von Maciej Siembieda Es gibt so viel zu entdecken! Auch und gerade in den vielfältigen Literaturwelten Osteuropas. „Katharsis“ ist ein Beispiel dafür! Siembieda, einer der bekanntesten polnischen Schriftsteller, thematisiert im 1. Band seiner Trilogie über ein halbes Jahrhundert polnischer, griechischer und damit auch europäischer Geschichte. Er verwebt historische Fakten und Fiktion zu einem spannenden Buch – über 600 Seiten…und man langweilt sich nicht! Es beginnt mit einem dramatischen und tödlichen Kapitel im Polen der letzten Kriegstage. Die SS versteckt zahlreiche Fässer reinen Urans. Dessen Geschichte ist dann einer der sich durch diesen Roman ziehenden roten Fäden. Dazu zählt die Geschichte des von der Sowjetunion in Polen ohne Rücksicht auf menschliche Verluste betriebenen Uranabbaus in der Grube Kletno. 200 Tonnen reines Uran, mit einer Spengkraft von 300 Hoiroshima-Bomben, wurden in die Sowjetunion verbracht. Das atomare Wettrennen der beiden Supermächte USA und UdSSR war im vollen Gange. Wir lernen Kostas kennen, den wohl tragischsten  Helden dieser Geschichte, griechischer  kommunistischer Widerstandskämpfer zunächst gegen die deutsche Besatzung während des 2. Weltkrieges, danach gegen die Militärdiktatur in seinem Land. Siembieda bringt in der Folge ein kaum bekanntes Kapitel europäischer Geschichte in Erinnerung –  tausende dieser kommunistischen Widerstandskämpfer wurden mit ihren Familien heimlich nach Polen verfrachtet, um sie vor der Verfolgung und dem sicheren Tod in ihrer Heimat zu retten. So gelangt auch Kostas mit Frau und zwei kleinen Kindern nach Polen. Über drei Generationen spannt sich die Erzählung zwischen 1941 und 1990. Die Lebens- Schicksalswege polnischer und griechischer Familien überschneiden und vermischen sich. Aufstieg und Scheitern wechseln sich ab, der Kampf ums wirtschaftliche wie politisch-berufliche Überleben nimmt breiten Raum ein. Man taucht ein in das kommunistische Polen, aber auch das Polen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Man erfährt einiges über die Machenschaften von Geheim- und Sicherheitsdiensten, aber auch die Geheimnisse des Schmugglerwesens. Dass der Süßstoff Sacharin dabei über Jahre eine besondere Rolle spielte ist sicherlich den meisten auch unbekannt. „Katharsis“ endet mit zwei dramatischen Volten, beste Cliffhanger, um auf die beiden folgenden Bände dieser Romantrilogie „Nemesis“ und „Kairos“ gespannt zu sein! Maciej Siembieda: Katharsis, Polente Verlag, 2026 Aus dem Polnischen von Ewa Krauss ISBN:978-3-903634-02-2 Danke an den Polente Verlag für das Rezensionsexemplar