EIN NEUER FILM ZUM ROMAN!! Nach seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig 2015 ist nun der Film von François Ozon „Der Fremde“ nach dem Roman von Albert Camus auch in manchen deutschen Kinos zu sehen. Es handelt sich nach der Visconti-Verfilmung (1967) um die zweite Verfilmung des Camus-Romans. Der Schwarz-Weiß-Film ist absolut sehenswert, setzt nach meinem Eindruck den Roman hervorragend um und bietet sicherlich einen besonderen Zugang zu dem nicht einfachen Buch. Ich sage das, gerade weil ich mit „Der Fremde“ meine Schwierigkeiten hatte und habe, sprich, vor allem mit dem „Helden“ Meursault. Dessen profunde Empathielosigkeit, seine grenzenlose Indifferenz und menschliche Kälte sind mehr als befremdend, verstörend, ja abstoßend. „Das ist nicht wichtig“ und „Ich weiß nicht“ sind seine beiden häufigsten Sätze. Dass diese Charaktereigenschaften und seine vorgebliche Gefühllosigkeit beim Begräbnis seiner Mutter und nicht der Mord an einem arabischen Jugendlichen zum eigentlichen Thema des Prozesses werden, wirft natürlich einen bezeichnenden Blick auf den Kontext des französischen Kolonialismus in Algerien, dessen erklärter Gegner Camus war. So irreführend der Prozess trotz der verhängten Todesstrafe auch ist, es macht den Angeklagten Meursault für mich keinen Deut nachvollziehbarer, geschweige denn sympathischer. DENNOCH: „Der Fremde“ – Film und Buch – Sehens- und lesenswert!!