
„Freiheit hat ihren Preis“.
Mit diesem Satz endet das Theaterstück: „Arendt. Denken in finsteren Zeiten“, das Premiere im „Freies Schauspiel Ensemble Frankfurt“ feiern konnte.
Wir treffen Arendt wenige Monate vor ihrem Tod in einem ihrem Kopenhagener Hotel, wo sie ihre Dankesrede für die Verleihung des Sonning-Preises vorbereitet.
Ihr „Jüdischsein“ war für Arendt immer eine der bestimmenden Dominanten in ihrem Leben. Dies spiegelt sich in den in diesem Stück von Rhea Leman verarbeiteten zentralen Phasen ihres Lebens. Ihre Flucht aus Deutschland, die Beteiligung an der Rettung jüdischer Jugendlicher und deren Ansiedlung in Palästina, ihr Aufenthalt und ihre Flucht aus Frankreich in die USA. Stationen und Verhaltensweisen, die auch teils (selbst)kritisch hinterfragt werden.
Arendt befindet sich in einem permanenten Dialog mit ihrer Vergangenheit, auch ihr verstorbener Ehemann, Heinrich Blücher, ist Teil davon, aber auch Eichmann, der 1961 in Jerusalem hingerichtete Organisator des NAZI-Massenmordes an den Juden oder der Staatsanwalt im Eichmann-Prozess, Hausner.
Am intensivsten ist der zeitlich dominierende (Schluß)teil des Abends, der sich mit „Eichmann in Jerusalem“, Arendts sicherlich kontroversestes Buch, auseinandersetzt. Dieses Buch, nicht zuletzt bekannt wegen des Untertitels „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“, hatte international heftige Kritik, auch und gerade von bis dahin engen Freunden und Weggefährten ausgelöst.
Ein spannender Abend. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug.
Um dieses Stück in seinen verschiedenen Facetten schätzen und „genießen“ zu können sind allerdings zumindest rudimentäre Kenntnisse vom Lebensweg Arendts und vor allem der Kontroversen über ihren „Eichmann in Jerusalem“ sehr hilfreich.
Einen kleinen Kritikpunkt will ich nicht verschweigen. Das Herumgetänzel von Arendts verstorbenem Ehemann Blücher zu Beginn des Stückes nervt gewaltig und lenkt ab! Kann ersatzlos entfallen!