracken lassen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht ist und nun samt der alten Besatzung seinen illegalen Geschäften nachgeht.

Hicks gerät schließlich absurderweise beim FBI in den Verdacht ein Bombenleger zu sein. Wieso, wird , wen verwundert es, nicht so ganz klar. Jedenfalls muss er verschwinden, will aber eigentlich nicht, KO-Tropfen kommen zum Einsatz, er gelangt dann mit einem Überseedampfer nach Europa, plötzlich finden wir ihn im Zug nach Budapest, keiner weiß so richtig warum, aber die Verwirrung aufgrund der bruchstückhaften, keinen größeren Sinnzusammenhang ahnen lassenden Versatzstücke nimmt zu. 

Einen auch nur halbwegs roten Faden, einen auch nur annähernd überzeugenden Handlungsstrang sucht man in diesen 397 Seiten jedoch vergeblich. 

Der Versuch, diese weitgehend isolierten Versatzstücke irgendwie mit den europäischen Zeitläuften der 30er Jahre in Europa in Verbindung zu bringen hat mich trotz meines hohen historischen Interesses nicht gepackt.

Und…ach was, das Lesen hat mich genug Zeit und Nerven gekostet, ich mach hier jetzt Schluss! Wie sagte doch Hicks so schön: Es geht um „irgendeine komische Geschichte, so dunkel und irre, dass man kaum noch durchblickt„.

Dem ist NICHTS hinzuzufügen!!

Thomas Pynchon: Schattennummer, Rowohlt 2025, ISBN:978-3-498-00822-2

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